Anfragen verdoppeln sich

Zahl der Obdachlosen in Meckenheim steigt

Zur Bekämpfung der Ungleichheit in Deutschland fordert Oxfam einen höheren Mindestlohn sowie eine stärkere Belastung von Vermögenden, Konzernen, Erbschaften und hohen Einkommen.

Symbolbild

Meckenheim. Statt wie üblich rund 20 Anfragen im Jahr sind 2019 in den ersten Monaten bisher 40 Anfragen zur Obdachlosigkeit bei der Stadt Meckenheim eingegangen. Auch Familien sind betroffen.

Der Beigeordnete Holger Jung zeigte sich in der Ausschusssitzung für Soziales, Familie, Demografie und Integration erschrocken: Allein in diesem Jahr habe die Stadt 40 Anfragen von Obdachlosen beziehungsweise von Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, erhalten. Zuvor habe die Zahl in den letzten Jahren relativ konstant zwischen 15 und 25 gelegen. Als obdachlos gelte, wer keinen festen Wohnsitz hat und im Freien oder in einer Notunterkunft übernachtet, erklärte die neue Fachbereichsleiterin für Soziales, Monika Biesterfeldt.

Derzeit zähle man laut Biesterfeldt 19 Obdachlose in der Stadt, davon seien 18 Männer. Seit Beginn des Jahres gebe es acht Neuzugänge und 40 Anfragen. Überwiegend seien die von Obdachlosigkeit betroffenen Personen im Alter zwischen 31 und 60 Jahren. Oft brächten gesellschaftliche Veränderungen die Menschen in diese Situation, ergänzte Jung. Als Beispiel nannte er die Situation von alleinerziehenden Müttern oder Verwitweten, die die vormals gemeinsam bewohnte Wohnung oder ihr Haus ohne den verstorbenen Partner nicht mehr halten können.

Manchmal aber seien Anfragen auch schon mit einem einzigen Anruf erledigt und man höre nichts mehr von den Betroffenen, weil nach Belegen gefragt wurde. Die Fälle sein vielfältig und sorgten für zeitintensive Prüfungsverfahren im Sozialamt. Das Feld der Betroffenen ändere sich, berichtet Jung, es meldeten sich nun auch Familien.

Angesichts der Erfahrungen in diesem Jahr und der Tatsache, dass Obdachlosenzahlen in den Ballungsgebieten stiegen, müsse man in Zukunft mit mehr Anfragen dieser Art rechnen, sagte der Beigeordnete. Die gesellschaftliche Entwicklung zeige unter anderen Einflussfaktoren eine 40-prozentige Trennungsquote und den demografischen Wandel, der größeren Wohnungsbedarf für Personen mit geringen Einkünften verursache.

Ziel der Stadt sei es, angemessen auf die steigenden Zahlen zu reagieren. Zwar arbeite sie bereits erfolgreich mit der Mewoge, der Meckenheimer Entwicklungs- und Wohnungsgesellschaft. Trotzdem müsse die Stadt auch auf den zunehmenden Bedarf reagieren. „Wir müssen bezahlbaren Wohnraum schaffen“, sagte Holger Jung.

In der Stadtentwicklung müsse die Verwaltung sich die Frage stellen, wie und wo das geschehen solle. Im Blick seien nicht nur neue Baugebiete, sondern auch Nachverdichtungsgebiete oder freiwerdender Wohnraum. In Meckenheim wolle man mit Augenmaß bezahlbaren Wohnraum so schaffen, dass eine gesunde und strukturell ausgewogene Mischung entsteht. „Das ist eine Komponente, der wir uns stellen müssen“, sagte Jung und warb für fraktionsübergreifende Zusammenarbeit für eine sachgerechte Stadtentwicklung.