GA-Serie „Rheinische Redensarten“: Wenn et lööf, dann lööf et

GA-Serie „Rheinische Redensarten“ : Wenn et lööf, dann lööf et

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen.

Der Rheinländer neigt für gewöhnlich nicht zum Fatalismus. Normalerweise ist er gut drauf und lässt sich die Stimmung nicht vermiesen. Aber wie das Leben manchmal so spielt, kann auch man auch mal von einer Pechsträhne verfolgt werden. Dann braucht man eine besondere mentale Stütze.

Ich denke etwa an die unerkannt bleibend wollende hiesige Familie, der während eines Jahres gleich mehrfach Fahrräder an einer einzigen Bahnhaltestelle gestohlen wurden. Da war das Entsetzen groß. Auch wenn man sich die Frage stellen könnte, ob man nicht sofort hätte die geeigneten Schlüsse ziehen sollen und das Rad dort einfach nicht mehr abstellen. Andererseits sollte man den dunklen Mächten unserer Zeit nicht einfach so widerstandslos nachgeben, lieber ein Fanal setzen und nicht aufgeben.

An dieser Stelle ist auf jeden Fall die rheinische Redensart angebracht: „Wenn et lööf, dann lööf et“. Dem aufmerksamen Leser ist sofort klar, hier handelt es sich um eine ironische Bemerkung, die ins Hochdeutsche übersetzt ganz ähnlich klingt: Wenn es läuft, dann läuft's. Wörtlich verstanden bezeichnet der Satz eigentlich eine Glückssträhne. Denn das kann man ja oft im Leben beobachten. Hat man einmal viel Glück gehabt, dann spricht viel dafür, dass sich weitere Glücksfälle anschließen. Könnte sein.

Aber viel häufiger – und so ist der Satz tatsächlich gemeint – hat man doch den Eindruck, das Gegenteil ist der Fall. Wenn es einmal unrund läuft, dann bleibt's auch dabei. Um an unsere Geschichte anzuknüpfen, gab es kurz nach der Fahrraddiebstahlserie noch eine Hiobsbotschaft. Eben jene Eltern fuhren zu nachtschlafender Zeit mit den beiden Kindern im Auto zum etwas entfernten Flughafen. Als sie im Stau standen, verdünnisierten sich die beiden Zöglinge zum Pipi machen ins Gebüsch. Das hatten die Erwachsenen nicht bemerkt und fuhren weiter. Bis sie einen Anruf der Polizei ereilte, dass sie ihren Nachwuchs abholen könnten. Wohlbehalten. Der Flug war weg und es blieb die Erkenntnis: Ein Unglück kommt selten allein. Oder wie man bei uns sagt: Wenn et lööf, dann lööf et.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben.

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