Nach dem Unwetter in Wachtberg: Historisch beispiellos

Nach dem Unwetter in Wachtberg : Historisch beispiellos

Wachtbergs Beigeordneter Jörg Ostermann kritisiert die zu späte Warnung des Deutschen Wetterdienstes. Aber er gibt auch zu bedenken, dass eine Flut solchen Ausmaßes kaum zu bändigen sei.

Verheerende Schäden wie wohl nie zuvor hat das Unwetter in Wachtberg am vergangenen Samstag angerichtet. Etwa in Gestalt von fünf zerstörten Brücken (Niederbachem, Arzdorf, Villip und Pech) sowie der Beschädigung einer gerade erst abgeschlossen Bachsanierung (Niederbachem).

Hinzu kommt noch eine überschwemmte Kläranlage (Arzdorf). Und doch lag die Gewitterzelle nur über dem Rand der Gemeinde: „Hätte sich das Unwetter nur 500 Meter weiter nördlich entladen, hätten wir noch viel mehr Probleme gehabt.“ Das sagte Beigeordneter Jörg Ostermann am Dienstag dem Planungsausschuss, wo er auch eine Art Schadensübersicht präsentierte.

Auch wenn sich das Unwetter hauptsächlich über der Grafschaft entladen hatte, flutete der Starkregen auch in Wachtberg Hänge und ließ Bäche nie gekannte Pegel erreichen. Laut Ostermann hatten die Unwetterausläufer vor allem Werthhoven und Fritzdorf mit Wucht getroffen. „Um 14.28 Uhr kam die erste Alarmierung aus Fritzdorf“, so Ostermann, wenige Minuten später folgte eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes. Für Ostermann „ein echtes Problemthema“.

In Fritzdorf und dem Gemeindegebiet begann dann ein Unwettertag, der seinesgleichen sucht, und der rund 200 Wehrleute aus allen Teilen des Kreises bis 4.30 Uhr in Atem hielt: Über 200 Einsatzstellen wurden abgearbeitet, davon allein rund 50 in Fritzdorf, wo etwa 50 Keller geflutet waren.

Sehr unterschiedlich betroffene Ortsteile

Auffällig war für Ostermann die völlig unterschiedliche Betroffenheit der Ortsteile, in Höhenlagen sollen bis zu 115 Liter auf den Quadratmeter gefallen sein, in Pech und Niederbachem waren es unter 15. Stichwort Niederbachem: An punktuellen Beispielen lässt sich aus seiner Sicht festmachen, dass sich die Hochwasserschutzmaßnahmen am Mehlemer Bach gelohnt haben.

So sei das Haus an der Bondorfer Straße 19 wie auch die Mühle, „die sonst immer überflutet wurden, trocken geblieben“. Auch habe das Retentionsbecken an der Austraße funktioniert. Ohne Zweifel bleibe bei einigen Häusern am Mehlemer Bach in Niederbachem nichts anders übrig, „als Objektschutz“ zu betreiben. Ein besonderes Hindernis war die Privatbrücke am Ortsausgang Niederbachem, von der ein Rückstau in den Oberlauf ausging. Diese Brücke ist für Ostermann ein „Nadelöhr“, allerdings sehe der Kreis dort leider keinen Handlungsbedarf.

Völlig neu denken muss man in Werthhoven

Völlig neu denken muss man laut Ostermann in Werthhoven, wo die Bewohner erneut extrem betroffen waren. So will der Beigeordnete prüfen, ob es ein System gibt, dass das Wasser um den Ort herumführt. Er habe sich solche „monumentalen Bauwerke“ schon einmal in Essig angeschaut.

Eine neue Situation stellt sich auch in Pech dar, wo der Godesbach zwei Brücken zerstörte. Man sei mit einer Hochwassersituation konfrontiert worden, die in der Pecher Historie ohne Beispiel sei. Zudem bescherte das Gewässer Godesberg ein Hochwasser, „das sich nach Aussage der Stadt Bonn nicht mehr in Jährlichkeiten ausdrücken lässt“, sagte Ostermann.

Ihm fehle jede Fantasie, wie sich eine solche Wassermenge „vernünftig ableiten lässt“. Erfreulich sei, dass die Aufräumarbeiten, die er auf einen deutlich sechsstelligen Betrag schätzt, möglicherweise zu 80 Prozent vom Land übernommen werden. Bleiben noch Investitionen von 1,5 Millionen Euro für den Bau dreier Brücken in Pech und Villip.