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Wachtberg-Niederbachem: Postfiliale schließt zum 1. Juni

Weitere Wege für Postkunden : Postfiliale in Niederbachem schließt

Die Postfiliale in Wachtberg-Niederbachem schließt ihre Pforten. Das Unternehmen verlängert die Verträge der Mitarbeiter nicht. Der Vermieter nutzt die Räume nun selbst.

In sechs Jahren hat Postmitarbeiter Erich Claren eines gelernt: Geduld. Und so nimmt er sich trotz Corona-Schlange auch an diesem Morgen Zeit für eine ältere Dame, die mit ihrer noch unverpackten Sendung in der Niederbachemer Filiale vorbeischaut. „Kriegen wir schon hin“, antwortet der Heiderhofer, als sie bei dem Adressaten überlegen muss.

Am 1. Juni jedoch ist es vorerst vorbei mit Postgeschäften an der Konrad-Adenauer-Straße. Wie Unternehmenssprecher Achim Gahr auf Anfrage bestätigte, habe man die Verträge der beiden Teilzeitmitarbeiter nicht verlängert. Über das Warum gehen die Begründungen auseinander. „Wir denken, dass es daran liegt, dass die Verträge jetzt hätten entfristet werden müssen“, sagt Markus Krupp. In seinem Getränkehandel hat die Post eine Fläche angemietet, zunächst hatte Krupp ab 2014 die Filiale für zwei Jahre selbst betrieben. „Damals waren auch noch Postbank-Dienstleistungen möglich, und irgendwann waren mir die Sicherheitsanforderungen zu hoch“, sagt Krupp, dessen Frau Fabienne die zweite Teilzeitkraft der Post ist. Das Unternehmen übernahm dann mit seiner Gesellschaft Post Shop wieder selbst. „Wenn man zu dieser GmbH recherchiert, sieht man, dass die nie unbefristet anstellen“, so Markus Krupp.

Von Entlassungen durch Stellenanzeigen erfahren

„Die mögliche Entfristung ist kein Grund, es gab andere Gründe für uns“, erwidert dagegen Postsprecher Gahr. Das sei aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Die Mitarbeiter der Post-Tochter seien immer befristet angestellt, denn es handele sich nur um Interimsfilialen. „Wir sind eigentlich  bemüht, mit einem Partner zusammenzuarbeiten, der unbefristet einstellen  kann, aber für Niederbachem haben wir seinerzeit niemanden gefunden, weshalb die Post Shop GmbH eingesprungen ist“, so Gahr.

Was Claren und Krupp zudem wurmt: „Wir haben von unseren Entlassungen durch Stellenanzeigen in der Zeitung erfahren, in denen Personal für Niederbachem gesucht wurde.“ Das jedoch dementiert Gahr: „Es gab vorher mündliche Hinweise, dass die Verträge nicht verlängert werden.“ Tatsächlich gebe es neue Mitarbeiter für den Ort, aber derzeit kein Ladenlokal. „Leider hat uns Herr Krupp die Fläche direkt gekündigt“, sagt der Postsprecher.

Kontaktmann der Post solle sich melden

Der Getränkehändler, der zudem einen Veranstaltungsservice betreibt, betont, dass es ihm nicht um eine Retourkutsche gegangen sei. „Ich möchte hier schlicht nicht mit fremden Leuten zusammenarbeiten, bei der Größe des Ladens kann man die Bereiche aber auch nicht abtrennen“, so Krupp. Seine Frau wird wieder ins Geschäft einsteigen, die Räume nutzt er selbst. Claren aber ist erstmal arbeitslos. „Das ist  traurig, aber ich freue mich auch, mal richtig durchatmen zu können“, so Claren.

Vielleicht hat er ja in einer neuen Filiale eine Chance, denn das diese kommen muss, ist für Andreas Wollmann, Vorsitzender der Ortsvertretung Niederbachem, „unstrittig“. Schließlich sehe das Postversorgungsgesetz das ab einer Zahl von 2000 Einwohnern vor: „Und wir haben 4000 hier.“ Ihm sei signalisiert worden, dass sich der Kontaktmann der Post, Bernd Dietrich, bei ihm melden werde. „Wenn die Post die Filiale wieder selbst betreiben würde, hätte ich eine mögliche Lösung“, kündigt Wollmann an. Welche, will er noch nicht preisgeben.

Unter www.deutschepost.de gibt es die Möglichkeit, über Eingabe der Postleitzahl die nächstgelegene Servicefiliale zu finden.