Wachtberger Originale: Ihr Ziel sind die Deutschen Meisterschaften

Wachtberger Originale : Ihr Ziel sind die Deutschen Meisterschaften

Die elfjährige Victoria Rentmeister aus Pech ist Landesmeisterin in der Karate-Sportart Kata.

Disziplin ist wichtig, Konzentration unerlässlich und Respekt steht sowieso hoch im Kurs. „Kampfsportarten disziplinieren die Kinder ungemein“, ist Christiane Rentmeister überzeugt. „Die Disziplin, die die Kinder dort erlernen, ist enorm. Es wird nicht geschimpft, sondern alles in Ruhe geklärt. Davon profitieren die Kinder auch in der Schule“, sagt die Mutter der elfjährigen Victoria. Die ist kürzlich Landesmeisterin ihrer Altersklasse im Kata geworden. Eine Kata im Karate ist – wie in anderen japanischen Kampfsportarten auch – eine Übungsform, die aus stilisierten Kämpfen besteht, die jedoch im Karate meist gegen imaginäre Gegner geführt werden.

Oder, in den Worten von Victoria Rentmeister: „Es handelt sich beim Kata um eine Abfolge bestimmter Techniken. Man kämpft aber allein. Die Richter bewerten bei diesen Wettbewerben vor allem die Ausführung der Techniken. Wenn da einer schon in die Halle wie eine schlapprige Nudel reinkommt, ist der bei den Richtern schon unten durch“, erzählt Victoria voller Enthusiasmus. Womit wir wieder bei der Disziplin wären: „Im Karate lernt man Disziplin“, da ist die Tochter ganz bei ihrer Mutter. Dennoch war die Entscheidung für Karate ganz allein die Idee von Victoria. Wobei Vater Michael Rentmeister nicht ganz unschuldig war, der es einst bis zum braunen Gürtel im Judo gebracht hatte. Victorias Schwester Helena, die schon 18 ist, schaffte es nur bis zum gelben Gürtel und hing ihren Judo-Anzug irgendwann wieder an den Nagel.

Schwesterchen Victoria dagegen will noch hoch hinaus: „Mein Ziel ist der grüne Gürtel. Damit kann ich dann an den Deutschen Meisterschaften teilnehmen“, formuliert sie ihr Ziel. Zweimal in der Woche, manchmal auch noch samstags, geht sie zum Training in die Turnhalle der Gertrud-Bäumer-Realschule in Bad Godesberg beim 1. Bonn-Bad Godesberger Karate-Dojo-Verein. Nach dem Erfolg bei den Landesmeisterschaften genießt Karate bei Victoria zurzeit absolute Priorität. „Das hilft mir auch in der Schule“, sagt die Schülerin, die die siebte Klasse des Aloisiuskollegs besucht.

Sport ist natürlich auch dort angesagt: „Heute Vormittag bin ich beim Turnen vom Balken geflogen“, lacht Victoria. Bei diesem Ausspruch kann es sich eigentlich nur um ein kleines Ablenkungsmanöver leisten, denn die gebürtige Hamburgerin, die seit zehn Jahren mit ihrer Familie in Pech lebt, ist eine echte Sportskanone. Vor allem das Reiten ist eigentlich ihr liebstes Hobby. Zweimal in der Woche ist sie dann beim Reitclub Kottenforst unterwegs.

Und als wäre das noch nicht genug, spielt sie noch einmal in der Woche Tennis beim Schulverein Blau-Weiß-Ako. „Ich bin eben eine, die sehr viel Adrenalin hat“, meint sie trocken. Mutter Christiane Rentmeister formuliert es so: „Sie stellt sich einfach den Herausforderungen.“

Da die Woche aber sieben Tage hat, hilft Victoria sonntags noch als Messdienerin in der Gemeinde aus und ist als Sternsingerin unterwegs. „Das mache ich extrem gerne“, sagt sie. Das macht sie, seit sie zwei Jahre alt ist und unterstützt damit eine Kindertagesstätte in der Dominikanischen Republik. „Es geht nicht allen Kindern auf der Welt so gut wie hier in Deutschland“, sagt Victoria. „Da tun Kinder etwas für Kinder“, ergänzt Christiane Rentmeister. „Es ist schade, dass das nur noch so wenige machen.“

Doch noch einmal kurz zurück zum Thema Karate. Der Ursprung des heutigen Karate kommt von der Insel Okinawa in Japan. Aufgrund eines Verbotes der damaligen Besatzer, Waffen zu tragen, entstand der „Kampf mit leeren Händen“, um den Dorfbewohnern ein Mittel zur Selbstverteidigung zu verschaffen.

Ein bedeutender Spruch im Zusammenhang mit Karate heißt denn auch: Karate ni sente nashi – es gibt im Karate keinen Angriff. „Selbstverteidigung gibt es nur bei Bedrohung von Leib und Leben, alles andere verstößt gegen die Regeln“, erzählt Victoria. „Das war auch so ziemlich das Erste, was ich im Verein gelernt habe: Was man darf, und was man nicht darf.“ Den kleinen Rest an Regeln und Ratschlägen kann die Landesmeisterin bei Bedarf ihrer kleinen Karatefibel entnehmen, die sie immer bei sich hat.

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