Kabarett in Morenhoven

Stehende Ovationen für Richard Rogler in Morenhoven

Begeisterte sein Publikum: Richard Rogler im Morenhovener Kreaforum.

Begeisterte sein Publikum: Richard Rogler im Morenhovener Kreaforum.

SWISTTAL-MORENHOVEN. Bald wird sich Richard Rogler von der Bühne verabschieden. Im Morenhovener Kreaforum wurde deutlich, dass das ein Verlust sein wird.

Zu guter Letzt erhebt sich einer nach dem anderen im ausverkauften Saal, um stehend zu applaudieren. Diese besondere Anerkennung – ein Novum passend zur Jubiläumssaison im Morenhovener Kreaforum – gilt einem, dessen Name seit ebenfalls 30 Jahren fest mit dem Begriff Kabarett verbunden ist und der jetzt noch eine Handvoll Auftritte absolvieren wird, bevor er sich von der Bühne verabschiedet.

Wobei es schwer vorstellbar ist, dass ausgerechnet einer wie Richard Rogler sich nicht seinen Teil dazu denken sollte, was sich derzeit an politischem Theater in und rund um das Kanzleramt in Berlin abspielt. Die Morenhovener Lupe, die er vor 20 Jahren im Bürgerhaus entgegengenommen hat, gesellt sich zu Auszeichnungen wie dem Deutschen Kleinkunstpreis (1987 und 1992), dem Deutschen Kabarettpreis (2000) und dem Bayerischen Kabarettpreis (2014) sowie dem Adolf-Grimme-Preis für das Fernsehformat „Mitternachtsspitzen“ (1986).

Ausgesprochen pointiert geht der Mann allerdings zu wohl jeder Tageszeit ans Werk. „Freiheit aushalten“ heißt Roglers Motto und somit auch das Programm, das er immer wieder tagesaktuell auffrischt. Denn Gesetze einhalten kann jeder, aber dies ist und bleibt eine Herausforderung für sich. Ganz besonders hierzulande, wo man sich gern mit beruflichen und privaten Verpflichtungen herausredet, um das Interesse an Politik und Gesellschaft auf ein komfortables Minimum zu beschränken.

Dafür hält sich unsereins schließlich eine Schar von Profis im Windschatten der einen, die seit zwölf Jahren die Raute spannt, um zu zeigen, wie viel Vages und Ungetanes zwischen zwei Hände passt. Roglers Interesse gilt dann doch eher dem sogenannten und gern zitierten kleinen Mann; der in seiner Wohnung eine Annahmestelle für nicht abgeholte Post eröffnet und damit seinem ehemaligen Arbeitgeber, der nach Jahren und Jahrzehnten keine Verwendung mehr für ihn hat, mit Genugtuung und Genuss eine lange Nase dreht. Leuten wie ihm, die den Politkabarettisten unvermittelt auf der Straße ansprechen: „Das müssten Sie mal sagen, Herr Rogler!“

Hat er. Hat er alles gesagt und sich manches Mal der Kritik ausgesetzt, einer dieser ewig nörgelnden „Berufslinken“ zu sein, denen man am Ende nichts, aber auch gar nichts recht machen könne. Auch das muss man mitunter aushalten können. Er selbst weiß es schließlich besser, und seine Zuschauer in Morenhoven wissen es nun auch: Freiheit aushalten ist nicht immer bloß die reine Freude, aber zumindest diese Wahl zu haben, ist unbezahlbar.