Grasen für den Naturschutz: Schafe und Ziegen am Rodderberg im Beweidungseinsatz

Grasen für den Naturschutz : Schafe und Ziegen am Rodderberg im Beweidungseinsatz

Schafe und Ziegen sind derzeit am nördlichen Rodderberg im Beweidungseinsatz. Um das Naturschutzgebiet erhalten, sei das notwendig, erklärten Christian Chmela und Monika Hachtel im Zuge LVR-Reihe "Stadt-Land-Fluss".

Auf einer kleinen schattigen Fläche am nördlichen Rodderberg warteten etwa 120 Schafe und Ziegen der Schäferei Burbach aus Alfter-Oedekoven am Wochenende auf ihren Einsatz. Wenige Minuten später begannen sie, Gras und Sträucher in eingezäunten Bereichen zu fressen. Um das Naturschutzgebiet in seiner Artenvielfalt zu erhalten, sei das notwendig, erklärten Christian Chmela und Monika Hachtel im Zuge der alle zwei Jahre stattfindenden LVR-Reihe "Stadt-Land-Fluss" den ersten knapp 40 Besuchern. Während der Führungen beantworteten die beiden ebenso wie Schäfer Theo Burbach Fragen und informierten über Besonderheiten des Areals und der Tiere.

Schon 1923 hatte man am Rodderberg wegen der besonderen geologischen Phänomene ein Schutzgebiet eingerichtet, berichtete Hachtel. Dass man hier ein Potpourri seltener Tiere und Pflanzen wie Kartäusernelke und Neuntöter findet, die sonst in unseren Breiten nicht vorkommen, habe man erst später erkannt. "Denn fast immer werden vollständig unbearbeitete Graslandschaften in Deutschland irgendwann zu Wald. Die hier jetzt vorhandene Artenvielfalt gäbe es dann irgendwann nicht mehr", so Hachtel.

Natürliche Beweidung bevorzugt

Bevor die Biologische Station 2001 die Pflege des Areals übernahm, hatte die Stadt Bonn immer wieder Unternehmen damit beauftragt, verschiedene Abschnitte zu mähen und zurückzuschneiden. In der Station wandte man sich aber schnell der natürlichen Beweidung zu. Allerdings sei das wegen der Lage des Rodderbergs nicht so einfach gewesen, sagte die Biologin. Der Basaltschlot liegt nämlich zum einen Teil in Nordrhein-Westfalen - auf Wachtberger und auf Bonner Gebiet. Der andere Teil des Areals liegt in Rheinland-Pfalz. "Deshalb muss der Schäfer für jeden einen einzelnen Vertrag abschließen", erklärte Hachtel den erhöhten Verwaltungsaufwand.

Warum nicht nur Schafe, sondern auch Ziegen zum Einsatz kamen, wussten Miriam (11) und Finja (11): "Die Ziegen haben einen mehrteiligen Magen, die sind nicht so empfindlich." Während die Schafe sich also gemächlich um das einfache Gras kümmern, knabbern die Ziegen liebend gerne Gröberes wie kleine Holundersträucher oder gerne auch mal Dorniges wie Brombeerranken. Finja streichelte gerne die Tiere, die manchmal bis an den eigens aufgestellten Zaun herankamen. Miriam gefiel das Kinderquiz am besten. "Die Antworten hatte ich in den ersten 15 Minuten", strahlte sie. Als Gewinne für richtig ausgefüllte Kinder- oder Erwachsenenquizbögen gab es unter anderem Lammfelle, Wollkissen und ähnliches.

Fressvorlieben sorgten für eine gleichmäßige Beweidung

Über die Zusammensetzung der Herde klärte Schäfer Theo Burbach aus Alfter Oedekoven gerne auf. Unter den Ziegen sei schon länger keine besondere Rasse mehr auszumachen, sagte er. Bei den Schafen war das anders. "Hier haben wir Zackelschafe mit nach außen gedrehten Hörnern, Moorschnucken und Steinschafe in allen Variationen", so Burbach. Eine gute Mischung der Schafe untereinander sorge durch die unterschiedlichen Fressvorlieben der Tiere für eine gleichmäßige Beweidung.

Was er allerdings nicht mische, sei die Geschlechter. Deshalb grasen im Moment auf dem erloschenen Vulkan nur Böcke. "Ich habe derzeit insgesamt etwa 2500 Schafe. Wenn die sich unkontrolliert fortpflanzen, wird das zum Problem", sagte Burbach, denn das Züchten der Tiere lohne sich schon lange nicht mehr. Weder das Fleisch noch die Wolle seien zu einem kostendeckenden Betrag verkäuflich. Auch als Schäfer mit den Tieren durch die Lande zu ziehen sei nicht mehr möglich. Stattdessen ist er auf den Transport per LKW angewiesen. Mit dem Familienbetrieb hat er sich auf die gezielte Beweidung solcher und ähnlicher Flächen in einem Umkreis von etwa 150 Kilometern spezialisiert. So "arbeiten" seine Tiere auch auf dem Dächelsberg in Wachtberg oder in den Wacholderheiden in der Eifel.

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