Baustelle in Wachtberg-Berkum: Menschliche Knochen bei Bauarbeiten gefunden

Baustelle in Wachtberg-Berkum : Menschliche Knochen bei Bauarbeiten gefunden

Bei Bauarbeiten in Wachtberg-Berkum sind am Montagvormittag menschliche Knochen gefunden worden. Darunter sind Teile eines Schädels samt Kiefer sowie Rippenknochen. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Einen überraschenden Fund haben Arbeiter am Montagvormittag auf der Baustelle an der Rathausstraße in Berkum gemacht: Beim Ausschachten für eine neue Erdgasleitung stießen die Männer in Höhe der Kirche Sankt Gereon in mehr als einem Meter Tiefe auf Knochen. Darunter Teile eines Schädels samt Kiefer sowie Rippenknochen. Sofort alarmierten die Arbeiter die Polizei. Da ein leitender Beamter davon ausging, dass es sich dabei um Knochen menschlichen Ursprungs handelte, informierte er die Kriminalpolizei. Die soll nun mit Hilfe von Fachleuten versuchen zu klären, wie alt die Knochen sind und ob beim Tod möglicherweise Fremdverschulden im Spiel war.

„Wir haben die Ermittlungen aufgenommen“, bestätigte der Bonner Polizeisprecher Michael Beyer am Montag auf Anfrage. Gefunden worden seien Teile eines Skelettes. Die Knochen stammten „mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Menschen stammen“. Ob es sich dabei allerdings um eine oder mehrere Personen handelt, vermochte Beyer noch nicht zu sagen.

Fundstelle könnte Friedhof gewesen sein

Eingeschaltet habe man bereits die Rechtsmedizin, die das Alter des Skelettes klären soll, und – soweit möglich – auch die Todesursache. Zudem hat die Bonner Polizei Kontakt zum Katasteramt des Rhein-Sieg-Kreises aufgenommen: „Schließlich liegt die Fundstelle in unmittelbarer Nähe einer Kirche“, sagte Polizeisprecher Beyer. Es könnte also sein, dass dort, wo jetzt die Rathausstraße verläuft, einst auch Menschen beigesetzt wurden, also ein Friedhof war. Dafür spricht, „dass die Knochen relativ tief lagen“, mutmaßte ein Polizeibeamter, der mit vor Ort war.

Erst wenn der Polizei die Erkenntnisse der Rechtsmedizin und des Katasteramtes vorliegen und klar ist, wie alt die Knochen überhaupt sind, „werden wir entscheiden, ob wir ein Todesermittlungsverfahren einleiten“, führte Michael Beyer aus. In einem solchen Verfahren wird vor allem geklärt, ob ein Fremdverschulden vorlag, sprich, ob der Tote gewaltsam ums Leben gekommen ist.

Bauarbeiten sollen gestoppt werden

Überrascht zeigte man sich am späten Nachmittag auch beim LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Denn in der Außenstelle Overath müssen eigentlich alle Bodenfunde aus dem Rhein-Sieg-Kreis gemeldet werden. „Wir wissen aber noch von nichts“, sagte auf Anfrage Klaus Frank, Wissenschaftlicher Referent. Da es sich nur um eine kleine Einheit handele, sei man auf jede Meldung angewiesen. Zudem sei es wichtig, schnell zu reagieren. Wichtig sei zum Beispiel, dass Bauarbeiten gestoppt würden. Ob das in Berkum der Fall ist, war am Montag nicht mehr herauszufinden. „Wir müssen uns zeitnah ein Bild von der Situation vor Ort machen“, kündigte der LVR-Fachmann an.

Ohne die Funde schon gesehen zu haben, sagte er ganz allgemein, dass es bis in die frühe Neuzeit normal gewesen sei, rund um eine Kirche zu beerdigen. „Deshalb werden zum Beispiel auch bei Straßenarbeiten hinter dem Bonner Münster häufig Knochen gefunden“, so Frank. Grabungstechniker würden dann im Allgemeinen schauen, ob es sich um ein Skelett oder einen ganzen Friedhof handele. „Das kann dann auch Auswirkungen auf Planungen haben“, meinte der Referent. Man wolle direkt am Dienstagvormittag die Obere Denkmalpflege des Kreises kontaktieren.

Schon früher Skelettreste gefunden

Über die Essig-Mehlemer Chaussee (später Bezirksstraße) und jetzige Rathausstraße hat die Wachtbergerin Barbara Hausmanns, Leiterin der Volkshochschule Voreifel, schon 2013 einen Aufsatz verfasst. „Sie wurde 1854 bis 1857 gebaut und sollte den Zugang zum Rhein ermöglichen“, sagte Hausmanns dem GA. Es habe auch schon eine alte Route gegeben, jedoch sei diese nicht befestigt gewesen.

In seinem Buch „Leben rund um den Wachtberg“ hat Franz Müller beschrieben, dass schon 1956 und 1966 bei Bauarbeiten in unmittelbarer Nähe zur Berkumer Kirche St. Gereon Skelettreste und Scherben aus dem 2. bis 3. Jahrhundert gefunden wurden. Diese hätten auf einen römischen Begräbnisplatz mit Heiligtum hingedeutet.

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