Niederbachem: Unbekannte töten Ziegenbock am Dächelsberg

Tierquälerei in Wachtberg : Ziegenbock am Dächelsberg brutal getötet

Am Mittwochabend haben Unbekannte in Niederbachem einen Ziegenbock aus seiner Herde gerissen und ihn ausbluten lassen. Die Bonner Polizei hat in dem Fall noch keine heiße Spur.

Ein grausiger Fall von Tierquälerei beschäftigt seit Mittwoch die Bonner Polizei. Unbekannte Täter haben am Dächelsberg bei Niederbachem einen Ziegenbock brutal getötet. Spaziergänger fanden das Tier aufgehängt an einem Vorderlauf im Wald, mit durchtrennter Kehle und aufgeschlitztem Bauch. Polizeisprecher Robert Scholten bestätigte am Freitag, dass es Ermittlungen des Kriminalkommissariates 11 gebe, das unter anderem für Tötungsdelikte zuständig ist. „Wir haben noch keine Spur“, sagte Scholten auf GA-Anfrage.

Merklich schockiert sind die Besitzer des etwa fünfjährigen Bocks, der Loki hieß. Familie Kucharz aus Asbach betreibt mit ihren Ziegen im Naturschutzgebiet Dächelsberg Landschaftspflege. „Mein Mann wollte die Tiere am Mittwoch wieder nach Hause holen und hat sich gewundert, wo Loki ist“, erzählte Conny Kucharz am Freitag. 80 ihrer insgesamt 120 Ziegen hatten sich seit dem 16. November auf zwei Flächen durchs Gebiet gefuttert. „Wir sind schon zum dritten Mal im Auftrag der Gemeinde Wachtberg mit unserer Herde tätig geworden“, so die 33-Jährige. Am Mittwochabend habe es dann kurz hintereinander Anrufe einer Familie und der Gemeinde gegeben, die von dem Vorfall berichteten.

„Anhand der Schleifspuren konnten wir nachvollziehen, dass der Bock von der Weide gezogen wurde, bevor man ihn im Wald aufgehängt und geschächtet hat“, sagte die Besitzerin. Der Vorderlauf sei festgeklemmt gewesen, die Halsschlagader aufgeschlitzt und der Bauch ebenfalls aufgeschnitten. Das Tier war komplett ausgeblutet. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Christian (38) alarmierte sie sofort die Polizei.

Die Besitzer mutmaßen, dass Loki sein zahmes Wesen zum Verhängnis wurde. Seit 13 Jahren hält das Ehepaar Ziegen. „Wir haben viele Tiere aus schlechter Haltung übernommen“, beschreibt Kucharz die besondere Bindung zur Herde, in der jedes Tier einen Namen hat. Vor wenigen Wochen habe mutmaßlich ein Wolf eine ihrer Ziegen in heimatlichen Gefilden gerissen. „Das war nicht schön, aber ich habe lieber einen Wolf in der Herde, der sich holt, was er braucht, als einen Menschen mit kranken Gedanken“, betonte die Asbacherin.

Sie geht nicht davon aus, dass es sich um eine Tat mit religiösem Hintergrund handel. Nach einem ähnlichen Vorfall vor neun Jahren – genau zum muslimischen Opferfest – habe sie sich über die Riten informiert. Die Tiere müssen zwar ohne Betäubung getötet werden, um auszubluten und „halal“, also rein zu sein. „Das Fleisch ist aber nicht halal, wenn das Tier gestohlen wurde“, sagte die 33-Jährige. Schächten ist in Deutschland verboten; muslimische oder jüdische Metzger brauchen Ausnahmegenehmigungen dafür.

Besonders schlimm sei das Erlebte für die vier- und sechsjährigen Kinder der Familie. „Der Tod gehört für sie dazu, gerade bei älteren Ziegen, aber sie können nicht verstehen, dass von außen Einfluss genommen wurde.“ Das Ehepaar hat zwar Anzeige gegen Unbekannt erstattet, aber wenig Hoffnung auf einen Ermittlungserfolg der Polizei.

Wer zwischen Dienstag und Mittwoch rund um den Dächelsberg Auffälliges beobachtet hat, kann sich unter der Rufnummer 0228/150 bei der Polizei melden.