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Schutz vor den Wassermassen: Mobile Barrieren für Fritzdorf

Schutz vor den Wassermassen : Mobile Barrieren für Fritzdorf

Die Gemeinde erwägt die Anschaffung eines ungewöhnlichen Unwetterschutzsystems aus der Schweiz. Es pumpt sich durch den Druck des Wasser selbst auf.

Auch wenn die Gemeinde in besonders gefährdeten Ortschaften schon eine ganze Reihe an Unwetterschutzmaßnahmen auf den Weg gebracht hat, bleibt noch einiges zu tun. Ausweislich der neuen Starkregengefahrenkarten war vor allem Fritzdorf bei dem letzten verheerenden Unwetter 2016 ein sogenannter Brennpunkt.

Hier müssen die vergleichsweise steil in Richtung Windmühle und Rheinland-Pfalz ansteigenden Hänge am Ortsrand gegen talwärts strömende Regenfluten ertüchtigt werden. Zur Erinnerung: Zuletzt hatte sich eine Unwetterzelle am 4. Juni 2016 in Teilen über Fritzdorf entladen – und dafür gesorgt, dass sich Wassermassen in bislang nicht gekanntem Ausmaß von den Hängen an der alten Windmühle talwärts Richtung Arzdorf und Adendorf ergossen hatten. Dutzende Keller wurden dabei alleine in Fritzdorf geflutet, rund 60 Einsätze zählte die Feuerwehr damals allein in diesem Ort. Insgesamt galt es an diesem Tag 140 Einsatzstellen abzuarbeiten.

Da die Gemeinde derzeit aber bereits für rund 2,6 Millionen Euro eine überaus ambitionierte Schutzmaßnahme zur Ableitung von Starkregenereignisse in Werthhoven durchführt, und auch in Fritzdorf, am Zingsheimer Hof mehr als 500.000 Euro in entsprechende Schutzmaßnahmen investiert hat, stehen weitere Mittel derzeit nur begrenzt zur Verfügung. Doch Volker Strehl, Vorstand der Gemeindewerke, ist bei seinen Recherchen nach Lösungen auf eine durchaus bezahlbare Alternative gestoßen: Mobile Barrieren, die ein Hersteller aus der Schweiz anbietet, könnten bei einem neuen Starkregenereignis die Wassermassen rund um die Windmühle aufhalten.

Notfall-Hochwasserschutz namens „Water-Gate“

Der eidgenössische Notfall-Hochwasserschutz namens „Water-Gate“, hergestellt von der Firma MegaSecur, hat aus Sicht der Wachtberger Abwasserwerke eine Reihe von Vorteilen. „Er lässt ich leicht transportieren, kann von wenigen Helfern ausgerichtet werden und soll sehr strapazierfähig sein“, bringt es Gemeindewerkevorstand Strehl auf den Punkt. Dabei handelt es sich vereinfacht ausgedrückt um eine Kunststoffbahn, die sich dem Gelände anpasst „wie ein Seil“, steht auf der Firmenhomepage nachzulesen, auf die Unternehmenssprecher Pascal Klein verweist.

Ist der mobile Damm im Gelände ausgelegt, richtet er sich im Fall der Fälle quasi von alleine auf. „Genauer gesagt durch den Druck des talwärts strömenden Regenwassers“, erklärt Volker Strehl. Wie auf der Internetseite des Unternehmens nachzulesen ist, kann das System „bis zu zwei Meter Wasser zurückhalten“.

Zu haben ist das Ganze in modulartigen Abschnitten von neun oder 15 Meter, wobei der mobile Damm auch „stufenlos erweitert werden kann, und verschiedene Höhen kombiniert werden“, so der Hersteller. „Die verschiedenen Abschnitte können mittels Klettverschlüssen miteinander verbunden werde. Aus Sicht von Strehl überaus praktisch ist dieser Firmenhinweis: „Eine Rolle mit der Größe einer Sporttasche kann Tausende von Kubikmetern Wasser mit enormer Effizienz aufnehmen.“

Optimierung der Planung durch ein Ingenieurbüro

Zudem ist für ihn wichtig zu wissen: Die Water-Gate-Hochwasserschutz-Barrieren können „Hunderte Male verwendet werden.“ So verspricht es die Herstellerfirma. „PVC verleiht dem gewebten Polyester außergewöhnliche abriebfeste Eigenschaften.“ Die Erfahrungen mit Flussbauwerken hätten gezeigt, dass der Damm auf unebenem Untergrund mehrere Jahre lang genutzt werden könne, Zudem sei die Aufprallfestigkeit auch von der US Armee getestet worden – genauer gesagt vom US Army Corps of Engineers.

Mit der größte Vorteil des Systems ist aus Sicht von Strehl: „Es ist deutlich günstiger etwa im Vergleich zu einem fest installierten Kanal zur Ableitung von Oberflächenwasser, wie sie eine Planung zur Ertüchtigung des Grabens am Platanenweg in Fritzdorf aktuell vorsieht.“ Der schlage mit Kosten in Höhe von mindestens 500.000 Euro zu Buche, Hundert Meter der mobilen Barriere aus der Schweiz kosten etwa 50.000 Euro. Aktuell wird mit der Optimierung der Planung durch ein Ingenieurbüro begonnen. „In welchem Umfang sich die Gemeinde für das System entscheidet wird im Rahmen dieser Planungen geprüft“, führt Strehl aus. „Nach den Sommerferien soll ergänzend eine Abstimmung und Erörterung mit den betroffenen Anlieger erfolgen.“