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Tierscheune beginnt nach Corona-Pause mit Reittraining

Nach Corona-Pause : Tierscheune beginnt wieder mit therapeutischem Reiten

Die Tierscheune in Pech beginnt nach langer Corona-Pause wieder mit dem therapeutischen Reittraining. Kinder nehmen daran ebenso teil wie Senioren. Und für alle gilt: Eine Pferdelänge Abstand.

Tina Wirfs ist sich sicher: „Für viele wäre es eine Katastrophe gewesen, wenn sie nicht mehr hätten kommen dürfen“, sagt die Besitzerin der Tierscheune in Pech. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf therapeutischem Reiten, einer Annäherung zwischen Mensch und Tier. Oft wochenlang arbeitet sie mit kleinen und großen Patienten, um „wertvolle Fortschritte zu erzielen“, wie sie sagt.

Wäre die Corona-Pause zu lang geworden, hätte das Kinder wie Erwachsene unter Umständen weit zurückgeworfen. „Es gibt auch die, die durch die passiven und aktiven Muskelbewegungen weniger Schmerzen haben. Die mussten natürlich ebenso schnell wieder aufs Pony“, sagt die Pferdefachwirtin. Für die Kinder bedeute ihr Stall, „Freunde zu sehen, zu lernen und Gelerntes umzusetzen sowie Tiere in allen Lebensphasen zu begleiten“.

Die Arbeit mit Senioren oder in der Hospiz-Ponybegleitung sollte bald ebenfalls wieder möglich sein, hofft die 52-Jährige. Berichte und Studien bestätigten ihre eigenen positiven Erfahrungen, wonach man mit den Tieren denjenigen ein bisschen mehr Lebensfreude schenken könne, die gebrechlich sind oder deren Lebenszeit klar begrenzt ist. „Für manche ältere Menschen ist es einfach nur ein beruhigender Effekt, manche erinnern sich an ihre Kindheit, für andere ist es einfach ein Stück Lebensqualität und -freude“, sagt Wirfs.

Gerade Menschen mit Behinderung profitierten von der Tierscheune, erzählt Wirfs. Seit rund drei Jahrzehnten steckt sie ihr Herzblut in den besonderen Ponystall, der im letzten Jahr an die Wiesenau zog. „Bei mir stehen der Mensch und die Tiere im Vordergrund“, betont die Betreiberin. Deshalb setzte sie mit dem Eintreten der Kontaktverbote alle Hebel in Bewegung, um den weiteren Betrieb vor allem für die wichtigen Therapien zu realisieren. Dazu änderte sie einige Regeln und Abläufe im Stall coronakonform.

Seit rund 30 Jahren arbeitet Wirfs mit Pferden und Ponys

„Früher konnte hier quasi jeder kommen und gehen, wie es für ihn am besten in den Tagesablauf passte. Es war ein sehr lockeres, entspanntes Miteinander“, berichtet Wirfs, die sich im Lauf der Jahre mit mehreren Ausbildungen für die Arbeit mit Tier und Mensch qualifiziert hat. Wegen der Infektionsgefahr gibt es nun feste Zeiten im Schichtverfahren, getrennte Ein- und Ausgänge, maximale Personenzahlen je Stallabschnitt und natürlich Hygieneregeln. Außerdem sorgte Wirfs für Abstand zwischen den jetzt klar markierten Pferdeputzplätzen. „Wir haben alles genau berechnet, sodass für die Tiere genug Platz ist und die Menschen Abstand halten können.“

„Die Kinder haben das sehr schnell übernommen. Zuerst gehen sie sich die Hände waschen und desinfizieren, sie gehen getrennt in die Ställe und pflegen die Ponys an verschiedenen Plätzen“, beschreibt Wirfs die gute Annahme der neuen Regeln. Wie weit der Abstand voneinander sein muss, verdeutlicht die zertifizierte Reittherapeutin den Kleinsten ganz einfach: Eine Pferdelänge. Das verstehen auch die Fünfjährigen und manchmal sogar deren jüngere Geschwister.

Gerade mit Blick auf die Therapie für Senioren freut sich die Betreiberin besonders, dass in direkter Nachbarschaft, auf einem 5500 Quadratmeter großen Areal, ein Seniorenheim entstehen wird. Auf Nachfrage des GA teilte Investor Wilfried Hack von der Projekta GmbH mit, dass man sich derzeit noch im Bebauungsplanverfahren befinde. „Das zieht sich aufgrund der aktuellen Situation und daraus resultierender Verzögerungen bei Stellungnahmen etwas hin“, so Hack. Er gehe jedoch davon aus, dass bis Ende des Jahres das Planungsrecht geschaffen und der Bau beginnen könne.