Traditionsbetrieb im Vorgebirge

Waldorfer Schmiede wird in vierter Generation geführt

Bornheim-Waldorf. Den Anfang machte 1910 Wilhelm Küster mit seinem Meisterbrief und einem von Hand betätigten Blasebalg. Mittlerweile besteht die Waldorfer Schmiede der Familie in vierter Generation.

Sie war einmal die „Straße der Handwerker“ – heute ist auf der Schmiedegasse in Waldorf neben einem Tischler nur noch der namensgebende Schmied zu finden. Von den drei Schmiedefeuern, die dort einst loderten, ist einzig das von Manfred Küster (34) übrig geblieben. „Etwa einmal in der Woche wird es gebraucht“, erzählt sein Vater Wilfried (66), der mit seiner Frau Ursula den von Großvater Wilhelm gegründeten Betrieb 2011 in die Hände der vierten Generation übergeben konnte.

25 Jahre hatte er selber das Eisen ins Feuer gehalten. An dem Esse genannten Schmiedefeuer hat sich seit dem Jahr 1910, als Wilhelm Küster seinen Meisterbrief an die Wand hängen konnte, nur wenig geändert. Nur, wo früher ein von Hand betätigter Blasebalg die notwendige Zuführung von Luft-Sauerstoff in die hoch zu erhitzende Steinkohle besorgte, erledigt das heute ein Motorgebläse. Gut zu erkennen ist der Ring, der damals dazu diente, das glühende Flacheisen auf das Maß der hölzernen Wagenräder zu biegen. Oftmals kamen die Wagenneubauten vom Tischler-Nachbarn Faßbender, der bereits in der fünften Generation seinem Handwerk nachgeht (der GA berichtete).

Zu Fuß kam der 1881 geborene Wilhelm Küster aus Todenfeld bei Rheinbach nach Waldorf, um dort seine Lehre bei dem damaligen Schmiedemeister Pütz zu beginnen. Ob seine spätere Ehefrau Elisabeth, geborene Pütz, die Tochter seines Waldorfer Lehrmeisters war, kann sein heutiger Enkel nicht mit Gewissheit sagen. Man weiß nur, dass sie bereits früh, bei der Geburt ihres dritten Kindes, starb. „Da war der Opa plötzlich alleine mit seinen beiden Söhnen“, berichtet Wilfried Küster und ergänzt, dass der Großvater jedoch bald wieder geheiratet habe.

Strukturwandel in den 60er Jahren

Die Handwerker in der Schmiedegasse hatten zu jener Zeit alle auch Landwirtschaft, weiß Ursula Küster. „Und wenn im Winter nichts auf den Feldern zu tun war“, so ihr Mann, „saßen alle Bauern in der Schmiede um das wärmende Feuer herum.“ Von Wilhelm Küster erzählte man sich, dass er morgens zuallererst sein Schmiedefeuer entfachte und sich mit dem Kohlenstaub das Gesicht schwärzte. „Dann stellte er sich in die Tür, und alle dachten, er hätte schon den ganzen Morgen gearbeitet“, sagt Wilfried Küster amüsiert. Bis zu seinem Tod mit 81 Jahren habe er noch jeden Tag auf einem Stuhl in der Schmiede gesessen. „Die Schmiede war sein Leben.“

Doch schon sein Sohn erlebte Ende der 60er Jahre den Wandel vom Huf- und Wagenschmied zum Metallbauer. Mit den Lohnarbeitern aus Polen, die in der Landwirtschaft aushalfen, kamen handwerklich begabte Arbeitskräfte ins Dorf, die nicht nur dem Schmied manch einen Auftrag abnahmen. Immer mehr entwickelte sich das Schmiedehandwerk hin zum Kunstschmied, der über seinem Feuer das Eisen für Geländer, Zäune und Tore formte.

Heute ist Manfred Küster mit seinen zwei Gesellen vor allem im Leichtmetallbau auf Baustellen unterwegs. Auch für ihn ist es schwierig, gute Auszubildende zu bekommen. Doch vielleicht wächst der Beste schon im eigenen Haus heran. Noch ist Sohn Finn erst ein Jahr alt. Nicht ausgeschlossen, dass er Metallbau Küster in die fünfte Generation führt. „Doch davon weiß er noch nichts“, so Vater Manfred.