GA-Serie "Rheinische Redensarten": Wer fuul es, es och schlau

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Wer fuul es, es och schlau

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen. Dieses Mal: "Wer fuul es, es och schlau"

Viele Hochgelehrte verfügen über hilfreiche Informationen, wie man das Leben erfolgreich meistert. Grundsätzlich gilt es als bürgerliche Tugend, arbeitsam und zielstrebig zu sein.

Das belegen so manche Sinnsprüche wie „Ohne Fleiß keinen Preis“, „früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will“ oder „Müßiggang ist aller Laster Anfang“.

Es spricht einiges dafür, dass Trägheit im allgemeinen gesellschaftlichen Ansehen nicht sehr hoch im Kurs steht.

Da mag es paradox klingen, wenn der Rheinländer zu einem völlig anderen Schluss kommt. Zu besichtigen ist der in dem Satz: „Wäe fuul es, es och schlau!“ Das ist auch für den Zugereisten nicht schwer zu verstehen. Es heißt auf Hochdeutsch: Wer faul ist, ist auch schlau!

Nun muss man wissen, dass der Ureinwohner des Landstrichs zwischen Koblenz und Düsseldorf keineswegs dumm oder vulgär sein ist. Vielmehr ist er hauptsächlich bekannt für seine äußerst dezidierte und geschickte Argumentationskette. Denn der Satz heißt nicht einfach: Wer faul ist, ist schlau. Es heißt AUCH schlau.

Dieses kleine unscheinbare Wörtchen spannt einen ganz neuen Bedeutungshorizont auf, der nicht für ein paar Mark Fuffzig zu haben ist. Denn dieses AUCH gibt uns mit auf den Weg: Wer der schweren Arbeit abhold ist, sich ihr in gebotenem Maße entzieht, der handelt nicht grundsätzlich falsch. Es kann je nachdem auch eine positive Wirkung für das eigene Leben haben.

Man kennt das ja im Beruflichen wie im Privaten: Was man kann, muss man auch machen. Und schon hat man viel Arbeit am Hals. Da hat so mancher Schlauberger im Laufe der Zeit die Strategie entwickelt, seine beiden linken Hände zu promoten und zu pflegen.

Interessanterweise war die damit verbundene Gewissheit bereits vor 2300 Jahren im Alten Testament der Bibel nachzulesen. Und zwar im Buch Prediger 1,18: Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämens; und wer viel lernt, der muss viel leiden. Der Rheinländer weiß das auch schon lange.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben. Das gedruckte Werk hat die Edition Lempertz verlegt, ISBN: 978-3-96058-211-3, es kostet 9,99 Euro.

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