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In Zeiten von Corona: Tänzer und Musiker aus Wachtberg vernetzen sich online

In Zeiten von Corona : Tänzer und Musiker aus Wachtberg vernetzen sich online

Das Hip-Hop-Tanzduo „JEM-Session“ sowie der Gitarrist und Sänger Dennis Ledermann versuchen mit Online-Auftritten und -Training die Einschränkungen zu kompensieren. Der direkte Kontakt mit dem Publikum sei jedoch durch nichts zu ersetzen.

Corona kappte viele Kontakte zwischen Menschen, die sich in Vereinen engagieren, zusammen singen, tanzen oder einfach ein Konzert genießen wollen. Den Kopf in den Sand stecken wollten aber weder das Wachtberger Hip-Hop-Duo JEM-Session noch der Sänger Dennis Ledermann. Sie nutzten die technischen Möglichkeiten, um sich und ihrem Publikum wenigstens einen Teil dessen erhalten zu können, was ihre Profession für sie und ihre Zuschauer ausmacht.

„Es wäre für uns ein besonderes Jahr gewesen, weil Emma und ich seit fünf Jahren zusammen auftreten und weil wir nicht wissen, wohin unsere Leben uns in Zukunft führen werden“, sagte Joana Bungert. Mit Emma Quantius zusammen heimste sie bei etlichen Dance-Contests und internationalen Vergleichen im Streetdance und Hip-Hop Preise für die obersten Plätze ein. „Wir hatten uns für dieses Jahr eine besondere Bühnenshow vorgestellt, jeder hatte einen Teil der Choreografie zusammengestellt“, sagte die junge Frau, die derzeit eine Ausbildung zur Uhrmacherin absolviert. Doch nach und nach kamen die Absagen der diesjährigen Contests, die Kontakte mit den anderen Tänzern wurden mit dem Kontaktverbot immer spärlicher.

„Es ist technisch nicht möglich, sich per Video zu treffen und hundertprozentig synchron zu tanzen. Es sind immer ein paar hundertstel Sekunden dazwischen“, beschrieb Bungert ein spezielles Problem beim Tanz per Videokonferenz. Deshalb tanzte jede der Hip-Hopperinnen den von ihr erstellten Teil der Choreografie und schickte das Video zur Tanzpartnerin. Damit konnten beide alle Tanzeinheiten der jeweils anderen nachvollziehen und das gemeinsame Üben per Videokonferenz konnte trotz Zeitdifferenz losgehen. „Kurz darauf haben wir eine Internetaktion gestartet, unseren Tanz gezeigt und andere aufgefordert mitzumachen“, erzählte Bungert. „Die Resonanz war toll.“ 20 weitere Tänzer schickten ihre Videos, aus denen die Initiatoren ein Vier-Minuten-Video zusammenstellten. „Alle waren begeistert, man kann auch in diesen Zeiten zusammen tanzen.“ Trotzdem freue sie sich, wenn das gemeinsame Training wieder real stattfinden kann und JEM-Session wieder auf der Bühne vor Publikum stehen darf.

Auch Dennis Ledermann, der seit einem Jahr als Solokünstler auf lokalen Bühnen singt, ist neue Wege gegangen. Seit sein Bruder Marvin in Koblenz studiert, treten die beiden nicht mehr gemeinsam als BroMo auf, schreiben aber nach wie vor zusammen Songs. „Mit Corona sind viele Auftritte weggefallen. Allerdings gab es ersatzweise ein Streaming-Konzert von Bonn Live“, sagte Ledermann. Ein weiterer Stream soll am 23. Juni bei 7-Mountains-Music-Night realisiert werden. „Das Publikum fehlt definitiv, es fehlen die Reaktionen, die Kommentare, der Applaus“, beschrieb er sein künstlerisches Empfinden in dem neuen Format. Die Online-Auftritte spendeten zwar ein wenig Hoffnung, er habe sich auch sehr über die positive Resonanz gefreut. „Aber die Erfahrung vom Live-Konzert kann man so nicht ersetzen“, fand Ledermann.

Das finanzielle Problem sei vor allem für die hauptberuflichen Künstler schwerwiegend. „Auch wenn ein Stream Spaß macht, muss man darüber nachdenken, dass Künstler auch von irgendetwas leben müssen“, sagte der Sänger. „Für Menschen, die das hauptberuflich machen, ist das momentan eine sehr harte Zeit.“ Wenn er selbst wieder auf der Bühne stehen wird, konnte Ledermann noch nicht einschätzen. „Ich möchte kein Konzert veranstalten, wenn ich nicht garantieren kann, dass alle Besucher gesund bleiben“, sagte der junge Mann.