GA-Serie "Rheinische Redensarten": Was bedeutet "Dat don isch us Frack net"?

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Was bedeutet "Dat don isch us Frack net"?

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen. Dieses Mal: "Dat don isch us Frack net"

Die rheinischen Redensarten weisen oft über sich hinaus. Dann sind sie nicht nur Lebenshilfe oder Handlungstipp für den Alltag, sondern tragen Spuren der Weltgeschichte in sich. So ist das beim Satz: „Dat don isch us Frack net.“ Hier ist jemand, der es ablehnt eine Sache zu tun und zwar mit Hinweis darauf, dass er – gelinde gesagt – nicht in der Stimmung dazu ist. Wörtlich ins Hochdeutsche übersetzt würde das vielleicht heißen: Das tue ich aus Ärger nicht.

Hier ist also jemand trotzig, nimmt dem Mitmenschen etwas übel und sieht es gar nicht ein, ihm in irgendeiner Weise einen Gefallen zu tun. Trotz ist ein besonders zielgerichtetes destruktives Gefühl, das wohl seine größte Ausprägung in der Trotzphase von Kindern.

Eltern wissen ein Lied davon zu singen, wenn sich der Nachwuchs im Supermarkt auf den Boden wirft und schreit: „Ich will, ich will, ich will!“ Dann heißt es : Bloß nicht nachgeben und den Anfall vorüber ziehen lassen. Die Entwicklungspsychologen sagen uns, dass Kinder von solchen Anfällen so ab zwei Jahren heimgesucht werden.

Viel, viel älter ist allerdings das Bezugswort unserer Redensart, nämlich „Frack“ oder „frackig“. Laut Lexikon der Umgangssprache wird es mit ärgerlich und wütend übersetzt, hat sich aber aus einem Wortstamm entwickelt, der ursprünglich „Rache“ bedeutete.

Hier ein kleiner sprachgeschichtlicher Exkurs: Das kölsche „Frack“ wurde früher Vrak geschrieben und stammt vom altniederfränkischen wraca und althochdeutschen rahha. Letzteres wurde im Mittelhochdeutschen zu Rache. Es vereinigt inzwischen Bedeutungen wir Groll, Rachsucht, Hass, Trotz, Verdruß, Bosheit, Ärger und Wut.

Solche Gefühlslagen kommen meist nicht von ungefähr und führen zu Sturheit und Eigensinnigkeit. Schade für denjenigen, der Sturheit an den Tag legt, dass es nie für ihn spricht sich so zu verhalten. Letztlich ist das ein Bumerang, der ihn selbst trifft und schmerzt. Vielleicht nimmt er sogar charakterlichen Schaden, so dass er frack oder gefräckt ist, also kaputt oder zerbrochen. Am Ende ist er vielleicht ein Wrack.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch? Dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben. Das gedruckte Werk hat die Edition Lempertz verlegt, ISBN: 978-3-96058-211-3, es kostet 9,99 Euro.

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