Flüchtlinge in Bonn: Zelte sind die letzte Option

Flüchtlinge in Bonn : Zelte sind die letzte Option

In der Frage der Unterbringung von Flüchtlingen wird die Stadt Bonn nun wohl von ihrem Prinzip Abschied nehmen müssen, keine Menschen in Zelten schlafen zu lassen. Sozialdezernentin Wahrheit skizziert die Pläne der Stadt, weitere Sammelunterkünfte für Flüchtlinge zu schaffen.

"Unser Ziel ist es, das gerade in der kommenden kalten Jahreszeit zu vermeiden. Aber es könnte sein, dass wir schon nächste Woche Zelte stellen müssen", sagte Sozialdezernentin Angelika Maria Wahrheit am Mittwochabend im Sozialausschuss.

Wie am Donnerstag berichtet, hat die Bezirksregierung die mögliche Zuteilung von 300 weiteren Flüchtlingen für kommende Woche angekündigt. Aktuell werden bereits 1240 Menschen von der Stadt Bonn untergebracht; hinzu kommen 200 in der Notunterkunft des Landes in Muffendorf, die für bis zu 500 Menschen ausgebaut wird. 100 Personen sind in der Landeseinrichtung in der Ermekeilkaserne.

Daneben gibt es weitere städtische Unterkünfte, auch zahlreiche dezentrale Wohnungen. Wahrheit hat nach eigenen Angaben der Bezirksregierung vorgeschlagen, die möglichen weiteren 300 Menschen zum Großteil in der Ermekeilkaserne unterzubringen. Dort müssten dann Zelte aufgebaut werden.

[kein Linktext vorhanden]Den Politikern berichtete Wahrheit, eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe prüfe alle Möglichkeiten vor allem der dezentralen Unterbringung. Ziel sei es, für einen willkommen heißenden Umgang mit den Flüchtlingen zu werben. "Wir prüfen auch Industriegelände und - wenn alle Stricke reißen - Turnhallen, Sportplätze und Hotels." Zuvor würden alle Möglichkeiten für Sammelunterkünfte ausgeschöpft.

Pestalozzischule: Geplant sei in dem leeren Gebäude eine Noteinrichtung für 30 Personen, man werde die Zahl aber mindestens verdoppeln müssen, so Wahrheit.

StudentenwohnheimErzbergerUfer: Die Stadt will in 70 Apartments einzelne Flüchtlinge unterbringen, ansonsten sei der Feuerschutz nicht zu garantieren. Den solle eine Wachperson übernehmen. Der Ausschuss beschloss, die marode Immobilie erst Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen und dort dann mit Hilfe der Vebowag für sozialen Wohnungsbau oder für preiswerten studentischen Wohnraum zu sorgen.

EhemaligePoliklinik: Im Gebäude an der Wilhelmstraße, auf dessen Grundstück 170 neue Wohneinheiten gebaut werden sollen, will die Stadt ebenfalls vorübergehend Flüchtlingen Unterschlupf bieten. Weil es weder Toiletten noch Waschbecken gibt, müssen Container aufgestellt werden.

EhemaligeVolkshochschule: Im kürzlich verlassenen Gebäude soll laut Wahrheit ein Schulzentrum für junge Flüchtlinge eingerichtet werden, wo sie vor Eintritt in die Regelschule Deutsch lernen.

Coletta Manemann beschrieb die Bemühungen ihrer Integrationsstelle als Schnittstelle zwischen den vielen Bonnern, die sich für Flüchtlinge einsetzten. "Es sind Einzelpersonen, aber auch Kirchengemeinden, Migranten-Selbsthilfeorganisationen und Vereine, die wir unterstützen."

Zudem biete die Stabstelle Veranstaltungen an, bei denen sich Interessierte über Möglichkeiten des Engagements informieren und Kontakte knüpfen könnten. Sie sei neben Sozial- und Jugendamt auch Ansprechpartnerin für die Vermittlung von Geld- oder Sachspenden für Flüchtlinge. Gleichzeitig dürfe sie dem Drängen zahlreicher potenzieller Ehrenamtlicher nicht nachgeben. "Denn die Verwaltung respektiert das Recht der Flüchtlinge auf Privatsphäre und Datenschutz. Es werden weder Daten von Flüchtlingen weitergegeben, noch Unbefugte in die Unterkünfte zugelassen."