Ausstellung über Asylsuchende in der Region

Den Menschen ein Gesicht geben

Alfter. Der Fotograf Helmut Hergarten aus Alfter hat Flüchtlinge porträtiert und zeigt seine Bilder ab Donnerstag im Rathaus in Oedekoven.

Es ist nichts beschönigt, nichts arrangiert, nichts gestellt. Helmut Hergarten hat die Menschen und ihre Wohnungen so fotografiert, wie er sie vorgefunden hat. Der 59-jährige Fotograf und Architekt aus Alfter hat Flüchtlinge porträtiert. Entstanden sind die Bilder an verschiedenen Orten in der Region – dort, wo die Menschen leben: etwa in einem zur Flüchtlingsunterkunft umfunktionierten ehemaligen Kindergarten oder in einer Wohnung, die von Privatpersonen an eine Kommune zur Unterbringung von Flüchtlingen vermietet wurde: mal mehr, mal weniger provisorisch.

Ab Donnerstag, 1. September, werden die Bilder im Rathaus der Gemeinde Alfter in Oedekoven (siehe unten) zu sehen sein. Sie zeigen Männer, Frauen und Kinder, die mal fröhlich, mal nachdenklich schauen. Vielleicht sind sie glücklich, nach ihrer Flucht in Deutschland angekommen zu sein. Möglicherweise denken sie sorgenvoll an die Zukunft. Hergarten hat den Fokus auf eine persönliche Betrachtung der Menschen gelegt. Damit sollten die neuen Mitbürger ein Gesicht erhalten und sich aus der anonymen Masse der Flüchtlinge herausheben, sagt er.

Sein Leitgedanke lautete dabei „Wir schaffen das“, den mittlerweile berühmten Satz, den Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Blick auf die Flüchtlingskrise in der Bundespressekonferenz am 31. August 2015 gesagt hatte. Alle Menschen auf den Fotos seien nach diesem Satz nach Deutschland gekommen, berichtet Hergarten. „Ich habe noch Kontakt zu den Flüchtlingen“, fügt er hinzu. „Eine Familie ist mittlerweile abgeschoben worden.“

„Ich habe noch Kontakt zu den Flüchtlingen“

Entstanden sind die Bilder von Anfang Januar bis Mitte März. Auf die Idee dazu sei er nach einer Weihnachtsfeier gekommen. Über Behörden habe er Kontakt zu ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern erhalten. „Ich bin dann mit einer Dolmetscherin einfach herum gefahren“, erläutert Hergarten. Mit Hilfe der Dolmetscherin habe er den Flüchtlingen sein Anliegen erläutert. Und wie das so ist: Einige waren bereit mitzumachen, andere nicht.

In der Ausstellung und dem dazugehörigen Buch zu sind 44 Bilder zu sehen. 42 zeigen Flüchtlinge, zwei wiederum ehrenamtliche Helfer. Ergänzt werden die Aufnahmen durch Interviews, die Hergarten mit einigen der Porträtierten geführt hat. In diesen berichten sie etwa von ihrem Fluchtweg und ihrem bisherigen Eindruck von Deutschland. Auch die Interviews hat Hergarten nicht bearbeitet. Die Aussagen der Flüchtlinge sind eine Mischung aus Englisch und mal besserem, mal schlechterem Deutsch. In dem Buch sind die Gespräche abgedruckt, in der Ausstellung ergänzen sie die Bilder in Form einer Audio-Video-Präsentation.

Im Frühjahr war Hergartens Projekt bereits in Köln zu sehen, im Herbst wird es in Werben (Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt) gezeigt. Zur Ausstellungseröffnung in Oedekoven will Hergarten auch seine Fotomodelle einladen. Selbstredend hätten sie alle Abzüge ihrer Bilder erhalten.

Das Fotoprojekt „Welcome families & friends – Familienporträts von Helmut Hergarten“ ist von Donnerstag, 1. September, bis Donnerstag, 6. Oktober, im Foyer des Alfterer Rathauses in Oedekoven, Am Rathaus 7, zu sehen – während der normalen Öffnungszeiten des Rathauses. Eröffnet wird die Ausstellung am 1. September um 17 Uhr durch Alfters Bürgermeister Rolf Schumacher. Während der 3. „Art Alfter“ am Sonntag, 4. September, sind die Fotos von 12.30 bis 18 Uhr zu sehen. Das Buch zur Ausstellung ist in Vorbereitung. Es wird 36 Euro kosten und kann direkt bei Helmut Hergarten gekauft werden. Kontakt: post@helmuthergarten.de oder 0 22 22/50 49.