Anlieger in Ramersbach sind in großer Sorge: „Wir werden wohl das Haus verkaufen müssen“

Anlieger in Ramersbach sind in großer Sorge : „Wir werden wohl das Haus verkaufen müssen“

In Ramersbach regt sich weiter Widerstand gegen Straßenbaupläne, die Anwohner teuer zu stehen kommen könnten.

Ilse Jüttner ist 79 Jahre alt und will ihren Lebensabend eigentlich in Ramersbach genießen. Seit mittlerweile 24 Jahren lebt sie dort mit ihrem Ehemann Manfred. Den Bungalow im Kiefernweg haben sie seinerzeit gekauft, er ist gemütlich eingerichtet. Doch nun sehen die beiden Existenzängste auf sich zukommen. Im Kiefernweg und dem angrenzenden Tannenweg werden Kanal und Wasserleitung erneuert. Gleichzeitig sollen die Straßen mit einer ansehnlichen breiten Fahrbahn, Gehweg und Mehrzweckstreifen ausgebaut werden. Es drohen massive Anliegerkosten.

Den Plänen hat der Ortsbeirat einstimmig zugestimmt (der GA berichtete). Den Großteil der Kosten müssen allerdings die Anwohner tragen. „Das wird auf die Grundstücksgröße berechnet, bei unseren 1100 Quadratmetern sehe ich Kosten von bis zu 25 000 Euro auf uns zukommen. Das Geld haben wir nicht, wo sollen wir es hernehmen?“, fragt die Rentnerin, die seit der jüngsten Ortsbeiratssitzung über Ängste und Herzbeschwerden klagt. „Wir werden das Haus wohl verkaufen müssen“, befürchtet sie.

Zwar habe die Stadt Möglichkeiten wie Stundung in Aussicht gestellt. Um die Zahlung aber werde man nicht herum kommen. Schon im vergangenen Jahr, als an der angrenzenden Heckenbacher Straße der Gehweg erneuert wurde, sei man zur Kasse gebeten worden. „Das waren damals knapp 3000 Euro. Schon bei diesem Betrag hat man sich zunächst schwer getan, einer Ratenzahlung zuzustimmen“, berichtet Ilse Jüttner.

Die Kosten, die auf die Anlieger zukommen, sind aber nicht die einzigen Argumente, die die Gegner des Straßenausbaus aufführen. Manfred Jüttner vermisst die Kommunikation mit dem Ortsbeirat: „Man hat uns vor gut einem Jahr vier Tage vor einem Stadtratsbeschluss mit den Bauplänen konfrontiert. Damals gingen die Bürger mehr oder weniger auf die Barrikaden. Bürgermeister Orthen hat den Punkt von der Tagesordnung genommen und dem Ortsbeirat aufgetragen, die Beratung mit den Anwohnern zu suchen. Solche Gespräche haben meines Erachtens nie stattgefunden. Es wurde, wie bei vielen anderen Beispielen auch, über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden.“ Die Notwendigkeit des geplanten Ausbaus der Straßen sieht Jüttner ebenfalls nicht: „Wir sind hier auf dem Land. Dieser Ausbau ist überflüssig.“

Dieter Schmitz sieht es ähnlich, der 72-jährige Pensionär wohnt auch schon 34 Jahre in Ramersbach. „Ein solcher Ausbau ist Unsinn. Hier fahren nur die Anlieger, die Post oder ein Paketdienst und im Winter der Winterdienst. Hat die Stadt hier mal eine Erhebung der Frequenz gemacht? Hier wohnen überwiegend ältere, mobile Bürger, die den Gehweg kaum nutzen werden“, so Schmitz, der weiter betont, es gebe im gesamten Kiefernweg zwei Kinder und einen Säugling. „Und bei maximal noch vier Baulücken ist kaum mit dem Zuzug weiterer Menschen zu rechnen“, betont der pensionierte Lehrer.

Schmitz hat aber noch eine ganz andere Sicht der Dinge: „Das ist auch ökologisch völliger Unsinn. Man ist bei der Stadt immer noch der Meinung, man müsse alles zubetonieren. Das ist eine Denke von vor 30 Jahren, nicht von heute. Die Straße sollte bleiben, wie sie ist. Oder besser noch, auf die Breite eines Fahrzeugs zurückgebaut werden. Der Verkehr kann dann ja als Einbahnstraße gelenkt werden.“

Alle drei sind sich einig, dass viele Ramersbacher Straßen in einem weitaus schlechteren Zustand seien, als der Tannen- und der Kiefernweg. „Hier werden Riesensummen für Straßen ausgegeben, die man nicht braucht“, so die einhellige Meinung. Manfred Jüttner ergänzt: „Eine Kommune, die so wenig Geld hat, braucht derart überflüssige Straßen nicht zu bauen.“

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