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Jawort in Wachtberg beliebt: Heiraten im Drachenfelser Ländchen

Jawort in Wachtberg beliebt : Heiraten im Drachenfelser Ländchen

Standesbeamtin Gabi Hüffel hat mit Markus von Wirtz jetzt einen neuen Stellvertreter. Wachtberg ist bei Brautpaaren beliebt, die Zahl der Trauungen steigt stetig. In diesem Jahr waren es bereits 80 Paare, die sich "trauten".

„Ich habe meinen Traumberuf“, sagt Standesbeamtin Gabi Hüffel. Seit zwölf Jahren ist sie für die Trauungen in der Gemeinde Wachtberg zuständig, die so persönlich ausfallen, dass sie nach der Zeremonie schon gefragt wurde: „Wie lange sind Sie denn mit dem Brautpaar befreundet?“ Gute Vorbereitung zahlt sich eben aus. „Ich finde ganz wichtig, dass man mit dem Herzen dabei ist“, sagt die 54-Jährige, die ihr Rezept für stimmungsvolle Eheschließungen jetzt an ihren neuen Stellvertreter Markus von Wirtz weitergibt, der kürzlich seine Ernennungsurkunde zum Standesbeamten bekommen hat.

Wachtberg ist bei Brautpaaren beliebt, die Zahl der Trauungen steigt stetig. In diesem Jahr waren es bereits 80 Paare, die sich im Trauzimmer des Berkumer Rathauses, in der Marienkapelle in Kleinvillip, im Köllenhof oder in der Burg Adendorf das Jawort gegeben haben. Auch aus Bonn und Köln reisen immer mehr Hochzeitsgesellschaften an. Besonders beliebt ist die Burghochzeit, für die es nur ausgewählte Termine gibt.

Frühestens sechs Monate im voraus können sich Heiratswillige laut Gesetz für die Trauung anmelden. Reservierungen nimmt Hüffel auch mit mehr Vorlauf entgegen, weil sie weiß, dass die Paare sonst keinen Raum für die anschließende Feier mehr bekommen. Maximal sieben Eheschließungen an einem Tag sind möglich.

Alle zusammen geweint

„Wir versuchen hier in Wachtberg eine sehr persönliche Basis aufzubauen“, sagt Gabi Hüffel, die zum Beispiel die „Schühchenhochzeit“ erfunden hat. Ist die Braut schwanger oder hat das Paar gerade ein Kind bekommen, zaubert sie Babyschuhe hervor, die ihre Mutter in verschiedenen Farben auf Vorrat gestrickt hat. Für eine mittelalterliche Hochzeit mit Kutsche und Kostümen hat die Standesbeamtin schon die passende Rede an die „Knechte und Mägde“ vorbereitet und an Weiberfastnacht kam sie als Schornsteinfegerin verkleidet, um dem jecken Brautpaar Glück zu bringen. Als Dankeschön bekommt sie oft Karten von der Hochzeitsreise oder Fotos vom Kind geschickt. Die Eheschließung selbst bleibt ein Verwaltungsakt, für den gesetzliche Regeln gelten. Als ein Mann auf die entscheidende Frage scherzhaft mit „vielleicht“ antwortete, musste Hüffel die Trauung beenden und das ganze Prozedere neu aufrollen.

Markus von Wirtz ist eigentlich Mitarbeiter des Wachtberger Ordnungsamts und bringt den Bürgern oft keine frohen Nachrichten. Er freut sich auf die Abwechslung als stellvertretender Standesbeamter. Auch für schwierige Momente, etwa wenn einer der Ehepartner bei der Trauung schwer krank ist, fühlt sich der Feuerwehrmann gewappnet. „Es gab auch Trauungen, da haben wir nachher alle zusammen geweint“, erinnert sich Hüffel. Immerhin habe sie noch einen letzten Wunsch erfüllen können.

Schwierige Familienverhältnisse

Im Standesamt geht es ohnehin oft ernst zu. Da müssen schwierige Familienverhältnisse geklärt werden, Sterbeurkunden ausgestellt oder „Sternenkinder“ dokumentiert werden, die in Wachtberg tot zur Welt kamen. Die Vorbereitung internationaler Hochzeiten, die im Ausland anerkannt werden sollen, ist zuweilen kompliziert, weil in jedem Land andere Gesetze gelten. Auch für deutsche Kinder, die im Ausland geboren werden, ist das Wachtberger Standesamt zuständig, wenn hier der letzte Wohnsitz war.

Bürgermeisterin Renate Offergeld konnte Markus von Wirtz gleich doppelt gratulieren, denn er hat nicht nur seine Zusatzqualifikation zum Standesbeamten bestanden. Die zweite Urkunde überreichte sie dem 46-Jährigen zu dessen Ernennung zum stellvertretenden Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Wachtberg. Er hatte diese Position bereits die vergangenen sechs Jahre inne.

Und was ist, wenn es brennt, wenn gerade ein Brautpaar vor dem Standesbeamten steht? „Ich sage Wehrleiter Markus Zettelmeyer vorher Bescheid, wann ich trauen gehe. Der Piepser liegt dann in der Schublade und stört nicht die Zeremonie“, berichtete von Wirtz. Egal ob Feuerwehrmann oder Standesbeamter, er will beides „mit Herzblut machen“.

Irgendwann geht es Markus von Wirtz vielleicht wie seiner Kollegin Gabi Hüffel, die in Wachtberg nicht mehr Einkaufen gehen kann, ohne Brautpaare zu treffen. Ein Mann bringt seiner Frau regelmäßig Blumen mit. Einer winkt der Standesbeamtin dann mit dem Strauß und zuruft: „Et hält noch!“