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Wenn der Bürgermeister Klinken putzt

Wenn der Bürgermeister Klinken putzt

Der General-Anzeiger begleitet Achim Haag auf seiner Wahlkampf-Tour durch Altenahr. Am Mittwochabend hat er den marathon müde, aber zufrieden beendet.

Altenahr. Es ist ein Marathon, den Altenahrs Verbandsgemeindebürgermeister Achim Haag (55) am Mittwochabend müde, aber zufrieden beendet. Genauso schweißtreibend, nicht minder anstrengend, Schuhsohlen kostend. Er klapperte in den vergangenen Wochen das Gros der 5 700 Haushalte ab, nahm unzählige Treppenstufen, spielte "Klingelmännchen", begrüßte und bat "seine Arbeitgeber", die Bürger, ihm am kommenden Sonntag eine Vertragsverlängerung, sprich ihre Stimme bei der Urwahl zu geben.

Man könnte sagen "das Klinkenputzen ist unnötig", er ist doch Einzelkandidat und sitzt seit 16 Jahren fest im Sattel. "Respekt zollen" nennt das der Amtsinhaber Haag (CDU) und nimmt nichts für selbstverständlich. Der General-Anzeiger begleitete ihn am Mittwoch ein Stück bei seiner Wahlkampf-Tour.

Fazit: Haag hätte das Zeug zu einem Marathonläufer und entpuppt sich in den folgenden Stunden als Selbstläufer. Denn ob die Besuche in den vielen Hotel- und Gastronomiebetrieben oder im steilen Hang oberhalb der Pfarrkirche in Privathaushalten erfolgten: Die Stimmung ist so positiv, so menschelnd, so persönlich, dass oft der Eindruck entsteht, ein Freund stünde vor der Tür. Haag kennt wirklich jeden im Ort, weiß um die Sorgen und Nöte "seiner Leute". Das scheint genau der Punkt zu sein, mit dem er punktet: mit seiner Empathie.

Fragen aus der Bevölkerung tauchen keine auf, das Haus scheint bestellt. Wenn er sein Sprüchlein aufgesagt und um die Stimme gebeten hat, die ab dem 30. Juni seine Amtszeit verlängert, hört er Antworten von "Meine Stimme ist Ihnen sicher" über "Wir werden da sein" bis zu "Sie machen das schon so lange so gut".

Im Lebensmittelladen von Erich Kilb kommt kurz eine Diskussion auf. "Sie brauchen meine Stimme doch gar nicht", sagt der Ladenbesitzer ein wenig provokant. "Doch", erwidert Haag, "ich brauche 50 Prozent und eine Stimme. Die bin ich", erklärt Haag und hofft natürlich auf eine hohe Wahlbeteiligung.

Kilb spricht das Thema Sparen an und empfiehlt, den Posten des Ortsbürgermeisters zu streichen: "Was brauchen wir zwei?" "Damit würden Sie die Selbstständigkeit der Ortsgemeinden abschaffen", erwidert Haag. Seinen Stimmzettel für die Landtagswahl habe er in den Mülleimer geworfen, gibt Kilb offen zu. "Ich zähle zu den Nichtwählern, die Landespolitik findet nicht meine Unterstützung." Da ist Haag dann froh, dass der Geschäftsinhaber in Ahrweiler wohnt und gar nicht zur Urne gehen kann.

Schade, so formuliert es der Amtsinhaber ein paar Straßenzüge weiter, dass gerade mit Blick auf die Demokratie-Bewegungen in der arabischen Welt nicht jedem bewusst sei, was eine freie Wahl für ein hohes Gut sei. Dafür entlohnen ihn viele Senioren, die ihn im Sprechfunk schon an der Stimme erkennen, und ihm mitteilen, dass sie per Briefwahl ihr Votum bereits abgegeben haben.

Die Frage nach "Give-aways", kleinen Geschenken, verneint er. Auch Flyer verteilt er nicht: "Das gesparte Geld geht an die sieben Kindergärten." Vorbei am eigenen Haus wirft Haag seiner Frau Andrea einen lieben Gruß zu und streichelt kurz die beiden Dackel Linus und Freya. Sie werden ihn am Wahlsonntag bei der Wanderung rund um den Laacher See begleiten. Erst wenn er um 19.30 Uhr ins Rathaus fährt, weiß er, ob ihn sein Marathon ins Ziel gebracht hat.