Infoveranstaltung im Gemeindesaal der Lutherkirche: Weitere 900 Flüchtlinge erwartet

Infoveranstaltung im Gemeindesaal der Lutherkirche : Weitere 900 Flüchtlinge erwartet

Eigentlich wollte das Deutsche Rote Kreuz in der Ermekeilkaserne nur 300 Flüchtlinge aufnehmen. Seit vorletzter Nacht sind es 260 mehr. "Das Land NRW ersuchte Amtshilfe, die Kaserne war für uns die beste Unterbringungsmöglichkeit", sagte Sozialdezernentin Angelika Wahrheit.

Gestern Abend informierte sie mit dem DRK-Vorsitzenden Georg Fenninger die Bürger über die aktuelle Situation in der Erstaufnahmeeinrichtung. Die "Schmerzgrenze" sei laut Fenninger bei 700 Menschen erreicht, denn schon jetzt werde es eng auf dem Gelände.

"Auch wenn der Grundbetrieb nun gut funktioniert, haben wir noch einiges zu verbessern", sagte Fenninger vor den rund 200 Bürgern im Gemeindesaal der Lutherkirche. Zum Beispiel bei der Koordination der Ehrenamtlichen. In nächster Zeit soll der Eingang der Kaserne weiter ins Innere verlegt werden, damit die Flüchtlinge nicht auf der Straße warten müssen. "Das kann störend für die Anwohner sein, es ist dann eben sehr laut. Außerdem sollte der Bereich in den Wintermonaten überdacht sein", so Fenninger. Zudem sei die Ideallösung, das komplette Leben in die Gebäude zu verlagern und die Sanitär-Container im Innenhof abzubauen.

Das werde aber laut Fenninger wahrscheinlich nicht geschehen. "Es gibt in der Kaserne nicht genügend Duschen und Toiletten, sie nachzurüsten kostet zu viel", erklärte er einer Frau, die danach gefragt hatte. Die Bürger wollten wissen, wie viel Personal derzeit die Flüchtlinge betreut. 20 hauptamtliche Stellen seien nun voll besetzt, bei Engpässen würden die Ehrenamtlichen aushelfen, so Fenninger. Was sich die Bürger von der Stadtverwaltung wünschten, war eine zentrale Stelle, die die Hilfsangebote Freiwilliger organisiert.

"Ich weiß nicht, an wen ich mich wenden muss", sagte eine Frau. Wahrheit konnte vorgreifen: Seit heute (s. Infokasten) gibt es eine Hotline, die die Anliegen entgegennimmt. Sozialdezernentin Wahrheit warb bei den Bonnern auch um einen "langen Atem" und die "Teilhabe aller". Die Flüchtlinge könnten in den Erstaufnahmeeinrichtungen, in denen sie nur kurze Zeit blieben, nicht in die Gesellschaft integriert werden. Das passiere später, wenn sie langfristige Unterkünfte hätten.

"Wir brauchen Schul- und Ausbildungsplätze, da kommt noch eine Menge auf uns zu", sagte sie. Zudem dürfe man sich nun nicht nur auf die Flüchtlinge fokussieren, sondern müsse auch andere schwache Mitglieder der Gesellschaft im Blick haben. "Es gibt noch viele andere Menschen, denen es schlecht geht, die dürfen wir nicht vergessen", so Wahrheit. Dafür bekam sie viel Applaus.

Sie gab einen Ausblick, wie es in den kommenden Monaten mit der Flüchtlingskrise in Bonn weitergehen werde. Zunächst müsse nach NRW-Prognosen für 600 weitere Flüchtlinge Platz geschaffen werden, dafür seien bisher 200 Grundstücke und Gebäude geprüft worden. Bis zum Jahresende rechnet Wahrheit noch einmal mit 300 weiteren Menschen.

Städtische Rufnummer für ehrenamtliche Helfer

Für alle Bonner, die sich ehrenamtlich um Flüchtlinge kümmern möchten, aber auch für Vereine, Organisationen und andere, die einen Beitrag zur Flüchtlingsaufnahme und Integration leisten möchten oder dazu Fragen haben, hat die Stadt Bonn jetzt eine zentrale Telefonnummer eingerichtet. Unter der Tel. 0228/77 53 77 nimmt die Stabsstelle Integration die Anliegen entgegen. Zwischen 9 und 16 Uhr ist die Leitung besetzt, andernfalls läuft

ein Anrufbeantworter. Coletta Manemann, Leiterin der Stabsstelle, bat um Verständnis, wenn nicht jede und jeder sofort in der von ihm gewünschten Weise eingesetzt werden könnte: "Wir sind dankbar für alle, die sich melden. Wir werden aber auch weiterhin tatkräftige Mitwirkung brauchen und freuen uns, wenn auch dann noch Ehrenamtler aktiv werden möchten."