Weg zum Arbeitsplatz führt nur über die L 331

Weg zum Arbeitsplatz führt nur über die L 331

Bushaltestelle liegt einen halben Kilometer vom Gewerbepark Siebengebirge entfernt - 22 Firmen fordern einen zusätzlichen Stopp

Königswinter. Im Gewerbepark Siebengebirge in Ruttscheid wächst der Unmut: Mittlerweile arbeiten etwa 300 Menschen am Fuße des Oelbergs, und nicht wenige von ihnen fahren mit dem Bus zum Arbeitsplatz. Täglich ärgern sich viele dieser ÖPNV-Nutzer darüber, dass sie von der Haltestelle einen halben Kilometer entlang an der stark befahrenen Landstraße 331 zur Arbeit marschieren müssen. Eine Zumutung, wie sie meinen. Und deshalb haben die 22 dort ansässigen Firmen einen Antrag auf Bau eines Wendehammers an der Eduard-Rhein-Straße gestellt - in der Hoffnung, dass die RSVG dann den Bus in den Gewerbepark abbiegen lässt.

Die RSVG kann sich mit dem Vorschlag allerdings nicht anfreunden. Angeblich gingen dadurch wertvolle Minuten verloren, und die Anschlussverbindungen in Oberpleis und in der Altstadt könnten nicht rechtzeitig erreicht werden.

Nach zahlreichen Gesprächen zeichnet sich nun vielleicht eine Kompromisslösung ab: "Denkbar ist natürlich, dass die Busse direkt an der Straße halten", sagte Herbert Lütz von der Geschäftsleitung der RSVG. "Eine Schleife zu fahren, können sich die Busse der Linie zeitlich nicht leisten." Innerhalb von 60 Minuten müssten die Busse beide Strecken hin und zurück schaffen, sagte Lütz und fügte hinzu, dass "der Fahrplan schon jetzt nur noch drei Minuten Spielraum lässt".

"Zu einem modernen, attraktiven Gewerbepark gehört eine ordentliche Anbindung an den ÖPNV", sagt Günther Herr, der im Gewerbegebiet ein Elektrogeschäft betreibt. Der jetzige Weg von der Bushaltestelle sei nicht nur zu lang, sondern vor allem viel zu unsicher. "Die Arbeitnehmer, die mit dem Bus aus Richtung Oberpleis kommen, müssen die Straße zwei Mal überqueren, wollen sie nicht direkt am Straßenrand entlang laufen", weiß Herr.

"Wenn es regnet, wird man klitschnass", sagt Nelli Krebil, die seit zwei Jahren in der Verwaltung des Dritte-Welt-Shops arbeitet, "und im Winter friert man". Das Schlimmste sei allerdings das Überqueren der Straße. Zwischen der Auffahrt zur Autobahn und der Kreuzung vor Oberpleis gilt Tempo 70. Aber das sei viel zu schnell, um sicher über die Straße zu gehen, fügt Ren‚ Lutonadio hinzu, der seit sechs Jahren mit dem Bus zur Arbeit kommt. "Vor allem, wenn es im Winter frühmorgens und abends dunkel ist, sehen einen die Autofahrer nur sehr schlecht", sagt er. "Es ist ziemlich gefährlich." Dem stimmt auch Mattio Petruccelli zu: "Zurzeit kommen rund zehn unserer Mitarbeiter mit dem Bus." Sicherlich würden einige mehr das Auto stehen lassen, sollten die Busse im Gewerbegebiet halten.

Profitieren würden auch die Kinder aus Ruttscheid, sagt Günther Herr. "Sie könnten hier im Gewerbegebiet in den Schulbus steigen und müssten dann nicht mehr die Landstraße überqueren." Die Stadt habe ihre grundsätzliche Zustimmung zum Bau eines Halte- und Wendepunktes für die Linienbusse signalisiert, berichtet Herr. "Noch in diesem Jahr soll die durch das Gewerbegebiet führende Eduard-Rhein-Straße ausgebaut werden", sagt der Firmenchef, "da wäre es ein leichtes, hier gleich einen Wendekreis mit anzulegen". Die Stadt will aber vor dem Bau des Wendekreises die Zusage der RSVG, später auch in den Gewerbepark Siebengebirge einzubiegen.

Die Verkehrsbetriebe warteten zurzeit noch auf einen detaillierten Vorschlag der Stadt, sagte RSVG-Prokurist Lothar Schliemann. "In jedem Fall wird das Zeit kosten", befürchtete er und weist darauf hin, dass die Busse nach Königswinter als Zubringer für die Anschlüsse etwa an die Linie 66 und den Bahnhof in Dollendorf dienen. "Diese Anschlüsse haben Priorität. Da wird es wahrscheinlich äußert schwierig werden, zusätzliche Haltepunkte anzufahren." Dennoch versicherte Schliemann: "Wir werden das genau prüfen, um eine befriedigende Lösung zu finden."

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