Verkehrsplanung in Wachtberg: Neuer Linksabbieger macht abbiegen schwierig

Verkehrsplanung in Wachtberg : Neuer Linksabbieger macht abbiegen schwierig

Die Adendorferin Karin Schicke kommt kaum noch aus Grundstück heraus. Der Linksabbieger wurde für das Baugebiet Am Scheeßberg errichtet. Die Gemeinde bessert nach.

Der neue Linksabbieger, den Straßen NRW auf der L 123 in Adendorf eigens für das Neubaugebiet Am Scheeßberg einrichtet (der GA berichtete), sorgt für weitere Kritik. Karin Schicke, die ihre Grundstückseinfahrt fast unmittelbar auf Höhe des Linksabbiegers hat, ist höchst unglücklich über die neue Verkehrssituation. Aus ihrer Sicht verschlechtert die großflächige Baumaßnahme nicht nur die Erreichbarkeit ihres Grundstücks. Auch schaffe der gut ausgebaute Linksabbieger neue Gefahrenpotenziale, speziell für Kinder. Wie berichtet, hatte bereits zuvor der Vorsitzende der Adendorfer Ortsvertretung, Volker Gütten, die rund 500 000 Euro teuere Maßnahme als „unverhältnismäßig“ kritisiert.

Was Schicke mit dem neuen Linksabbieger vor ihrer Haustür hadern lässt: Nach der Umbaumaßnahme kann sie nach eigener Aussage mit Auto und Pferdeanhänger nur noch dank einer großen Ausholbewegung, die sie teils auf die Gegenspur führe, nach rechts auf die Töpferstraße in Richtung Meckenheim abbiegen. Sie bietet therapeutisches Reiten an und braucht daher ihren Hänger täglich. Schuld sei, so führt sie aus, dass ihre ursprünglich aufgeweitete Grundstückseinfahrt, „abgeschrägt und damit verengt worden ist“. Darum habe sie auch immer wieder das Gespräch mit Straßen NRW und der Gemeinde gesucht, um hier Abhilfe zu schaffen, bislang vergeblich. Was sie besonders aufregte: Sie bekam bei einem dieser Gespräche den Tipp, „doch nur noch links herum abzubiegen“. Dann sollte sie sozusagen einen Rundkurs durch das Wohngebiet über den Grimmersdorfer Weg fahren, um dann problemlos nach rechts auf die Töpferstraße/L 123 in Richtung Meckenheim abbiegen zu können.

Der Vorsitzende der Ortsvertretung wünscht sich zudem einen Ersatz für die gefällten Bäume

Laut Gemeindesprecherin Margrit Märtens kam dieser Hinweis allerdings nicht vonseiten eines Mitarbeiters des Berkumer Rathauses. Was aus ihrer Sicht derweil die Situation entschärft haben dürfte: „Bei einem Baustellentermin wurde der gesamte Sachverhalt nochmals erörtert.“ Als Ergebnis sei mit Schicke vereinbart worden, „dass sowohl an der linken wie auch an der rechten Seite ihrer Einfahrt ein Dreieck mit der Abmessung ein Meter mal ein Meter geschottert wird und sie diese Fläche beim Ein- und Ausfahren benutzen kann“. Märtens betont, dass die Einfahrt der Beschwerdeführerin „gegenüber dem ursprünglichen Zustand um circa 50 Zentimeter verbreitert wurde“.

Was die Anliegerin allerdings weiterhin ärgert: „Der gut ausgebaute Linksabbieger verleitet Autofahrer jetzt dazu, mit höherer Geschwindigkeit in den Grimmersdorfer Weg abzubiegen.“ Gefährlich sei das vor allem für Kinder, die Weg dort überqueren würden. Schicke hält daher verkehrsberuhigende Maßnahmen für geboten. Dazu sagt Alfred Sebastian von der Straßen NRW Niederlassung in Euskirchen: „Verkehrsberuhigende Maßnahmen in diesem Bereich liegen in der Zuständigkeit der Gemeinde Wachtberg.“

Volker Gütten will diesen Punkt in der Ortsvertretung thematisieren. Für ihn bleibt noch ein weiterer Schritt zu tun: Die Wiederherstellung des einst grünen Ortseingangs, der Adendorf prägte: „Durch das Fällen von zehn Bäumen im Zuge der Baumaßnahme, darunter acht seltenen Schwarznüssen, hat sich das Bild stark verändert.“ Da sich aber gerade der Alleecharakter im Ort fortsetze, hält er Ersatzpflanzungen für zwingend geboten.

Mit gutem Beispiel sei bereits Georg Freiherr von Loë, Hausherr auf der Burg Adendorf, vorangegangen: „Herr von Loë hat auf eigene Initiative zwölf Linden unterhalb der gefällten Bäume an der L 123 gepflanzt“, erklärt Gütten. Was dennoch folgen müsse: Ersatzpflanzungen für jene drei Bäume, die derzeit noch auf der anderen Seite der L 123 stehen. Die sollen seinen Informationen nach nämlich gefällt werden, „weil sie krank sind“. Auch hält er es für verfehlt, dass die als Querungshilfe angelegte neue Verkehrsinsel allein aus Beton und nicht teils auch aus Grün besteht.