Hundekotbeutel in Wachtberg: Gemeinde entfernt 37 Automaten

Beschluss des Hauptauschusses : Wachtberg schafft die Gratis-Hundekotbeutel ab

Nach Weihnachten werden die 37 Spender für Hundekotbeutel in der Gemeinde Wachtberg auf Wunsch von Verwaltung und Politik entfernt. In Bonn gibt es die Tüten noch.

Um kleine schwarze Tüten und ihre große Bedeutung ging es am Mittwochabend im Hauptausschuss des Wachtberger Gemeinderates. Um das Ende der Aussprache vorwegzunehmen: Die Gemeinde wird nach Weihnachten keine kostenlosen Hundekotbeutel mehr zur Verfügung stellen.

 In einer Vorlage hatte die Verwaltung ausgeführt, in den zurückliegenden Jahren insgesamt 37 Spender für die Kunststofftüten auf Gemeindegebiet aufgestellt zu haben. „In vergangenen Sitzungen der Ortsvertretungen Adendorf und Ließem, aber auch von Bürgerinnen und Bürgern wurde mit Verweis auf die immer stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung dringende Plastikmülldebatte gefordert, die Tütenspender abzuschaffen“, so die Verwaltung. Hinzu komme, dass die Ortslandwirte berichteten, die gefüllten Tüten würden häufig auf Feldern entsorgt, die eigentlich der Lebensmittelproduktion dienten.

Kosten für Tüten-Spender zu hoch

Bislang, so die Vorlage, würden die 37 Hundekotbeutelbehälter einmal pro Woche kontrolliert und bei Bedarf neu mit Tüten bestückt. Die Kosten für die gleichzeitig stattfindende Entleerung der Abfallbehälter, an denen die Spender meist montiert sind, werden durch die RSAG erstattet. Die Tüten jedoch zahlt die Gemeinde; pro Woche sind das für alle Boxen 70,30 Euro, pro Jahr 3.655,60 Euro. Zudem, so führte die Verwaltung aus, müssten jedes Jahr fünf bis zehn Spender erneuert werden – aufgrund von Diebstahl, Vandalismus oder witterungsbedingt. Das schlage mit einer Gesamtsumme von 1575 bis 3150 Euro zu Buche.

Als erste meldete sich Helga Frohberg (FDP) zu Wort. Sie habe im Vorfeld viel mit Hundebesitzern gesprochen. „Und deren Reaktion zu einer möglichen Abschaffung war stets ‚Warum, wir bezahlen doch Hundesteuer‘“, so Frohberg. Auf der anderen Seite gebe es gerade an abgelegenen Orten einen „Beuteltourismus“, um sich einzudecken für zu Hause. Nicht weiter verfolgt wurde ihr Vorschlag, kostenlos Tüten im Rathaus auszuteilen, und so gleich die wirkliche Zahl von Hundebesitzern zu erfassen.

Auf GA-Anfrage teilte Pressesprecherin Margrit Märtens am Donnerstag mit, in Wachtberg seien zum 1. Dezember 1596 Hunde gemeldet gewesen. „Mit Stand von heute sind 2019 bislang 156 791,63 Euro Hundesteuer gezahlt worden“, so Märtens weiter. Gut 3000 Euro mehr als im Gesamtjahr 2018.

Hundehalter sollen Tüten selbst mitbringen

Eine Steuerzahlung erfolge immer ohne Gegenleistung, betonte Oliver Henkel (Grüne). „Ich frage mich ernsthaft, ob die Besitzer nicht eigene Beutel kaufen und mitnehmen können“, sagte Henkel. Als Hundehalter müsse man eben für entsprechende Utensilien sorgen – so wie auch fürs Hundefutter. „Ich sehe nicht ein, warum die Gemeinde die Tüten zahlen soll“, so der Wachtberger Grüne, zumal sie bei falscher Entsorgung auch noch ewig zum Verrotten brauchten.

Ins gleiche Horn stieß Andreas Wollmann (SPD), der meinte, die Tüten gehörten nicht zur Daseinsvorsorge einer Kommune. Jörg Schmidt (CDU) forderte gar, die Bußgelder zu erhöhen, wenn es künftig überhaupt nicht klappe. Derzeit liegen diese in der Gemeinde Wachtberg laut Pressemitteilung der Verwaltung bei bis zu 1000 Euro.

Die Beutel bezeichnete er als Luxus. Lohnend hingegen ist die Investition in den Augen von Joachim Mittweg (UWG): „Ich wohne in einem Quartier, wo das Angebot gut genutzt wird.“ Gegenteiliger Auffassung war Jutta von der Gönna (Unser Wachtberg): „Die Beutel liegen und hängen überall. Da haben die Landwirte den Kot lieber direkt auf dem Feld als in Tüten.“ Dass die Mülleimer als solche hängen bleiben, beruhigte Helga Frohberg zwar, bei der Abstimmung, die mit Mehrheit gegen die Tüten ausfiel, enthielt sie sich aber.