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Große Hilfsbereitschaft aus der Region: "Wir stoppen gerade jeden Aufruf"

Große Hilfsbereitschaft aus der Region : "Wir stoppen gerade jeden Aufruf"

In Deutschland sind die Männer zu groß - zumindest mit Blick auf die benötigte Kleidung der Flüchtlinge. So kann man die Sätze von Bernd Lehmann, Co-Dezernent der Stadt Siegburg für Zentrale Dienste und Bürgerservice, verstehen.

"Wir haben zu wenig Männerkleidung in Größe S. Und für die Größen L und XL finden wir keine Abnehmer bei den Flüchtlingen."

Wenn man sich bei den Kommunen im Rhein-Sieg-Kreis umhört, ist es fast überall dasselbe Bild: Sachspenden sind eigentlich nicht mehr nötig, die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung hat in den vergangenen Wochen die Lagerräume gefüllt. "Die große Bereitschaft zu Sachspenden stellt die Hilfsorganisationen vor riesige, nicht zu bewältigende Herausforderungen", sagte gestern etwa Landrat Sebastian Schuster.

Nicht mehr nur der Kleidersack

Anders als noch vor wenigen Wochen sind nun ganz bestimmte Utensilien gefragt. Lehmann sagte: "Wir freuen uns über jede Spende, aber mittlerweile muss es gezielt sein. Einfach nur noch den Kleidersack abzugeben, geht leider nicht mehr." Und Isabelle Lütz, die die Ehrenamtlichen in der Notunterkunft in Bornheim koordiniert, sagte: "Insgesamt kann man schon sagen, dass wir gerade jeden Aufruf gestoppt haben."

In Bad Honnef etwa mussten Helfer am Montag die Aufnahme im katholischen Pfarrheim schließen, es war schlicht kein Platz mehr für die vielen Sachspenden. Zwar nehmen die Ehrenamtlichen Spenden weiterhin an jedem ersten Montag im Monat an, aber nach den Erfahrung in dieser Woche empfehlen die Helfer auf spezielle Aufrufe in den Medien zu achten oder sich direkt an die Koordinatoren zu wenden. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Hennef: Die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes ist proppenvoll. "Wenn wir etwas brauchen, rufen wir gezielt auf", sagte Stadtsprecher Dominique Müller-Grote.

Die Stadt Königswinter verzichtet bewusst auf Aufrufe für Sachspenden. "Die Leute sind sehr hilfsbereit", berichtete Sozialdezernentin Heike Jüngling aus Erfahrung. Doch was tun mit den Dingen, die nicht gebraucht werden? "Wir müssen sie dann entweder irgendwo lagern oder gar wegwerfen.

Das kann es ja nicht sein." Ansonsten haben die Stadt Königswinter und das Forum Ehrenamt eine große virtuelle Gemeinschaft aufgebaut, in der konkrete Sachspenden abgefragt werden können. Zudem arbeite man mit den Kleiderstuben zusammen. "Dieses System hat sich bewährt", sagte Jochen Beuckers vom Forum Ehrenamt.

Die Stadt Königswinter bittet vor allem um Geldspenden. "Auch vier oder fünf Euro sind eine Hilfe", sagte Jüngling. Sie garantiert, dass die Spenden auf keinen Fall verwandt werden, um Pflichtleistungen zu bezahlen. "Hier geht es um Schokolade für die Kinder oder andere Dinge, die die Flüchtlinge sich wünschen oder dringend brauchen."

Auch Bernd Lehmann aus Siegburg sagte: "Geldspenden helfen uns immer weiter." Keine Alternative ist es, direkt an die Notunterkünfte in den Turnhallen zu fahren und dort Sachen abgeben zu wollen. "Da schickt man sie ohnehin weg, die Helfer haben schlicht andere Dinge zu erledigen", sagte Stadtsprecher Müller-Grote aus Hennef. Der Bedarf an Sachspenden ist also gedeckt, beim Thema "ehrenamtliche Helfer" sieht das teilweise anders aus.

In Bornheim beispielsweise hat Koordinatorin Lütz zwar mehr als 300 Helfer auf ihrer Liste stehen, aber "davon kann man nie genug haben", sagte sie. Etwa bei Behördengängen seien Paten für Flüchtlingsfamilien hilfreich. "Auch als Deutscher muss man mal jemanden um Hilfe fragen bei bestimmten Angelegenheiten.

Und bei den Flüchtlingen ist das ja wegen der Sprache um ein Vielfaches dringender", sagte Lütz. Der Bedarf an Flüchtlingspaten ist in Sankt Augustin hingegen gedeckt. Mitte August rief die Awo Niederpleis über den GA Interessierte auf, sich für diese Aufgabe zu melden. Am Mittwoch schrieb Horst Opolka von der Awo: "Auf unsere Pressemeldung haben sich mehr Helfer gemeldet, als wir 'sinnvoll' unterbringen können. Daher bitten wir Sie dringend, unsere Suche nicht mehr zu veröffentlichen."

Kontaktadressen für Bürger, die helfen möchten

Die Städte und Gemeinden haben Ansprechpartner zur Flüchtlingshilfe unter anderem in Rathäusern.

  • Alfter, Rathaus, Markus Jüris, 02 28/ 6 48 41 79, markus.jueris@alfter.de
  • Bad Honnef, Rathaus, Nadine Batzella, 0 22 24/18 41 94, nadine.batzella@ bad-honnef.de
  • Bonn, Rathaus, Integrationslotsen 02 28/77 23 75, integrationslotsen@bonn.de
  • Bornheim, Rathaus, Herbert Meyer, 0 22 22/94 51 66. herbert.meyer@stadt-bonn.de
  • Hennef, Rathaus, Tel. 0 22 42/88 86 66
  • Königswinter, Rathaus, Marianne Eckhardt, 02244/889348, marianne.eckhardt@koenigswinter.de
  • Meckenheim, Rathaus, Michael Leven, 0 22 25/91 71 93, michael.leven@meckennheim.de
  • Much, Rathaus, Gaby Göbel, 0 22 45/68 24, gaby.goebel@much.de
  • Neunkirchen-Seelscheid, AG Flüchtlinge, Stefan Franken, Stefan.franken@neunkirchen-seelscheid.de
  • Niederkassel, Ökumenische Flüchtlingshilfe, Ilse Mutke, 0 22 08/7 29 65, ilsemutke@netcologne.de
  • Rheinbach,Verena Weber, info@fluechtlingshilfe-rheinbach.de
  • Ruppichteroth, Arbeitskreis Flüchtlingshilfe, Klaus Schramm, 0 22 95/58 48, klaus.schramm58@gmx.de
  • Sankt Augustin, Peter Tielke, 0 22 41/24 33 33, peter.tielke@sankt-augustin.de
  • Siegburg, Rathaus, Andrea Wendt-Löffler, 0 22 41/10 28 41
  • Andrea.Wendt-Loeffler@siegburg.de
  • Swisttal, Iris Sauer, 0 22 55/30 95 12, Iris.Sauer@Swisttal.de
  • Troisdorf, Rathaus, Bernhard Gatzke, 0 22 41/90 05 18, GatzkeB@troisdorf.de