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Wiedersehen nach Jahrzehnten in Wachtberg: Fotoverwechslung mit Folgen

Wiedersehen nach Jahrzehnten in Wachtberg : Fotoverwechslung mit Folgen

Zum ersten Mal nach rund 60 Jahren sahen sich am Samstag Fritz Schulze und Gustav Küster wieder. Die beiden gelernten Schreiner hatten vor 60 Jahren in der Godesberger Schreinerei Ludwig Tonn an der Friesdorfer Straße gearbeitet: Schulze als Schreiner, Küster als Geselle.

Obwohl beide in der Region blieben - Schulze in Wachtberg, Küster in Godesberg - liefen sie sich, nachdem Gustav Küster seine Lehrjahre 1956 beendet hatte, nicht mehr über den Weg. Bis der Zufall eines inhaltlichen Missgeschicks des General-Anzeigers im Rahmen der Berichterstattung über die diamantene Hochzeit von Fritz und Marlene Schulze vor zehn Tagen für eine Überraschung sorgte.

Was war passiert? Der GA veröffentlichte versehentlich zum Bericht über die diamantene Hochzeit ein Foto der Eheleute Küster, die vor kurzem ihre goldene Hochzeit gefeiert hatten. Der GA-Bericht über die Goldhochzeit war allerdings noch nicht erschienen. "Ich habe Gustav darauf gar nicht erkannt", erzählte Fritz Schulze vergnügt. "Erst als ich zwei Tage später den Bericht über die Goldhochzeit der Küsters las, wurde mir klar: Das ist ja der Gustav."

Schulze recherchierte die Telefonnummer und lud das Ehepaar Küster für vergangenen Samstag in sein Haus in Pech ein. "Da wohnen wir praktisch nebeneinander und sehen uns jahrzehntelang nicht", sagte Küster, der ebenfalls sichtlich amüsiert über dieses besondere Wiedersehen war.

Normalerweise sind Marlene und Fritz Schulze um diese Jahreszeit in wärmeren Gefilden unterwegs. Das Ehepaar hatte wegen des besonderen Anlasses der diamantenen Hochzeit seinen mehrmonatigen Spanienaufenthalt in diesem Jahr verschoben.

Dass das Reisen ein besonderes Hobby beider Ehepaare bis heute ist, war natürlich eines der vielen Gesprächsthemen am Samstagnachmittag bei Kaffee und Kuchen. Mit ihrem Wohnmobil bereisten Fritz und Marlene Schulze in den vergangen Jahrzehnten unter anderem Australien und Amerika.

Aber auch Elisabeth und Gustav Küster reisten viel, allerdings am liebsten auf dem Wasser, um ihrer großen Leidenschaft, dem Paddeln, zu frönen. Lebhaft erinnerten sich nun die beiden älteren Herren aber vor allem an ihre gemeinsame Zeit in der Godesberger Schreinerei.

"Das war ja nur ein kleiner Betrieb mit einer Handvoll Mitarbeitern. Außerdem hatten wir da immer viele Praktikanten. Unser Chef kam übrigens aus Lettland", erinnerte sich Fritz Schulze. "Und als Gustav zu uns kam, hatten wir gerade mal zwei Lehrlinge", ergänzte er. Der heute 84-jährige Schulze hatte seine Schreinerausbildung in Norddeutschland absolviert und am 1. Mai 1945, eine Woche vor Kriegsende, beendet.

Über eine Schwester, die bereits in Bad Godesberg lebte, fand er den Weg an den Rhein und in die Schreinerei Tonn. Nach 15 Jahren in dem kleinen Betrieb wechselte er als Techniker ins legendäre Godesberger Trickfilmstudio Fischerkoesen in Mehlem. Und sein ehemaliger Geselle Gustav Küster "landete" später in der Schreinerei des Bundesinnenministeriums, wo er bis zu seinem Ruhestand arbeitete.