Integrativer Supermarkt in Niederbachem macht dicht: Leere Regale im CAP-Markt

Integrativer Supermarkt in Niederbachem macht dicht : Leere Regale im CAP-Markt

Noch zwei Tage - dann macht der integrative CAP-Supermarkt in Niederbachem endgültig dicht. Viele der 17 Mitarbeiter haben bereits einen neuen Arbeitsplatz gefunden.

In den Regalen des CAP-Markts steht noch Spezialfutter für Wellensittiche, außerdem gibt es reichlich Nudeln, Gewürze und Sekt. Zum Anstoßen ist offenbar auch den Kunden nicht zumute, zwei Tage vor der endgültigen Schließung des integrativen Supermarkts in Niederbachem. "Das ist so schade, alle die leeren Regale", sagte eine Mitarbeiterin am Donnerstag. Die gute Nachricht: Nach Auskunft der Arbeiterwohlfahrt Bonn/Rhein-Sieg, die den CAP-Markt betreibt, haben schon viele der insgesamt 17 Mitarbeiter einen neuen Arbeitsplatz gefunden.

Die Kunden verabschieden sich in diesen Tagen persönlich von den Mitarbeiterinnen an der Kasse und an der Brottheke und dankten ihnen. "Viele Kunden waren auch traurig oder erbost", berichtete Marktleiter Martin Scheunemann. Er wird der Letzte sein, der in Niederbachem arbeitet und im Juli noch Waren an die Lieferanten zurückschickt. Im Müll wird nichts landen. Was weder verkauft noch zurückgegeben werden kann, landet bei einer der vier Tafeln, mit denen der Awo-Kreisverband Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt.

"Es war eine sehr schwere Entscheidung, die Anfang des Jahres getroffen wurde", sagte Awo-Geschäftsführer Franz-Josef Windisch. Umso mehr freut es ihn, dass von den neun Mitarbeitern mit Handicap fünf bereits durch Eigeninitiative eine neue Stelle gefunden haben Das Pilotprojekt CAP-Markt war rein wirtschaftlich betrachtet ein Zuschussgeschäft. Doch die Idee der Awo, "zu zeigen, dass man behinderte Menschen im ersten Arbeitsmarkt unterbringen kann", hat laut Windisch funktioniert.

"Menschen, denen man das vor sechs Jahren nicht zugetraut hätte, können in normalen Arbeitsverhältnissen bestehen." Von der Zusammenarbeit mit den nicht-behinderten Kollegen profitierten sie auch im sozialen Bereich. Ute Stahl, Integrationsbeauftragte der Awo Bonn/Rhein-Sieg berichtete, dass drei Mitarbeiter zu Hause ausziehen und sich eine eigene Wohnung suchen konnten.

Von den insgesamt 17 Mitarbeitern des CAP-Marktes werden etliche in der Lebensmittelbrache bleiben. Sie wechseln in andere Lebensmittelmärkte und in Bäckereien. Einer kehrt in seinen alten Beruf als Lagerist zurück, ein anderer hat künftig in einem Fotogeschäft Kundenkontakt. Wieder andere standen kurz vor der Rente und gehen verfrüht in Ruhestand. Ute Stahl hilft aktuell noch zwei Mitarbeiterinnen mit Handicap bei der Arbeitssuche, zwei weitere Mitarbeiter werden beim Integrationsfachdienst in Bonn betreut.

Heute und am Samstag haben die Kunden noch Zeit, ein paar Schnäppchen zu machen. "Bei den Sachen, die sie überall sonst im Angebot bekommen, greift keiner zu", sagte Scheunemann. Deshalb sieht es bei den Tütensuppen und im Nudelregal noch voller aus als bei Süßigkeiten und im Kühlregal.

Der Mietvertrag für den CAP-Markt läuft offiziell noch bis zum 31. Oktober. Wegen des turnusmäßigen Umsatzeinbruchs während der Sommerferien hatte sich die Awo jedoch entschlossen, den Laden vorher zu schließen. Der Wachtberger Beigeordnete Jörg Ostermann hatte im Hauptausschuss berichtet, dass der Discounter Netto Interesse geäußert habe, in der Immobilie eine "Interimslösung" für Niederbachem anzubieten. "Konkret ist an uns noch keiner herangetreten", sagte Windisch.

Mögliche Arbeitgeber für die verbliebenen zwei Mitarbeiterinnen mit Behinderung können sich bei Ute Stahl unter der Rufnummer 02241/86 68 57 26 melden.

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