GA-Serie "Rheinische Redensarten": Watt e Wedder widder, wa Wilma?

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Watt e Wedder widder, wa Wilma?

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen.

Das Schöne am Dialekt ist, dass es darin Steigerungsformen gibt, die nicht dem Dudendeutsch entsprechen – auch nicht sinngemäß. Die steigern dann sogar den Superlativ. Und zwar so stark, dass es quietscht.

Zum Beispiel das Wortfeld Wetter. Ist der Regen unangenehm, dann heißt es „Drisswedder“ (muss man nicht übersetzen). Wenn dazu noch kalte Luftfeuchtigkeit kommt, dann ist das „Wedder usselich“. Ist die Witterung dagegen gut, dann ist das „schön Wedder“ oder „prima Wedder“. Der Superlativ würde dann, wie der Name schon andeutet, „Superwedder“ lauten. Und dann gibt es noch die besagte Steigerung der höchsten Steigerung, im Hochdeutschen nur zu vergleichen mit der eigentlich verbotenen Wendung wie „am Optimalsten“. Dann ist das Wetter noch schöner als schön, ja, noch schöner als super. Etwa wie in diesen Tagen, wo alle Zeitgenossen entweder auf dem Fahrrad oder im Baumarkt unterwegs sind. Dann verdient das nur einen Ausdruck der über die Maßen gesteigerten Bewunderung.

Da sagt der Rheinländer diesen einen Satz; und zwar so schnell er ihn eben aussprechen kann: „Watt e Wedder widder, wa Wilma?“ Dieter-Thomas Heck, den ältere Zeitgenossen noch als den schnellsprechenden Mister Hitparade kennen, wäre neidisch. Auf gut Hochdeutsch würde der Satz wohl übersetzt mit: Welch ein Wetter wir heute wieder haben, was Wilma? Natürlich erhält der Satz seine Prägnanz aus dem Sprachrhythmus, der unbedingt aufhorchen lässt. Dabei ist seine Bedeutung wie viele rheinische Ausdrücke durchaus ambivalent. Man kann ihn auch für das Gegenteil einsetzen. Etwa wenn es besonders plötzlich besonders intensiven Niederschlag gibt. Der Meteorologe spricht dann von einem Starkregenereignis, und die Warn-App Nina beginnt Stunden vorher zu heulen.

Natürlich weiß der Rheinländer, dass die häufig gewordenen Wetterextreme weniger mit dem Wetter im Sinne von zeitlich begrenztem Ereignis als vielmehr mit dem Klima und seinem Wandel zu tun haben. Dafür hat sich im Dialekt bisher noch kein passender Begriff etabliert.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Der GA bietet in Zusammenarbeit mit LVR-Sprachforscher Peter Honnen den Podcast „So geht Rheinisch“. Weitere Infos gibt es hier.

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