Arbeitsplatz: Urwald: Wachtbergerin Alina Sayn war in Peru

Arbeitsplatz: Urwald : Wachtbergerin Alina Sayn war in Peru

Dort hat sie für eine Naturschutz-Organisation gearbeitet. Sie sagt: "Die Idee, knietief im Matsch zu stehen, hatte ich während meines Studiums."

Nach einiger Zeit kannten die Händler auf dem Markt von Moyobamba Alina Sayn. "Die haben uns dann strahlend gefragt, ob wir wieder unsere eigenen Taschen mitgebracht haben", sagt die 23-Jährige, aus Wachtberg. "Die fanden das schon ein bisschen merkwürdig, dass wir keine Plastiktüten wollten."

Für ein Jahr hat die junge Frau in der Stadt mit 50.000 Einwohnern im Norden Perus gelebt. Nach ihrem Bachelor in Biologie an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hat sie dort mit dem Weltwärts-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen Freiwilligendienst geleistet. Der Ort liegt auf 850 Metern Höhe. "Er ist von malerischen Bergen umgeben", sagt Sayn.

Sie unterstützte während der zwölf Monate die Nichtregierungsorganisation AMPA. Die hilft den peruanischen Bauern, Waldgebiete vor der Abholzung zu bewahren. Damit will die Organisation deren Lebensraum sichern, gefährdete Tier- und Pflanzenarten vor dem Aussterben bewahren und dem globalen Klimawandel entgegenwirken. „Die Idee, knietief im Matsch zu stehen, um nach Vögeln Ausschau zu halten, hatte ich schon während meines Studium“, sagt Sayn. "Ich wollte endlich praktische Erfahrungen im Umweltschutz sammeln."

Sayn trug mit einer weiteren Biologin Daten zusammen, die nötig sind, um zu beantragen, dass Gebiete unter Naturschutz gestellt werden. Dazu gehörte es auch, Statistiken zur Artenvielfalt in den Gebieten zusammenzustellen. "Dort sind etwa der Jaguar, das Gürteltier und der Tapir bedroht", sagt Sayn.

Im Büro der Organisation

Daneben arbeitete sie auch im Büro der Organisation. Aber es sind die Ausflüge in den Urwald, die ihr besonders gefallen. Für die Reisen brauchte sie mit Boot und Auto schon mal zwölf Stunden. Die Aufenthalte dauerten meistens zwei bis drei Tage. Dann übernachtete sie bei den Bewohnern der dortigen Dörfer. "Die Menschen interessierte besonders, wie der Wald in Deutschland aussieht und in welchem Zustand er ist", sagt sie. "Und was das typische deutsche Essen ist." An die peruanische Küche musste sie sich erst gewöhnen. "Da gibt es immer Fleisch mit Reis und Linsen", sagt sie. Nicht einfach für eine Vegetarierin. "Gemüse gibt es da nicht so oft. Ich habe dann meistens Reis mit Linsen gegessen."

Anders als die Küche beeindruckte sie, wie gelassen die Einheimischen sind. Was ihr besonders im Gedächtnis geblieben ist: eine fünfstündige Bootsfahrt mit ihren Arbeitskollegen in das Naturschutzgebiet Gran Pajatén. Das Boot ist beladen mit 60 Menschen und deren Einkäufen. Zuerst geht der Motor kaputt, dann beginnt es zu schütten. "Die haben eine große löchrige Plane über uns ausgebreitet", erzählt Sayn. "Wir haben alle zusammengearbeitet, damit das Wasser nicht ins Boot läuft." Das hätten die Leute einfach so hingenommen. Von Stress keine Spur. Auch nicht, als auf der Rückfahrt dann ein Bauer seine Rinder und deren Kälber mit an Bord bringt.

Aber nicht nur das Leben auf dem Land war öfter kompliziert. Auch in der Stadt gab es mal kein Wasser oder der Strom fiel aus. "Aber die Leute gehen da ganz gelassen ran: der wird schon wiederkommen", sagt Sayn. Während ihrer Zeit in Moyobamba habe sie am meisten warmes Wasser vermisst.

Dort wohnte sie in einer WG mit einem anderen Freiwilligen und zwei Peruanern. "Wir haben einen Wasserfilter angeschafft, damit wir keine Plastikflaschen mehr kaufen müssen." Aber nicht nur auf dem Markt und in der WG hat sie ihre Spuren hinterlassen auch im Stadtbild: mit Künstlern der Stadt malt sie bedrohte Tier- und Pflanzenarten auf Wände von Häusern.

Ecoselva heißt die Organisation, mit der Sayn in Peru war. Ihr Sitz ist in Sankt Augustin. Damit auch künftig Freiwillige ins Ausland gehen können, braucht sie Spenden. Weitere Infos auf www.ecoselva-verein.de.

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