Wettbewerb Ennigerloher Dichtungsring: Wachtberger Autoren gewinnen Lyrikpreis

Wettbewerb Ennigerloher Dichtungsring : Wachtberger Autoren gewinnen Lyrikpreis

Monika Clever holt den Ennigerloher Lyrikpreis nach Wachtberg und setzte sich so gegen Hunderte Konkurrenten durch. Doch damit nicht genug: Krimiautor Herbert Reichelt aus dem Ländchen wurde Zweiter.

Die Wiederauferstehung der Lyrik feiert man offenbar nicht nur mit dem überregional bekannten Preis für komische Lyrik, der „Wachtberger Kugel“, sondern auch im Kreis Warendorf im Münsterland: Nach Ennigerloh, einer kleinen Stadt so groß wie Meckenheim, reisen einmal im Jahr sechs Wortakrobaten auf besondere Einladung.

Dann wird nämlich der Ennigerloher Dichtungsring verliehen – die Trophäe für die originellste, überzeugendste, einfach für die beste Stimme der Lyrik. Diesmal standen mit Monika Clever für den ersten und Herbert Reichelt für den zweiten Preis zwei Wachtberger im Rampenlicht.

Unter mehreren hundert Einsendern als Favorit nach Ennigerloh eingeladen zu werden, ist schon eine Auszeichnung. Maximal zehn Minuten hat jeder der Lyriker, um die Gunst der Zuhörer zu gewinnen. „Ein bisschen nervös war ich schon“, gab Clever zu. „Ich bin dann auf die Bühne gegangen und habe einfach beschlossen, Spaß zu haben“.

Mit Versen wie „Nun liegt er tot im Gästezimmer / So ist das Leben, Schwund ist immer“ hatte das Publikum ebenso viel Spaß. Das zeigte sich, als man im Saal mit Dichtungsringen zur Abstimmung schritt und Clever zur Favoritin des Abends wählte.

Auf viel Erfahrung in der Jonglage mit Buchstaben, Wörtern und Reimen führte die ehemalige Mathematiklehrerin den Erfolg nicht zurück. „Ich habe erst vor wenigen Jahren angefangen, Gedichte zu schreiben“, so die Künstlerin. Allerdings habe sie früher schon die Gabe gehabt, in bestimmten Situationen in kurzen, amüsanten Reimen zu sprechen. Nach der Pensionierung hatte sie sich zwar gezielt mit Kunst beschäftigt, aber eher der Aquarell- und Acrylmalerei zugewandt. „Aber das war nichts für mich“, stellte sie fest.

Den Sprung in kreative Arbeit schaffte sie an der Alanus Hochschule. „Das war ein ganz anderes Arbeiten – freier, offener“, meinte sie. Sie beschäftigte sich mit Bronzeskulpturen und Schattenfotografie.

Der zündende Funke, der die Sprachkunst in ihr entfachte, sprang durchs literarische Schaffen Reichels über. Auch er, einer der Gründerväter der „Wachtberger Kugel“, hatte nach seiner Pensionierung etwas anderes machen wollen, sich zuerst auf das Schreiben von Krimis verlegt und später erfolgreich an die Lyrik gewagt. „Als ich einige Texte kennengelernt hatte, wollte ich das auch mal versuchen“, sagte Clever.

Clever belegte 2017 den dritten Platz

Also bewarb sie sich für die „Wachtberger Kugel“, und gleich beim ersten Versuch schaffte Clever unter mehr als 500 Bewerbern den Sprung auf die Bühne. Auch in Ennigerloh nahm sie schon teil und belegte 2017 dort den dritten Platz.

Den eigens geschmiedeten Dichtungsring für den ersten Platz 2019 mit nach Wachtberg nehmen zu dürfen, erfüllt sie nicht nur mit Stolz. Sie mache damit das, was man mit Gedichten tun müsse: „Lyrik kann man nicht zeigen wie ein Bild oder eine Skulptur, man muss sie vortragen“, sagt sie. Natürlich kenne sie viele andere Menschen, die sich mit Sprache in dieser Form befassen. Wenn sie aber in einem anderen Rahmen auf ihre Verse angesprochen und zur Rezitation aufgefordert wird, erlebe sie ihr Publikum überrascht und amüsiert: „Das ist ja Sinn der Sache.“

Doch Clever und Reichelt wollen sich nicht auf die Lyrik festlegen. Bei den Wachtberger Kulturwochen öffnet Monika Clever zum zwölften Mal ihre Tore zur Ausstellung „Auf ein Wort“ in ihrem Bildergarten.

An acht Terminen werden ihre Werke und die befreundeter Künstler zu sehen sein – erstmals am 6. Juli zur Eröffnung um 18.30 Uhr und am 7. Juli von 10 bis 18 Uhr. Die Verse von Clever und Reichelt findet man im Buchhandel in den Anthologien „Die besten Kugel-Schreiber“, Reichelts Krimis sind unter anderem unter den Titeln „Bochumer Mörderwoche“ und „So bunt wie das Leben“ erschienen.

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