Wo die Ödlandschrecke wohnt: Seltene Arten am Rodderberg

Wo die Ödlandschrecke wohnt : Seltene Arten am Rodderberg

Der Vulkan zwischen Rolandseck und Niederbachem ist ein Dorado bedrohter Pflanzen- und Insekten, wie die regelmäßigen Exkursionen zeigen.

Sonderlich viele Tiere wollten sich bei der Exkursion rund um den Rodderberg nicht zeigen. Entweder hatten sie sich vor den Geräuschen der benachbarten Schleppjagd versteckt oder sie wagten sich wegen der frischen Temperaturen nicht aus ihren Schlupflöchern. Wenigstens einige Schwalbenschwänze umflatterten munter die kleine Gruppe um André Koch. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter führte er die Teilnehmer der Familienexkursion rund um den Vulkankrater Rodderberg.

780 Meter Durchmesser habe der Krater des erloschenen Vulkans im Durchschnitt gehabt. Diese Ausmaße ließen sich jedoch nur vom höchsten Punkt aus halbwegs erahnen. Auch die ursprünglichen 50 Meter Tiefe sieht man dem Gelände nicht mehr an. Verändert sei der Krater, erklärte Koch, durch Wind und Wetter, die im Laufe der Jahrhunderte Staub, Sand und Schlamm eingetragen haben. So nimmt man heute auf den ersten Blick nur einen Berg mit einer ungewöhnlichen Flora und Fauna wahr.

„Auch wenn hier viel Bewegung stattgefunden hat, der Grund ist porös geblieben. Damit wäscht der Regen die wenigen Nährstoffe aus, und es bleibt sehr magerer Boden an der Oberfläche zurück“, erläuterte Koch. Deshalb wüchsen hier nur Pflanzen, die bei Nährstoffmangel gut gedeihen. Die Kartäusernelke fühle sich hier in dem vorherrschenden Magerrasen wohl. Um das Gelände vor einer zu starken Verbuschung zu schützen, legt nicht etwa der Mensch Hand an schweres Gerät. Stattdessen sorgt eine Schafherde zwei Mal im Jahr durch gezielte Beweidung für den Erhalt des natürlichen Gleichgewichts unter den Pflanzen.

Früher lieferte der Vulkan das Baumaterial

Damit wird auch der Lebensraum der blauflügeligen Ödlandschrecke geschont. Diese große Heuschrecke fühlt sich nur in sehr trockenen Gebieten wohl und ist außer in diesem Naturschutzgebiet in der Region kaum zu beobachten. „Die blaue Farbe der Flügel ist beim Sprung beeindruckend schön zu sehen“, so Koch. Wenn das bis zu 2,9 Zentimeter lange Insekt nicht gerade bis zu zwei Meter weit springt, verbirgt es die Farbenpracht seiner Flügel unter einer bräunlich gescheckten Tarnfarbe. Wegen ihrer spezifischen Anpassung geht ihr Vorkommen stark zurück. Beim BUND steht die Schrecke auf der roten Liste unter den gefährdeten Arten. Zwei Jahre lang habe man ab 2011 hier Bohrungen durchgeführt. Bis zu 160 Metern sei man vorgedrungen und habe in den ersten 70 Metern ausschließlich von Wind eingetragenen Löß vorgefunden. Ansonsten hat sich in den letzten Jahrzehnten hier nicht viel verändert, denn das Gebiet stehe bereits seit 1927 unter Naturschutz. Vorher hatte der Tuffstein des Vulkans als willkommenes Baumaterial gedient.

Wie wichtig dieser Schutz vor einem Übermaß menschlichen Eingriffs sei, zeigten die Krefelder Untersuchungen deutlich, erklärte der Referent. Durch die extensive Landwirtschaft und den massiven Einsatz von Pestiziden haben unsere Landschaften in 30 Jahren etwa 80 Prozent ihrer Insektenvielfalt eingebüßt. Umso wichtiger seien die derzeitigen Forschungen zu dem Phänomen.