Erzählcafé des Heimatvereins: So sieht der Arbeitsalltag eines Villiper Schmieds aus

Erzählcafé des Heimatvereins : So sieht der Arbeitsalltag eines Villiper Schmieds aus

Es ist ein gefährliches Handwerk: Gert Dung spricht beim Erzählcafé darüber, wie sich der Beruf des Schmies verändert hat. Er musste nach einem Arbeitsunfall mehrfach operiert werden.

Wo man heute einen Schmied findet, weiß außer Pferdebesitzern kaum noch jemand. Dabei war der Beruf noch vor einem halben Jahrhundert so vielfältig, dass kaum etwas ohne ihn ging. Im Erzählcafé des Heimatvereins Villip erzählte Schmied Gert Dung vor gut 25 Zuhörern von seiner Arbeit und Veränderungen.

„Der Conzen Matthes – Junior und Senior, Krahforster Hein, Fassbender Franz“, zählte Dung auf. Allein in Villip habe es in seiner Jugend mehr als zehn Schmiede gegeben, die den harten Beruf erlernt hatten. Nicht nur die Utensilien waren schwer, es sei auch gefährlich gewesen. Alle hätten im Laufe ihres Berufslebens Verletzungen davongetragen, so Dung. Schnitte bis auf die Knochen und schwere Verletzungen seien vorgekommen. Ihm selbst habe man vier Zehen mehrfach operieren müssen, weil ein Pferd beim Beschlagen seinen Huf darauf abgestellt hatte.

„Früher gab es fast nichts, was ohne Schmied funktionierte“, berichtete der 80-Jährige über die 50er und 60er Jahre. „Wenn der Pflug kaputt war, rief man den Schmied, wenn Wagen gebaut wurden, brauchte man Reifen für die Räder und so weiter“, erinnerte er sich. Die Reifen der Kutschen seien zwar aus Holz gewesen, aber man habe den Metallring als Reifen für die Räder gebraucht. Sonst hätten die Räder nicht lange gehalten. „Und Wein hätte es auch keinen gegeben“, erinnerte der Handwerker daran, dass auch die Weinfässer mit einem Metallring zusammengehalten werden.

Einen besonderen Auftrag für einen Schmied habe es nach dem Krieg gegeben. Er selbst sei damals noch ein kleiner Junge gewesen, für den die Geschehnisse sehr beeindruckend waren. Die Glocke der Pfarrkirche Simon und Judas Thaddäus war im Krieg zur Munitionsgewinnung abtransportiert worden. Allerdings war das gute Stück am Kriegsende noch nicht eingeschmolzen worden, sodass die Villiper ihre Glocke zurückbekamen.

Das halbe Dorf war auf den Beinen

Aber die Halterung der Glocke war abgebrochen. Die wurde in der Schmiede Conzen neu gemacht. „Nur der Transport zur Kirche war ein Problem. Das Ding ist ja groß und schwer“, sagte Dung. Bei der Aktion war schließlich das halbe Dorf auf den Beinen. Sein Vater hatte das Kaltblutpferd der Familie zur Verfügung gestellt. So habe er mit dem Tier die Glocke auf einem Wagen vier Stufen einer Treppe zur Kirche hinaufgezogen – dort, wo heute das Pfarrhaus steht. „Anschließend hat man die Glocke in Position gebracht, sodass man sie mit einem Seilzug hinaufziehen konnte“, berichtete der Schmied.

Der Beruf habe sich im Laufe der Zeit stark gewandelt, sagte der Schmied. Er habe im Lehrgang der Münsteraner Meisterschule noch alles für die Bearbeitung von Landmaschinen, Hufeisen und vielfältige andere Metallarbeiten gelernt. Heute gebe es dafür den Hufschmied, den Landmaschinenbauer und den Schlosser. Auch die Behandlung von Hufkrankheiten und die Beurteilung des Bewegungsapparats übernehmen heute andere. Wie das Handwerk ursprünglich ausgesehen hat, konnten Teilnehmer nach dem Café im Heimatmuseum Villip erkunden. Dort stellt der Heimatverein Werkzeuge und den Amboss aus, an dem Gert Dung sein Handwerk gelernt hat.

Zu einer anderen Reise in Gegenwart und Vergangenheit lud der Vorsitzende des Heimatvereins für Samstag, 7. September, ein. Einige freie Plätze gebe es noch für den Ausflug zur Ordensburg Vogelsang. Auf dem Programm stehen die Naturkundeausstellung, die Ausstellung zur Ordensburg, Mittagessen, ein Ausflug mit anschließendem Treffen am See. Wer nicht gut zu Fuß sei, könne auch mit dem Bus zum See mitfahren.

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