Politiker geben grünes Licht

Waldhotel in Rheinbach bekommt ein Gästehaus

RHEINBACH. Historisches Ausflugslokal im Rheinbacher Wald wird ausgebaut. Neubau soll 32 Doppelzimmer beherbergen. Theodor Heuss kam einst wegen der Schlachtplatte.

Das Waldhotel wird um ein Bettenhaus mit 32 Doppelzimmern und eine Tiefgarage mit 18 Stellplätzen erweitert. Pächter Jens Pfannkuch rechnet damit, dass zum Frühjahr 2018 hin mit dem Bau begonnen werden kann. „Wir hoffen dann, dass wir im Mai 2019 eröffnen können“, sagte er. Zusammen mit den 16 bereits vorhandenen Doppelzimmern im Hauptgebäude, werden künftig dann 48 Doppelzimmer zur Verfügung stehen.

„Damit ist das Waldhotel wirtschaftlich gesichert und wir können unsere Qualität gewährleisten“, sagte Pfannkuch. Bedarf und Nachfrage seien „riesig“, einerseits wegen des guten Standorts des Hauses im Wald. „Zum anderen natürlich auch wegen der Qualität, die wir uns erarbeitet haben“, so der Hotelier, der das Waldhotel gemeinsam mit Ehefrau Katharina seit sieben Jahren betreibt und mit ihr und den beiden Töchtern in der Remise wohnt.

In den letzten Jahren habe man rund eine halbe Million Euro mangels Zimmern nicht generieren können, die Dunkelziffer dürfte noch darüber liegen, sagte er. Errichtet werden soll das neue separate Gebäude südöstlich des bestehenden Hotelkomplexes mit zwei Geschossen und ausgebautem Dachgeschoss. Architektonisch greift der Neubau das Haupthaus auf. Während im Haupthaus der Stil klassisch ist, sollen die neuen Zimmer im Gästehaus moderner eingerichtet werden, bei gleichem Vier-Sterne-Standard.

Ein Wellness-Bereich sei nicht vorgesehen, weil nicht erforderlich. „Das macht für uns keinen Sinn, denn das Monte Mare liegt nicht weit entfernt“, so Pfannkuch. Die vorhandenen Veranstaltungsräume und Restaurants im Waldhotel seien ausreichend. Pfannkuch rechnet damit, dass die Zahl der Mitarbeiter von derzeit 40 auf 50 wachsen wird.

Der Weg zur Realisierung der Erweiterung um ein Gästehaus war weit: Schon sechs Wochen nach der Eröffnung des umfangreich und aufwendig sanierten Waldhotels am 1. August 2010 hatte der Investor an die Stadt erste Pläne für einen Erweiterungsbau um damals etwa 40 Zimmer sowie eine Tiefgarage herangetragen. Schon damals habe sich gezeigt, dass die Nachfrage das Angebot von 16 Zimmern übersteigt. Sieben Jahre aber nahmen die notwendigen Abstimmungen in Anspruch, unter anderem wegen der Lage des Grundstücks im Landschaftsschutzgebiet.

In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause hatte der Stadtrat dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan und dem Durchführungsvertrag zugestimmt. Wegen des Landschaftsschutzes wurde der Bebauungsplan auf die tatsächlich benötigten Flächen reduziert. Die wesentlichen negativen Umweltauswirkungen des Vorhabens liegen nach Auffassung der Stadt in der Bodenversiegelung und im Verlust von Teilflächen der vorhandenen Streuobstwiese. Die Stadtverwaltung ist aber auch der Auffassung, dass es „nicht zu einer erheblichen Beeinträchtigung des angrenzenden FFH-Gebietes“ kommen werde und Konflikte mit artenschutzrechtlichen Vorschriften ebenfalls nicht zu erwarten seien. Deshalb seien vertiefende artenschutzrechtliche Untersuchungen nicht erforderlich.

Errichtet wurde das Waldhotel von 1889/90, nachdem immer mehr erholungssuchende Gäste in den Rheinbacher Stadtwald kamen, vor allem mit der 1880 in Betrieb genommenen Eisenbahnlinie Euskirchen – Bonn. Ein „gewiefter Händler“, so Stadtarchivar Dietmar Pertz, wollte die Nachfrage nach Verpflegung und Erfrischung nutzen und dort, wo sich die Straße von Rheinbach nach Merzbach und Todenfeld gabelt, eine Holzbude für den Getränkeverkauf bauen. Die Stadt war dem nicht abgeneigt, sah sie doch für den Stadtsäckel eine willkommene Einnahmequelle. 1889 begannen die Arbeiten zum Bau des Waldhotels.

Bei schönem Wetter florierte das Ausflugslokal, bei schlechtem wurde es problematisch, Pächter kamen und gingen. Kurzes Intermezzo war in den 1920er Jahren die Nutzung des Areals durch einen Bonner Unternehmer, der seine Zigarrenfabrik ausbauen wollte. Dieses Intermezzo endete aber schon nach einem Jahr.

Auch beim Aufbau der jungen Bundesrepublik spielte das Waldhotel eine Rolle: Konrad Adenauer berief am 26. Oktober 1950 Theodor Blank zum „Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen“. Die Verhandlungen zwischen dem „Amt Blank“ als Keimzelle des späteren Verteidigungsministeriums und den Alliierten fanden unter strenger Geheimhaltung im Waldhotel statt.

In den Folgejahren war das Waldhotel bei Politikern sehr beliebt. So ist überliefert, dass Bundespräsident Theodor Heuss wegen der Schlachtplatte gerne zu Gast war. 1962 schloss der Hotelbetrieb und die Caritas nutzte das Gebäude als Ferienheim für Kinder. Von den 1970er Jahren bis 1997 diente es als Wohnheim für Glasfachschüler. Dem folgten einige Jahre des Leerstands, bis ein Investor das Anwesen 2006 erwarb und einen umfangreichen Umbau vornahm. Seit der Eröffnung im Jahr 2010 wird das Waldhotel vom Pächter-Ehepaar Katharina und Jens Pfannkuch geführt, beide sind im Hotelfach von der Pike auf groß geworden.