Diskussionen im März

Handspiel-Wirrwarr beschäftigt auch Regelhüter

Schiedsrichter Frank Willenborg (2.v.r) stand beim Spiel Schalke gegen Freiburg öfters im Mittelpunkt.

Schiedsrichter Frank Willenborg (2.v.r) stand beim Spiel Schalke gegen Freiburg öfters im Mittelpunkt.

18.02.2019 Berlin. Hand ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Möchte man zumindest meinen. So leicht ist es im Fußball aber nicht mehr. Nach den Debatten in der Bundesliga richtet sich das Augenmerk nun auf das einzige Gremium, das über eine Regel-Änderung entscheiden kann.

Nach den hitzigen Diskussionen in der Bundesliga ruhen die Hoffnungen für eine Klärung des großen Handspiel-Wirrwarrs auf den Regelhütern des Weltfußballs.

Eine von Trainern, Spielern und Fans ersehnte grundsätzliche Lösung wird es aber wohl auch beim nächsten Treffen des International Football Association Boards am 2. März im schottischen Aberdeen kaum geben.

Auf der Tagesordnung des Gremiums mit je vier Vertretern der FIFA und der britischen Fußballverbände unter dem Punkt 2.c "Regel 12 Fouls und unsportliches Betragen: Handspiel" steht das Thema noch unter der Diskussion über eine mögliche Änderung des Schiedsrichterballs.

Bewusst sind sich die Fußball-Funktionäre über die Brisanz aber durchaus. Nach ihrem Treffen (Annual Business Meeting/ABM) im November hieß es in einer IFAB-Mitteilung: "Einer der am meisten diskutierten Bereiche der Spielregeln ist Handspiel." Um später anzuschließen: "Der ABM hat die Erwartungen der Fußballakteure gebührend zur Kenntnis genommen." Ob diese Haltung in Aberdeen zum großen Regel-Befreiungsschlag führt, scheint somit fraglich.

Klar ist derzeit nur: Tore, die egal auf welche Weise mit der Hand erzielt werden, gelten künftig nicht. Der Treffer von Lars Stindl vor knapp zwei Jahren für Mönchengladbach gegen Ingolstadt, würde also nicht mehr zählen. Auch ein Handspiel, das zu einer Torchance führt, muss künftig in jedem Fall geahndet werden - unabhängig von Absicht, Armwinkel oder Armschwingung, die jetzt noch zur Auslegung herangezogen werden. So steht es in dem November-Papier des IFAB.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, liegt dem Gremium zudem ein Reformpapier vor, dass die bislang in den Fußball-Regeln erwähnten drei Hand-Kriterien auf zwölf ausweitet, um eine Präzisierung zu erreichen. Eine endgültige Klärung wäre aber auch damit nicht gesichert. Diese wäre ob der Vielfalt der Spielsituationen möglicherweise nur denkbar, wenn jedes Handspiel strafbar wäre.

"Es wird da keine abschließende Meinung geben", sagte Deutschlands WM-Schiedsrichter Felix Brych zur momentanen Hand-Auslegung in einem Interview der Februar-Ausgabe des Magazins "11Freunde". "Wir reagieren dabei sogar auf den Zeitgeist. In meiner Karriere ist bestimmt fünf Mal die Auslegung verändert worden, was Handspiel ist."

Alle IFAB-Entscheidungen der März-Sitzung treten zum 1. Juni 2019 in Kraft. Danach sind Regeländerungen erst wieder beim nächsten Jahrestreffen 2020 möglich.

Am vergangenen Wochenende war es zu mehreren strittigen Szenen in der Bundesliga gekommen. Beim Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und RB Leipzig (1:3) hatte es einen Elfmeter für die Schwaben nach Videobeweis wegen Willi Orbans Handspiel gegeben. Auf Schalke wurde beim 0:0 gegen Freiburg ein Handelfmeter für die Gäste nach Intervention des Videoschiedsrichters (VAR) zurückgenommen. Und in Wolfsburg hatte der VAR mit eingegriffen und für einen Handelfmeter des VfL gesorgt.

Thorsten Kinhöfer hatte daraufhin als Experte der "Bild am Sonntag" eine Reform gefordert. "Natürlich ist es eine Definitionsfrage und damit per se schwierig. Aber unkonkreter und unübersichtlicher als derzeit kann die Regel kaum werden", meinte Kinhöfer. Stuttgarts Trainer Markus Weinzierl merkte an: "Ich habe schon keine Meinung mehr dazu. Ich glaube, jeder Schiedsrichter sieht es anders. Ich glaube, jeder Experte interpretiert es anders." (dpa)