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Vor zehn Jahren wieder aufgebaut: Klein-Villiper Kapelle ist für Hochzeiten begehrt

Vor zehn Jahren wieder aufgebaut : Klein-Villiper Kapelle ist für Hochzeiten begehrt

Die Kapelle in Klein-Villip ist besonders bei Hochzeitspaaren beliebt. Initiatoren, Helfer und Gäste wollen den vor zehn Jahren mit Spendengeldern finanzierten Wiederaufbau feiern.

Selbst gesehen hatte Maria Böhm die alte Kapelle in Klein-Villip nie. Aber die Berichte der Landwirte und einiger Bewohner von Klein-Villip kannte sie. „Die sagten immer, dass da die Kapelle gestanden habe und dass man sie einfach abgerissen habe.“ Weil nach ihrem Eindruck alle gerne wieder eine Kapelle im Ort haben wollten, fragte Böhm bei der Gemeinde an, ob man sie in Eigeninitiative wiederaufbauen dürfe. Damit begann das Werden eines Gebäudes, das in diesem Jahr sein zehnjähriges Wieder-Bestehen feiert.

In den 1970er Jahren hatten die Oberen in Wachtberg das ehemalige Kapellengebäude wegen Baufälligkeit abreißen lassen. Am 2. März 1999 steckte Maria Böhm einen von den Klein-Villipern unterschriebenen Brief in einen an die Gemeinde adressierten Umschlag. Die Bürger baten darum, die Kapelle neu zu errichten und sagten zu, selbst mit Hand anzulegen. Dem Ja der Gemeinde, sofern sich der Kapellenverein um Erhalt und Versicherungen kümmere, folgte eine beispiellose Spendenaktion mitsamt vielen Eigenleistungen. Zur Goldhochzeit baten Freiherr von Loë und seine Frau die Gäste um Spenden für die Kapelle anstatt Geschenken. Handwerker arbeiteten drei Jahre lang zum Selbstkostenpreis oder völlig ohne Entgelt. Manche brachten sogar das Material selbst mit. Eine große Spende aus Adendorf ermöglichte die Anschaffung der fehlenden Baumaterialien, sodass 2010 das schmucke Fachwerk nur wenige Meter vom alten Standplatz entfernt errichtet war. „Wir waren überwältigt von der Resonanz“, erinnert sich Hans Böhm, der die Kapelle mit seiner Frau zusammen pflegt.

Auch der ursprüngliche Bau der Kapelle war einem Stifter aus Adendorf zu verdanken gewesen. Der Adendorfer Schreiner Heinrich Kündgen berichtete im Juni 1823 von der Stiftung des Adendorfers Johann Peter Wilms. Die im barocken Fachwerkstil erbaute Kapelle wurde zwar zum geistlichen Mittelpunkt für die Bewohner des seinerzeit zu Villip gehörenden Orts. „Es gab aber kein Geld für die Instandhaltung“, erzählt Hans Böhm. Im Laufe der Jahre verfiel deshalb die Kapelle zusehends, sodass aus Sicherheitsgründen zum Ende der 1930er Jahre das marode Fachwerk durch Schwemmsteinmauerwerk ersetzt werden musste. 1965 schloss die Gemeinde das Haus endgültig, ein Landeskonservator bestätigte die historische Wertlosigkeit des Gebäudes, acht Jahre später riss man es ab.

Für die Klein-Villiper war der kleine Sakralbau jedoch nicht wertlos. Auch wenn es sich nicht um einen historienschwangeren Bau handelte, so hatte der im Laufe der Jahrhunderte gebeutelte Barockbau den Klein-Villipern immer einen geistlichen Mittelpunkt geboten, an dem sie ihre Sorgen, Nöte und Gebete der höheren Macht anvertrauen konnten. „Das soll auch heute wieder so sein“, so Maria Böhm. Deshalb öffnet ihr Mann die Tür zum originalgetreu nachgebauten Fachwerk jeden Tag, und zwar für alle Konfessionen. Das gelte auch für Hochzeiten und Taufen, zu denen sich Familien aller Konfessionen gerne hier einmieten. „Bewohner kommen her, Wanderer ändern extra die Route, um die Kapelle zu sehen“, beschreibt Hans Böhm, wie gut die Kapelle angenommen wird.

Auch heiratswillige Paare und ihre Gesellschaften genießen die Abgeschiedenheit und das besondere Flair im knapp 100-Seelen-Dorf. „Rund 400 Hochzeiten haben hier stattgefunden“, sagt Hans Böhm. Das erste Ja-Wort war am 28. August 2010 zu hören.

Ebendiese Atmosphäre und die Tatsache, dass Klein-Villip nun seit zehn Jahren wieder einen geistlichen Mittelpunkt hat, wollen die Initiatoren, Helfer und Spender mit Gästen in diesem Jahr feiern. „Wir wollen das Fest in der zweiten Jahreshälfte feiern“, sagt Hans Böhm.