Neu im Landesparlament

Landtagsabgeordneter aus Alfter fährt mit dem Rad

Düsseldorf/Alfter. Er ist einer von 199: Der Alfterer CDU-Landtagsabgeordnete Oliver Krauß fühlt sich in Düsseldorf angekommen. Das Leib- und Magenthema des 48-jährigen Rechtsanwalts ist der Verkehr in NRW.

Sein Büro mit Rheinblick – diese Zimmer gehören unter den 199 Abgeordneten des Düsseldorfer Landtags zu den begehrtesten – hat Oliver Krauß heute noch nicht betreten. Warum auch, wenn wichtige Absprachen auch beim Cappuccino im Foyer des Landtags getroffen werden können.

Mit Faltrad unter dem Arm kommt der seit Mai mit Direktmandat ausgestattete Abgeordnete durch die Sicherheitsschleuse. „Guten Morgen, Herr Krauß“, sagt der Landtagsmitarbeiter – ohne vorher ins Heftchen mit den Namen der Mandatsträger geblickt zu haben. Der 48 Jahre alte Rechtsanwalt fühlt sich in Düsseldorf angekommen, der General-Anzeiger hat ihn im Plenum besucht.

Dass dem Anfang eines neuen Lebensabschnitts zwischen Landeshauptstadt und Wahlkreis ein Zauber innewohnt, möchte er nicht abstreiten. „Es war ein bisschen wie Einschulung. Nur ohne Schultüte“, findet der CDU-Mann aus Alfter und nimmt in einem der Ledersessel Platz, die unweit der Parlamentsschleuse stehen.

Wie ein Marktplatz wirkt das geschäftige Treiben in der Empfangshalle des Hohen Hauses. CDU- und SPD-Fraktion haben Fraktionssitzung. Es knubbelt sich vor dem Einlass.

„Jetzt geht die richtige Arbeit los“, beschreibt Krauß die Wochen, nachdem er im ersten Anlauf das Direktmandat im Wahlkreis Rhein-Sieg-Kreis III mit Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Wachtberg geholt hat. Dass er vom linksrheinischen Wahlvolk den Auftrag erhält, Nachfolger der langjährigen MdL Ilka von Boeselager aus Swisttal-Dünstekoven zu werden, erfüllt ihn mit Demut und Stolz. „Es ist ein CDU-freundlicher Wahlkreis, aber gewiss kein Selbstläufer.“

Wie ein Schleier lag bis vor Kurzem der Bundestagswahlkampf über der Arbeit des neu konstituierten Parlaments. Da der nun gelüftet ist, geht's in Düsseldorf ans Regieren.

Nachfolger von Ilka von Boeselager

Die Themen, die auf der Prioritätenliste der „NRW-Koalition“ ganz oben stehen, sind aus dem Landtagswahlkampf sattsam bekannt. „Die Menschen erwarten von uns Lösungen bei der Polizei, der Inneren Sicherheit, Schulen, G8/G9...“, meint er, holt tief Luft, „und dem Thema Verkehr.“ Gerade bei seinem Leib- und Magenthema weiß der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion und – bis zur Wahl – Syndikusanwalt bei der Regionalverkehr Köln (RVK), dass die Koalitionäre gewisse Probleme nicht sofort aus der Welt schaffen. „Die Stau-Problematik wird nicht in fünf Jahren zu lösen sein.“

Anstatt mit dem Auto pendelt Krauß mit Faltrad und Zug von Alfter nach Düsseldorf. „Ich bin heute Morgen am Roisdorfer Bahnhof gestartet“, sagt er und begrüßt unentwegt Bekannte, die die Schleuse passieren. Etwa Andrea Stullich, geborene Möller. Sie ist die CDU-Abgeordnete des Wahlkreises Steinfurt II und Tochter von Ehrenlandrat Franz Möller, der von 1974 bis 1999 exakt 25 Jahre und fünf Tage Landrat des Rhein-Sieg-Kreises sowie von 1976 bis 1994 Bundestagsabgeordneter war. Die gebürtige Bonnerin wuchs in Sankt Augustin-Hangelar auf. „Die Region ist eben überall“, meint Krauß. „Wir können gut über den eigenen Tellerrand des Wahlkreises blicken“, findet Stullich.

Eingespielt haben sich die Abläufe rund um die Plenumsarbeit: „Ich komme in Sitzungswochen am Dienstag und bleibe bis Freitag“, berichtet der 48-Jährige. Dienstags tagen Fraktionen und Ausschüsse (siehe Kasten). Was die Anwesenheit im Wahlkreis angeht, möchte Krauß von Ilka von Boeselager lernen. „Sie war sehr präsent im Wahlkreis.“ Nicht zuletzt freue dieser Schwerpunkt seine Frau sowie seine fünf und drei Jahre alten Kinder.

Fahrräder im Fokus

Aus den Schilderungen von Bürgern oder eigenem Erleben tauchen viele Themen auf, die Krauß zu seiner Agenda macht. Beispiel: Sichere Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder am Bahnhof in Roisdorf sollen rasch her, die Einrichtung einer Radrinne an der Treppe zum Mittelbahnsteig ist bereits fertig, zählt er auf, während Ministerpräsident Armin Laschet mit zwei Sicherheitshünen im Schlepptau das Foyer betritt. „Hallo Armin“, grüßt Krauß. Der nickt freundlich, winkt und schenkt dem Abgeordneten und seinem Gesprächspartner ein gewinnendes Lächeln.

Gerade will sich Krauß über die Vorgängerregierung fast in Rage reden, da fällt der Blick auf die Uhr. „Der von Rot-Grün auf den Weg gebrachte Landesentwicklungsplan beschränkt das Wirtschaftswachstum“, sagt er und sieht, dass der Beginn der Fraktionssitzung naht. Faltrad und Jacke wandern schnell ins Büro mit Rheinblick, dann geht's durch lange Gänge zum Fraktionsraum.

„Es sind 72 Abgeordnete, und ich kenne sie fast alle.“ Sein Netzwerk sei schon vor der Wahl eng geknüpft gewesen. Seinen Platz im Plenum hat das Los entschieden: Drei Sitze neben seinem Namen taucht das Schildchen des Abgeordneten Laschet auf. „Näher am Ministerpräsidenten geht kaum“, sagt er und lacht, wissend, dass der Landesvater eher selten als Abgeordneter im Plenum Platz nimmt.