Wachtberg Mitte: Stadt Bonn: Gutachten trifft nicht die Realität

Wachtberg Mitte : Stadt Bonn: Gutachten trifft nicht die Realität

Was das Projekt Wachtberg Mitte angeht, scheint noch Diskussionsbedarf zu bestehen. So gibt es am Dienstag, 9. Juli, eine Sondersitzung des Wachtberger Planungsausschusses. Ferner hat die Stadt Bonn ihre Bedenken gegen den Plan bekräftigt, gegenüber dem Einkaufszentrum Wohngebäude und Läden zu installieren - was zur Folge hat, dass die Politiker in Bezirksvertretung Bad Godesberg nun (erneut) über Wachtberg Mitte diskutieren.

Auch Anlieger melden sich zu Wort: Sie stehen dem Vorhaben nach wie vor kritisch gegenüber. Wie berichtet, hatten CDU und FDP mehrheitlich beschlossen, das Gebiet nicht nur als Misch-, sondern teils als Sondergebiet auszuweisen. Das bedeutet, dass dort auch reine Wohn- und Einzelhandelskonzepte realisiert werden können.

  • Gemeinde Wachtberg: Ziel sei es, innerhalb des zentralen Versorgungsbereichs "Hauptzentrum Wachtberg Mitte ein durchmischtes Quartier aus Einzelhandels-, Dienstleistungs- und Wohnnutzungen (...) zu schaffen". Damit solle die Versorgungssituation der Wachtberger verbessert werden. Im Zuge des Planverfahrens seien 22 Stellungnahmen von sogenannten Trägern öffentlicher Belange (dazu gehören zum Beispiel Behörden) und neun Anmerkungen von Bürgern eingegangen.
  • Die Anregungen seien teilweise aufgegriffen worden. So sehe die Stadt Bonn die Gefahr, dass neben den in den Sondergebieten festgesetzten Verkaufsflächen, die insgesamt 4 700 Quadratmeter groß seien, weitere Geschäfte in den Mischgebieten entstehen könnten. Diese Kritik sei auch aus Remagen und Meckenheim gekommen. Darauf wolle man eingehen und innerhalb des Bebauungsplans "klarstellend Einzelhandel in den Mischgebieten ausschließen". Dieser formelle Akt betreffe die Grundzüge der Planung "und erfordert somit eine erneute Offenlage". Ansonsten könne alles so bleiben, wie gehabt. So sei der Einfluss auf mehrere Bonner Zentren untersucht worden. Das Ergebnis: Die entstehenden Verlaufsflächen in Wachtberg Mitte seien "für die umliegenden Zentren verträglich".
  • Stadt Bonn: Nach wie vor gebe es Bedenken, weil der Flächennutzungsplan "lediglich Sonderbaufläche für Einzelhandel und Dienstleistung ohne Verkaufsflächenbegrenzung vorsehe", heißt es von der Verwaltung. Allerdings gebe es eine Ausnahme: Auf einem Grundstück habe die Gemeinde sehr wohl die Verkaufsflächen mehrerer dort geplanter Läden begrenzt. Ob dies auf nur einem Areal zulässig sei, sei "in Hinblick auf die Rechtsprechung (...) fraglich". Falls nicht, gebe es für das angesprochene Areal keinen wirksamen Bebauungsplan, so könne "eine ungeordnete Entwicklung stattfinden".
  • Davon abgesehen habe das von der Gemeinde in Auftrag gegebene Gutachten in der Betrachtung "der potenziell betroffenen Zentren nicht die Realität getroffen". Geprüft worden sei die Auswirkung auf Röttgen, Ückesdorf und Lessenich-Messdorf - drei Bereiche, deren Einwohner ob der Entfernung nicht in Wachtberg einkaufen gehen würden. In Godesberg seien nur das Hauptzentrum und Heiderhof unter die Lupe genommen, betroffene Gebiete wie Pennenfeld, Lannesdorf und Mehlem ausgeklammert worden. Auch habe man Bad Godesberg "östlich" und "westlich" der Bahn verwechselt. Die Belegung der Verkaufsflächen bleibe unklar, der zentrale Bereich von Wachtberg Mitte sei kein lebendiger Mittelpunkt sondern ein Parkplatz. Die Bedenken seien insgesamt nicht zerstreut worden.
  • Die Anwohner: Es sind zahlreiche Bedenken, die die Anwohner vorbringen - hinsichtlich der Lärmemissionen, der Folgen für die Umwelt, zum Beispiel durch mehr Müll, der Baudichte und dem erhöhten Verkehrsaufkommen. Sie fordern weiterhin, das Areal als Mischgebiet auszuweisen - andernfalls "verschiebt sich die Gewichtung von Wohnnutzung zu gewerblicher Nutzung". So sei der ursprünglich angedachte sanfte Übergang von Wohnen zu Gewerbe nicht mehr erkennbar. Hinzu komme, dass in einem Sondergebiet höhere Grenzwerte unter anderem in Sachen Lärm gelten, so die Argumentation. Und: Durch die zwölf geplanten gewerblichen Parkplätze entlang der Straße Alte Molkerei entstehe starker zusätzlicher Verkehr.
  • Deswegen sollten diese Parkplätze wegfallen. Genau wie der geplante Weg von Wachtberg Mitte in die Straße. Er würde den Anreiz erhöhen, in der Straße Alte Molkerei zu parken und "schnell in einem der angrenzenden Fachmärkte einzukaufen". Ferner sollten keine leuchtenden Reklameschilder zu den Häusern zeigen, die Anlieferung und Entsorgung solle ausschließlich über den Wachtbergring erfolgen. Die Bauzeit solle auf drei Jahre, die Öffnungszeiten auf 20 Uhr begrenzt werden. Außerdem solle man ausschließen, dass die dortigen Gastro-Betriebe "bis in die späten Abend- und Nachtstunden sowie an Sonn- und Feiertagen geöffnet sein dürfen".