26. Morenhovener Kabarett-Tage

Die Lupe 2013 geht an das Duo Ulan & Bator

SWISTTAL-MORENHOVEN. In einem Vierteljahrhundert Morenhovener Kabarett-Tage gab es schon ein paar wirklich schräge Auftritte. Kein Grund, jetzt damit aufzuhören.

 So schickt die Initiative KuSS (Kultur und Spektakel im Swisttal) als Preisträger der Morenhovener Lupe 2013 zwei erwachsene Männer mit handgestrickten Bommelmützen auf die Bühne: "Ulan & Bator" alias Sebastian Rüger und Frank Smilgies, die sich bis heute nicht einig sind, wer nun eigentlich wer sein soll.

Auf jeden Fall sind sie Träger des Deutschen Kleinkunstpreises 2011, der in der Szene ähnlich hoch gehandelt wird wie ein Academy Award. Und wo einer ist, gesellt sich auch gern ein zweiter hinzu: So wie am Sonntag, 20. Oktober, wenn die beiden im Krea-Forum Ausschnitte aus ihrem aktuellen Programm "Wirrlichkeiten" präsentieren.

Eröffnet werden die 26. Morenhovener Kabarett-Tage am Freitag, 18. Oktober, von einem guten Bekannten: Der Hannoveraner Matthias Brodowy serviert seinen "Kopfsalat" und kann, was "Chaos, Tohuwabohu und Ursuppe" angeht, Ulan & Bator bequem die Hand reichen. "Eine nette Nacht für einen Abend" präsentiert der Amerikaner Peter Shub, freier Schauspieler und Regisseur, der schon im Cirque du Soleil in Kanada, in New York und im Zirkus Roncalli aufgetreten ist. Mit Trenchcoat und Hut hat er das Clownskostüm neu erfunden und wird die Zuschauer am Montag, 21. Oktober, immer wieder überraschen.

Ob "Sex in der Krise" steckt, fragt und beantwortet Hubert Burghardt aus Dortmund am Freitag, 25. Oktober. Man darf gespannt sein, wie er den Brückenschlag zu seinem eigentlichen Metier vollbringt, denn das hat weniger mit Rot- als mit dem auf Politiker und Wirtschaftsbosse gerichteten Scheinwerferlicht zu tun. Derweil flüchtet Carmela de Feo alias La Signora am Samstag, 26. Oktober, in "Träume und Tabletten". Nein, keine Sorge, tut sie natürlich nicht. Dafür ist die "Diseuse. Direkteuse, und Dompteuse mit Dutt und Denkerstirn" viel zu direkt.

Gleiches lässt sich auch Nepo Fitz nachsagen. Der Niederbayer, der 2009 in Morenhoven erzählte, wie man ein Mann wird, geht am Samstag, 2. November, mit "Brunftzeit - Wildwechsel & Liebestaumel" in die Vollen. Ein bisschen Jägerlatein darf's schon sein, und schließlich wird nirgendwo so viel geschwindelt wie in der Liebe, oder? Den Musikkabarettisten Axel Pätz hingegen darf man ruhig beim Wort nehmen, wenn er am Freitag, 15. November, verkündet: "Das Niveau singt". Dass er das kann, hat er im Krea-Theater schon vor drei Jahren bewiesen. Am Klavier ebenso wie am Akkordeon. Instrument Nummer drei: seine Lust an ausgesuchten Boshaftigkeiten.

"Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben" lautet das Angebot von Torsten Sträter, Gewinner des Prix-Pantheon-Publikumspreises 2013 "Beklatscht & Gevotet". Der Dortmunder Comedy-Schriftsteller, Slam-Poet und Kabarettist feiert am Freitag, 29. November, sein Morenhovener Debüt. Eine echte Alternative zur Ökostromdebatte hält Frederic Hormuth am Samstag, 30. November, bereit: "Mensch ärgere Dich!" lautet sein Motto. Um anschließend zu erklären, wie sich Ärger als prima Energielieferant nutzen lässt.

Mit dem "Unsterblichkeitsbatzen" im Gepäck kommt Sebastian Nitsch am Freitag, 6. Dezember, auf die Bühne des Krea-Forums. Er nennt sich "Hellwachträumer", und mit einem rasterelektronenmikroskopischen Blick fürs Detail lässt er die Zuschauer an diesen Träumen teilhaben. Von dort aus ist es dann auch nicht mehr weit in die Welt der Kunst. Vorausgesetzt "der Künstler ist anwesend". Aber da braucht man sich bei Jürgen Becker wirklich keine Sorgen zu machen. Bietet die Bühne des Rheinbacher Stadttheaters doch hinreichend Platz für zahlreiche Exponate vom röhrenden Hirsch bis zur religiösen Malerei. Wer angesichts einer komplett grauen Leinwand nicht gleich in Ekstase gerät und bei einer Vernissage den Feuerlöscher noch für die gelungenste der Skulpturen hält, ist am Samstag, 7. Dezember, bei Becker bestens aufgehoben.

Die Saison beschließt - so will es der Brauch - die Jahresendabrechnung für 2013, die Robert Griess, Jens Neutag, Onkel Fisch und Matthias Reuter am Samstag, 11. Januar, im Stadttheater auf der "Schlachtplatte" vorlegen. Und mit Blick auf die Bundestagswahl wird allerhand Futter zusammenkommen.

 Bereits ausverkauft sind die Programme von HG. Butzko am 16. November und von Sebastian Pufpaff am 22. November. Karten für alle anderen Abende, die um 20 Uhr im Krea-Forum, Vivatsgasse, beginnen (Ausnahme: Jürgen Becker und Schlachtplatte in Rheinbach) gibt es unter www.morenhovener-kabarett-tage.de