Weg für Quarz-Kompromiss frei

Weg für Quarz-Kompromiss frei

Eine wichtige Vorentscheidung hat der Kölner Regionalrat am Freitag für die Entwicklung des Quarzabbaus getroffen.

Einstimmig beschloss er auf Antrag von CDU, SPD, FDP und Grünen, nur in Alfter-Witterschlick dem Quarzabbau Erweiterungsmöglichkeiten einzuräumen - und nicht in Weilersweist, Bornheim oder in Flerzheim. Diese drei Varianten sind jetzt vom Tisch. Der Regionalplan soll 2012 entsprechend geändert werden. Regierungspräsidentin Gisela Walsken (SPD) sprach von einem "guten Signal für die Region".

Die Entscheidung ist ein Kompromiss, dem ein jahrelanges Ringen zwischen dem Regionalrat und der Bezirksregierung vorausging. Im Regionalplan muss eine Konzentrationszone für den Abbau hochreiner weißer Quarzkiese ausgewiesen werden, weil sich Bergbaufirmen ansonsten überall einklagen könnten. Das Gebiet soll den auf 25 Jahre errechneten Bedarf von 6,7 Millionen Tonnen Quarz abdecken.

Die Standortfrage war hart umkämpft. Weilerswist, politisch lange favorisiert, kommt nicht zum Tragen, weil sich die Bezirksregierung wegen eines FFH-Gebiets (Fauna-Flora-Habitat) dagegen sperrte. Dass das Gebiet "Sonnenhof" oberhalb von Bornheim-Rösberg ebenso ausscheiden würde, zeichnete sich bereits seit einiger Zeit ab.

Zuletzt schlug die Bezirksregierung eine Doppel-Lösung mit der Erweiterung der Gebiete in Witterschlick und in Flerzheim vor. Die Entwicklung des Flerzheimer Tagebaus Richtung Buschhoven konnte die Politik in letzter Minute stoppen. Der Quarz-Bedarf kann ihrer Auffassung nach allein in Witterschlick gedeckt werden, wenn die dortigen Betriebsanlagen der Quarzwerke versetzt werden. So wird innerhalb des Betriebsgeländes Platz geschaffen. Das soll nun die Lösung für die nächsten Jahrzehnte sein. Gekoppelt ist sie nach dem gestrigen Beschluss an ein sogenanntes Monitoring: Es soll regelmäßig überprüft werden, wie sich die Nachfrage nach Quarzkies entwickelt.

Mit Kompromiss zufrieden

CDU, SPD, Grüne und FDP lobten den Kompromiss unisono und würdigten die Arbeit der Landschaftsschutzvereine Vorgebirge (LSV) und Kottenforst (LSK). "Diese Lösung steht für die Stärke des Regionalrats und die gute Kooperation mit der Regierungspräsidentin und den Bürgern", sagte Achim Tüttenberg (SPD). "Das ist ein guter Tag für die Region", so die Swisttalerin Brigitte Donie (CDU). Rolf Beu (Grüne) sprach von einem "Wendepunkt" und einem "Meilenstein". Rudolf Finke (FDP) ergänzte: "Alle Beteiligten haben sich bewegt."

Gedämpft war die Freude bei den Vertretern der Schutzvereine: "Ich glaube erst daran, wenn ich es Schwarz auf Weiß im Plan sehe", sagte der Buschhovener Harald Hoock (LSK). Klaus Fietzek vom LSV aus Bornheim macht ein frisches Urteil des Verwaltungsgerichts Aachen vom Donnerstag Sorgen, das ein Abbauverbot für Quarzkies kassierte.

Folgen für den Kölner Regionalplan seien noch nicht abzusehen, so Fietzek. "In jedem Falle muss die Bezirksregierung exakt nachweisen, wie sie zwischen den möglichen Standorten abgewogen hat."

Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler zeigte sich zufrieden mit dem gestrigen Beschluss. Sein Amtskollege Rolf Schumacher aus der Gemeinde Alfter billigt die Erweiterung des Quarzabbaus Richtung Volmershoven, hofft aber, im Gegenzug Abstriche bei der geplanten Erweiterung des benachbarten Tontagebaus zu erreichen. Denn dieser würde nah an Witterschlick und Volmershhoven reichen.

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