Erinnerungen bei den Bachemer Gesprächen: So lebte es sich in Wachtberg in den Fünfzigern

Erinnerungen bei den Bachemer Gesprächen : So lebte es sich in Wachtberg in den Fünfzigern

Johannes Adenäuer skizziert mit Fotografien das Leben in Wachtberg im vergangenen Jahrhundert. Mit seinem Vortrag war er zu Gast bei den Bachemer Gesprächen des Heimatvereins Niederbachem.

Wie lebte es sich im vergangenen Jahrhundert in Wachtberg? Das beleuchtete Johannes Adenäuer jüngst vor gut 40 Besuchern in einem Diavortrag mit historischen und eigenen Bildern aus Vergangenheit und Gegenwart. Adenäuer war zu Gast bei den Bachemer Gesprächen des Heimatvereins Niederbachem. Bei der Veranstaltungsreihe dreht sich alles um Themen rund um Oberbachem, Niederbachem und Kürrighoven.

Weil sein älterer Bruder als Säugling verstarb, sei er als zweiter, 1941 geborener Sohn der Familie dazu bestimmt gewesen, den Hof zu übernehmen, berichtete Adenäuer. Nur etwa 450 Einwohner habe der kleine Ort damals gehabt, in Niederbachem hätten rund 900 Menschen gelebt. Den Tageslauf bestimmten seinerzeit die Tiere. Zehn Kühe, vier Rinder, vier Kälber, zwei Schweine und 20 Hühner seien zu versorgen gewesen, berichtete der Zeitzeuge. Jeden Morgen wurde das Milchvieh auf die Weide getrieben, jeden Abend zurück. Die ersten Pumpen, die das Melken auf der Weide ermöglichten, waren auch für die Familie Adenäuer eine große Erleichterung. Der nächste Meilenstein war ein elektrischer Weidezaun, der den Aufenthalt der Kühe sicherer machte.

Wenn Gewitter drohte, holte die Familie die Tiere so schnell wie möglich zurück in den Stall. „Das konnte gefährlich werden“, erinnerte sich der Referent. Je eine Kuh war in zwei aufeinanderfolgenden Jahren vom Blitz getroffen worden. Ein schwerer Schlag in einer Zeit, in der Milchvieh und der Pflanzgarten große Familien ernährten: „Zig Leute haben damals ihr Gemüse in den Gärten selbst gezogen.“ Einige der Gäste erkannten die Gärten von Verwandten und Bekannten.

Erinnerungen wurden auch bei den Bildern der alten Schule und des Pfarrhauses neben der Kirche wach. “Wir hatten den ersten Kindergarten in der Gegend in Oberbachem. Da sind auch Niederbachemer Kinder gekommen“, berichtete Adenäuer. Zwei Klassen hatte die kleine Schule damals. Weil es wenig Platz gab, wurde eine Klasse am Vormittag, die andere nachmittags unterrichtet. An den Lehrer Zimmermann, der die Schüler in Oberbachem damals betreute, erinnerten sich ebenfalls viele Gäste.

Streiche spielten sie damals gerne. So stopften sie in einen alten Schlüssel mit dem seinerzeit charakteristischen Loch vorne den abgekratzten Brennstoff von Streichhölzern. Als der Besitzer den Schlüssel ins Schloss steckte, „hat es ordentlich geknallt“, erinnerte sich Adenäuer. Um die Schule ausfallen zu lassen, steckten die Jungs in einem Winter Zeitungspapier in das Rohr des Kanonenofens. Die Rechnung ging allerdings nicht auf, weil doch noch ein geringer Luftzug entstand. Statt schulfrei gab es einen Tag in einem recht verrauchten Schulhaus.

Nur ein Streich ging leider nicht ganz glimpflich aus. Kinder hatten eine Granate gefunden, sie in den Spalt an einer Brücke gesteckt und darauf gehauen. „Nur, weil das Ding in dem Spalt steckte, wurden so wenige verletzt. Einer aber hat lange im Kampf auf Leben und Tod gelegen“, berichtete Adenäuer vom Schicksal der damals ahnungslosen Kinder, die mit Munition gespielt hatten.

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