Entdeckungen in der Wachtberger Kaolingrube: Paradiesgarten für Unke und Molch

Entdeckungen in der Wachtberger Kaolingrube : Paradiesgarten für Unke und Molch

Beim Tag des Geotops begeben sich Teilnehmer einer Exkursion auf die Spuren der Natur und des Kaolinabbaus in Wachtberg. Die Arbeit der Bagger in der Grube ist mittlerweile beendet.

Von Oedingen aus fährt man über einen Wirtschaftsweg zur Kaolingrube, die in Wachtberg liegt. Es kommt eine kleine Parkfläche, schließlich geht es ein Stück zu Fuß durch den Wald, schon steht man vor dem verschlossenen Tor der Abbaugrube. Mit dem passenden Schlüssel gab Alexander Ertel von der Sibelco den Zugang in das Naturschutzgebiet für die Geologen Sven Oliver Franz und Stefan Thomas sowie die 20 Gäste am Tag des Geotops frei.

Auf der oberen Plattform öffnete sich der Blick über die gesamte, schichtweise in weißen und hellen Graustufen schimmernden Grube. Zwei kleine Tümpel in der Mitte sind heute Lebensraum für einige seltene Tierarten. So laicht dort die Gelbbauchunke, und der Kammmolch findet perfekte Lebensbedingungen. Forscher entnehmen in Einzelfällen Laich, um in anderen Gebieten mit ähnlichem Vorkommen den Genpool besser zu durchmischen.

Wie all das entstanden ist, beschrieb Franz anschaulich: Offene Teile des hiesigen Grundgebirges, also einer recht dauerhaften geologischen Struktur, sehe man dort. Vor mehr als 400 Millionen Jahren lagerten sich zu Zeiten, als es an dieser Stelle noch ein Flachmeer gab, Sand-, Schluff und Tonsteine in damaliger Küstennähe ab.

Im Zuge der Gebirgsbildung, tektonischen Verschiebungen und vulkanischer Aktivität wurde das gesamte Areal gefaltet und herausgehoben. So liegt die Kaolingrube heute in den oberen Abschnitten rund 230 Meter über dem Meeresspiegel.

Anschaulich beschrieb Franz die Effekte in den Gesteinsmassen. Nicht immer nur nach oben haben sich die Schichten verschoben: Gewaltige Kräfte drückten das Gestein auch mal zur Seite, in diesem Fall nach Nordwesten. In den Bruchspalten zwischen dem Gestein suchte sich Wasser seinen Weg, wusch Mineralien aus, in den Gängen entstanden Milchquarze.

Die verschiedenen Gesteinsschichten geben den Geologen heute Auskunft über Entstehungszeiten der Grube, aber auch über klimatische Bedingungen. So hat das Gebiet im Laufe von Karbon, Trias, Kreidezeit, Tertiär und Quartär gemäßigte, subtropische aber auch tropische Zeiten erlebt. In Letzteren habe es kaum tektonische Aktivität gegeben, sagte Geologe Franz.

Auch wenn das heutige Gestein, der Kaolin, zu den Tonen gehört und somit das Areal im weiteren Sinne eine Tongrube ist, sei die Entstehung nicht zwangsläufig mit der anderer Tongruben zu vergleichen, schilderte Thomas. Am Ortsrand von Oedingen nämlich sei das Kaolin in-situ, also vor Ort entstanden, erklärte er. Kaolin habe sich nur unter Abschluss bilden können, weil andere Gesteine und eingetragene Schichten das Kaolin bedeckt hatten. „In Adendorf dagegen ist der Ton durch Erosion und Wassereintrag in eine Senke geschwemmt worden.“

Erst seit 1926 wurde das Gestein in der Grube abgebaut, um feine, weiße Porzellane wie das Meißner zu gewinnen oder um Papier zu weißen. Allerdings ist der Abbau laut Ertel bei weitem nicht so intensiv wie an anderen Stellen. „Es gibt deutlich größere Gruben, in denen man mit kleinen Schaufelradbaggern das Material abtragen kann“, erklärte der Sibelco-Mitarbeiter.

In dieser Grube sei mit einem deutlich kleineren Löffelbagger in diesem Frühjahr zum letzten Mal Kaolin abgebaut worden. Das hier noch lagernde Material würde zur Porzellanproduktion noch nach Seilitz in der Nähe von Meißen transportiert, „dann ist hier Schluss“.

Besucherin Gabriele Schmidt war beeindruckt von den Ausführungen der Geologen. Rein privates Interesse habe sie hierher geführt, sagte sie. Schon einige Male hatte sie an geologischen Führungen teilgenommen. „In Flerzheim beispielsweise haben die Referenten in der Kiesgrube die Entstehung eines Erdbebens simuliert und die Messtechnik der Erdbebenmessung erklärt“, erinnerte sich die Bonnerin.

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