Zuckerrüben-Bauern in der Region hoffen auf Rekordernte

Zuckerrüben-Bauern in der Region hoffen auf Rekordernte

Die "Königin der Feldfrüchte" fühlt sich wohl im Rheinland - 4 500 Landwirte bauen die Rübe auf etwa 50 000 Hektar an

Rhein-Sieg-Kreis. Die Zuckerrübe fühlt sich im Rheinland wohl. Hier genießt die "Königin der Feldfrüchte" einen enormen Stellenwert und gerade im Vorgebirge kann sie mit exzellenter Weiterverarbeitung rechnen.

Seit Mitte September wird sie geerntet, und es verspricht eine gute und lange Kampagne zu werden. Die Rüben sind dick. Wichtig ist, dass die "Zuckerrüben-Pille" in einen vernünftigen Boden kommt. Der lehmige oder sandige Lössboden im Rheinland ist dafür bestens geeignet: "Das ist ein mittelschwerer Boden, in dem die Rübe gut gedeiht", teilt Rübenbauer Joachim Heinen aus Buschhoven mit.

Der Boden wird zuvor gedüngt, neben Phosphor und Kali ist Stickstoff sehr wichtig. Pflanzenschutzmittel gegen Unkraut, und für die Blattgesundheit muss ebenfalls sein. Mit Schädlingen gibt es laut dem Experten keine Probleme. Auch nicht mit den lästigen Fadenwürmern: "Wir bauen heute Rübensorten an, die den Nematodenbefall reduzieren, und zwar ohne Genmanipulation."

Zuckerrübenkampagne Die Rübenkampagne bezeichnet den Prozess von der Ernte der im Frühjahr gesetzten Zuckerrüben bis zur Ablieferung in der Fabrik. Die Bauern können zufrieden sein: Der Rheinische Rübenbauer-Verband (RRV) spricht von einer möglichen Rekordernte.

Proberodungen wiesen auf ein überdurchschnittliches Ertragsniveau von mehr als 66 Tonnen pro Hektar hin, der Zuckergehalt liege auf einem für die Jahreszeit sehr hohen Niveau von bereits knapp 17 Prozent.

Die Kampagne könne bis in den Januar hinein andauern. Insgesamt bauen 2009 laut dem Rheinischen Landwirtschaftsverband (RLV) im Rheinland rund 4 500 Landwirte auf etwa 50 000 Hektar Zuckerrüben an.Die Saat stammt von speziellen Zuchtanstalten und kommt im Frühjahr in die Erde. Danach kann der Bauer nicht mehr viel machen, sondern ist auf gutes, also nicht zu trockenes Wetter angewiesen. "Rüben brauchen ein Klima wie Wein", meint Heinen. Im Sommer finden Messungen statt, ab September wird geerntet: Die Bauern fahren mit Rübenrodern übers Feld, es entstehen die weithin sichtbaren Rübenberge.

Mit einer "Rübenmaus" werden die Feldfrüchte schließlich auf Transporter umgeschichtet, vorgereinigt und in die Fabriken gefahren, wo sie bis zur Weiterverarbeitung lagern. 40 Prozent von Heinens Rüben landen bei Pfeifer & Langen in Euskirchen, wo aus ihnen Gelier-, Würfel-, Puder- oder Kandiszucker gewonnen wird.

Der Rest geht an die Grafschafter Krautfabrik nach Meckenheim. "Aus rund 50 000 Tonnen Rüben werden rund 13 000 Tonnen Zuckerrübensirup", rechnet Mathias Krumbach, Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung. Hier werden die Rüben von der restlichen Erde befreit und warm gewaschen, bevor sie in einer Maschine zerkleinert werden.

Es folgen zwei Kochvorgänge, danach landen die Rübenstücke zwischen Presstüchern, wo der süße bernsteinfarbene Saft herausgepresst wird, der erst angedickt wird und später im gelben Becher landet. "Ganz wichtig ist, dass der Zucker nicht kristallisieren darf", erläutert Krumbach.

Als Sirup kommt die Rübe schließlich aufs Brot, wird aber auch als Süßungsmittel genutzt und kommt sogar als natürliche Färbung in manche Schwarzbrotsorten. "Ich habe ihn aber am liebsten auf Reibekuchen", verrät Krumbach. Nicht nur der Sirup kommt in der Meckenheimer Fabrik zustande: Die ausgepressten "Zuckerrübenschnitzel" werden in meist nasser Form an die Landwirtschaft weitergegeben, wo sie überwiegend an Kühe weiterverfüttert werden.

Den Rübenbauern im Rheinland geht es noch ganz gut: Probleme wie bei den Milchbauern sieht Johannes Brünker vom Rheinischen Rübenbauer-Verband nicht. Er baut selber auch Rüben an. "Wir haben das Glück, dass wir noch die Zuckermarkt-Verordnung haben." Die gewährt feste Preise zumindest bis zum Jahr 2015.

Die Rübenbauern produzieren nur so viel, wie benötigt wird - eine Kontrolle, die die Milchbauern nicht haben. Aus der Zuckerrübe lässt sich aber nicht nur Zucker, Sirup und Rübenkraut machen, sagt Stefan Sallen vom Landwirtschaftsverband: "Sie wird auch für die Bioethanolherstellung genutzt, das Kraftstoffen beigemischt und in der Industrie genutzt wird." Ob die Rübe in der Zuckerherstellung eine Zukunft hat? "Im Rheinland auf jeden Fall."

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