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GA-Serie „Rheinische Redensarten“: Wenn de Dich met mir anlähje wells, dann pass Dir keene Hoot mie

GA-Serie „Rheinische Redensarten“ : Wenn de Dich met mir anlähje wells, dann pass Dir keene Hoot mie

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen.

Der Rheinländer ist von jeher nicht zimperlich. Zwar gibt es hier auch Zeitgenossen der bescheidenen und schüchternen Sorte, sie gehören aber ganz klar zu einer Minderheit. Der Prototyp dagegen weiß, was er meint, und er weiß, was er will. Frei nach dem Lutherwort: Hier stehe ich und kann nicht anders. Und damit sich das Gegenüber darüber auch gleich im Klaren ist, bevorzugt der Anrheiner auch eine klare Sprache.

Das findet sich in der rheinischen Redensart: „Wenn De Dich met mir anlähje wells, dann pass Dir keene Hoot mie.“ Auch für Zugereiste sollte der Satz kein großes Hindernis darstellen. Auf Hochdeutsch würde man wohl übersetzen: Wenn Du Dich mit mir anlegen willst, dann passt Dir kein Hut mehr. Das enthält nicht nicht viel Interpretationsspielraum. Die überaus bildliche Sprache verspricht eine wahrnehmbare Verformung des Kopfes des Angesprochenen. Wobei der Bezug zur Passgenauigkeit des Hutes sicher eine Verbrämung darstellt, denn für manchen hat der Kopf nicht nur die Bedeutung, für einen sicheren Huttransport zu sorgen. Es mag Ausnahmen geben.

Wie dem auch sei, stammt der Satz ganz klar aus dem Bereich der Abschreckungsrhetorik. Dem Gegenüber soll bereits im Vorfeld bekannt gemacht werden, dass ihm ein Streit nicht wohl bekommen wird, weil er sich einen zu mächtigen und zu starken Gegner ausgesucht hat. Auf ähnlicher Logik basierte die atomare Abschreckung der Blockmächte Nato und Warschauer Pakt in den Nachkriegsjahren. Und wenn hohe Politiker solch eine Strategie für tauglich halten, warum sollte es im direkten Mit- und Gegeneinander nicht auch funktionieren?

Ja, wir haben hier wieder einmal ein Beispiel vorliegen, dass der Rheinländer der Weltgeschichte eine kognitive Strategie vorweggenommen hat, die erst später Eingang gefunden hat in die allgemeine politische Handlungsweise. Das nötigt uns Respekt ab. Übrigens hat das mit dem Kopf und dessen möglicher Verformung rein gar nichts damit zu tun, dass das menschliche Haupt im lateinischen Sprachgebrauch „Caput“ heißt.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Der General-Anzeiger bietet mit LVR-Sprachforscher Peter Honnen den Podcast „So geht Rheinisch“. Infos unter: www.ga-bonn.de/podcast