Kommentar zum Karriereende

Diskus? Harting!

Am Sonntag beendet Robert Harting in Berlin seine Karriere.

Am Sonntag beendet Robert Harting in Berlin seine Karriere.

Ein Großer beendet am Sonntag seine Karriere. Robert Harting hinterlässt eine Lücke in der deutschen Leichtathletik.

Diskuswerfen ist nicht unbedingt die optimale Disziplin, um ein Gesicht des Sports zu werden. Bei den großen, schweren Athleten fliegt der Dopingverdacht stets im Windschatten der Scheibe mit. Zudem sieht, was da im Ring passiert, für den Laien wie rohe Gewalt aus. Dabei ist es Feinmotorik in Perfektion, wenn das Ding mal an die 70 Meter fliegt. Nein, der Glamour ist in der Leichtathletik eher auf der Bahn zu Hause, allenfalls noch beim Sprung.

Robert Harting hat es dennoch geschafft, sich ins kollektive Gedächtnis zu werfen. Diskus? Harting! Und zwar Robert – und nicht Christoph, sein flegelhafter jüngerer Bruder. Robert war auch ein bisschen so, als er jung war. Eckte an, beleidigte, widersprach sich, benahm sich daneben. Aber er dachte auch nach und war in der Lage, sich zu korrigieren. Im reifen Alter waren seine Aussagen zu Sportpolitik, Sportförderung und Doping meist nachdenkenswert. Harting positionierte sich, gerne gegen den Mainstream, war stets vernehmbar.

Allerdings hört einem EM-Sechsten niemand zu. Ein bisschen Edelmetall braucht es schon, um wahrgenommen zu werden. Robert Harting war einmal Olympiasieger und dreimal Weltmeister – das ist bemerkenswert, aber keineswegs einzigartig. Was diesen streitbaren Koloss so besonders macht, ist der Mix aus Leistung, Persönlichkeit, Comebackwillen und vielleicht auch ein wenig seine Neigung, nach großen Siegen das Trikot zu zerreißen. Wenn Harting am Sonntag beim Istaf in Berlin abtritt, bleibt da niemand in der deutschen Leichtathletik, der auch nur ansatzweise sein Charisma hat. Wie hieß noch mal der Speerwurf-Europameister?