Keine Hinweise auf Straftat: Polizei schließt Akte nach Knochenfund in Wachtberg

Keine Hinweise auf Straftat : Polizei schließt Akte nach Knochenfund in Wachtberg

Die Polizei hat die Ermittlungen nach dem Knochenfund auf einer Baustelle in Wachtberg-Berkum eingestellt. Grabungstechniker hatten sich den Schacht angeschaut. Es gibt keine Hinweise auf eine Straftat.

Die Polizei Bonn hat ihre Ermittlungen nach dem Knochenfund in Berkum eingestellt. Das teilte Polizeisprecher Michael Beyer am Mittwoch mit. „Wir haben die Akte geschlossen, es gibt keine Hinweise auf eine Straftat“, sagte Beyer. Es habe in diesem Bereich – wie vermutet – früher einen Friedhof gegeben. „Wir haben die sterblichen Überreste nun an den Landschaftsverband übergeben für weitere Nachforschungen zum Alter“, so der Polizeisprecher weiter.

Wie berichtet, hatten Bauarbeiter auf der Rathausstraße am Montag bei Ausschachtungsarbeiten für eine neue Erdgasleitung menschliche Skeletteile gefunden und die Polizei alarmiert. Am Dienstag waren auch die Bodendenkmalpfleger des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) mit an Bord gekommen. Das Erzbistum Köln teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, dass man vom Moment der Ausgrabung an Wert lege auf eine pietätvolle Behandlung der Knochen. „Dazu gehört, dass die Knochen nach Abschluss der Untersuchungen und Freigabe durch die Behörden in einem anonymen Grab bestattet werden“, sagte Thomas Klimmek von der Pressestelle.

Nach dem Knochenfund auf der Baustelle in Berkum ruhten die Arbeiten auf der Baustelle zunächst, weil die Polizei einen Baustopp verhangen hatte. Neben dem Kriminalkommissariat 11, das sich um Todesermittlungen kümmert, hatte auch die Außenstelle Overath des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland ins Geschehen eingegriffen. Am Montag hatten sich die Experten gewundert, warum sie niemand über den Fund informiert hatte. Ein "Gruselfund", wie in anderen Medien beschrieben, ist es für Leiter Jens Berthold nicht. "Wir haben in direkter Nähe die Alte Kirche St. Gereon, deshalb handelt es sich wohl um einen ehemaligen Friedhof", sagte er am Montag dem GA.

Die Arbeiter lobte er: "Sie haben völlig korrekt gehandelt und sofort mit allem aufgehört." Wenngleich für ihn - wegen der Nähe zur Kirche - eher Archäologen als Polizisten zuständig sind. "Bei 99 Prozent der älteren Kirchen gab es angrenzende Friedhöfe, die irgendwann geschlossen wurden, weil man die Toten lieber im Außenbereich des Dorfes beerdigen wollte", erklärte der Außenstellenleiter.

Dafür sprächen die noch vorhandenen Grabsteine an der Kirche. Irgendwann sei die Straße wahrscheinlich erweitert worden - in den Bereich der Friedhofsmauer hinein. Die Essig-Mehlemer Chaussee (heute Rathausstraße) war von 1854 bis 1857 gebaut worden; allerdings hatte es weniger befestigte Vorläufer gegeben. Eine Antwort des Erzbistums Köln zur Thematik lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Berthold hat sich auch den Bericht zu den Funden an fast gleicher Stelle 1956 und 1966 durchgelesen. "Man hat beim Neubau im Hof des damaligen katholischen Schwesternheims zwei verschiedene römische Gefäßreste aus dem 2. bis 3. Jahrhundert und Skelettteile entdeckt", führte er aus. Er spricht aufgrund der Unterlagen eher von einer "römischen Fundstelle", denn von einem "römischen Grab".

An diesem Mittwoch soll ein Grabungstechniker an der Rathausstraße vorbeikommen. Er wird sich vor allem die Profile in den Schachtwänden anschauen. Denn, so der Fachmann, wenn über mehrere Jahrhunderte Bestattungen an dieser Stelle stattgefunden hätten, lasse sich das erkennen. "Und dann dürfte unsere Dokumentation recht schnell fertig werden", meinte Berthold.

Fernab der Fundstelle könnten die Arbeiten fortgesetzt werden, so dass man noch im Zeitplan liege, teilte am Abend die Pressesprecherin des Euskirchener Energieunternehmens, Ilona Schäfer, mit. Die Gasversorgung im Ort sei jederzeit gewährleistet. "Lediglich die Verkehrsbeeinträchtigung könnte länger als geplant andauern, wenn die Baustelle länger ruhen sollte", so Schäfer.

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