Integration: Es kommen wieder Flüchtlinge nach Wachtberg

Integration : Es kommen wieder Flüchtlinge nach Wachtberg

Die Gemeinde Wachtberg muss ihre Unterkünfte reaktivieren. Denn sie erhält wieder mehr Flüchtlingszuweisungen. Alleine im April sind bereits 13 Personen gekommen.

Nach etwas ruhigeren Wochen erhält Wachtberg derzeit wieder mehr Flüchtlingszuweisungen. Alleine im April seien es 13 Personen, sagte Gemeindemitarbeiter Hans-Bernd Sonntag im Sozialausschuss.

Dem Stirnrunzeln mancher Politiker, wie das möglich sei, wo man doch fast die Quote erfülle, hielt Sonntag entgegen: „Die Quote ändert sich permanent durch Zuweisungen in anderen Kommunen.“ Derzeit liege sie bei 92 Prozent, was bedeute, dass Wachtberg dazu verpflichtet sei, 93 Personen aufzunehmen. Da es aktuell 85 Flüchtlinge gebe, die Gelder nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhielten, könnten noch acht hinzukommen.

Probleme bereitet der Gemeinde, dass die anerkannten Flüchtlinge, immerhin 44, die Übergangsheime wegen fehlender Wohnungen nicht verließen. Und was sich in der Theorie mit 186 Soll-Plätzen und 116 belegten Plätzen gut anhört, relativiert Sonntag in der Praxis: „Eine Vollbelegung ist nicht möglich, da wir Rücksicht nehmen müssen auf Familien, unterschiedliche Religionen oder Ethnien sowie Männer und Frauen.“

Zudem stünde, wie bekannt, die Wiesenau ab Jahresende nicht mehr zur Verfügung. Deshalb will die Gemeinde die Alte Schule in Berkum als Unterkunft reaktivieren, überprüft eine Erweiterung an der Raiffeisenstraße in Fritzdorf und möchte den Gereonshof 2 in Werthhoven herrichten.

„Die Hygienecontainer sind in Berkum schon aufgestellt, aber auch da können wir eher 35 als die vorgesehenen 50 Leute als Selbstversorger einquartieren“, sagte Bürgermeisterin Renate Offergeld (SPD).

Wie es denn mit der Zahl der abgelehnten Asylbewerber aussehe, wollte Angelika Pick (CDU) wissen. Denn die belegen nicht nur Plätze, sondern belasten auch den kommunalen Haushalt. Das seien noch 32, so Sonntag, der in seiner Tischvorlage ankündigte, die Rückführung einer vierköpfigen Familie in den Kosovo stünde unmittelbar bevor.

Es habe sich viel verändert im Vergleich zum Jahr 2015, meinte Tülin Kahlenberg vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Wachtberg, die sich im Auftrag der Gemeinde um die Flüchtlinge kümmert. „Wir haben jetzt kaum noch alleinstehende Männer, sondern eher Frauen, die alleine unterwegs sind“, meinte Kahlenberg. Hinzu kämen große Sprachbarrieren und aktuell drei Schwangere.

Die große Herausforderung der nächsten Zeit sei, sich adäquat um die große Anzahl von Flüchtlingen mit Bleiberecht zu kümmern, betonte Kurt Zimmermann vom Ökumenischen Arbeitskreis. Stichwort Integration: „Es geht um Schule, Beruf, rechtliche Fragen, viele Ehrenamtliche fühlen sich schlicht überfordert“, stellte Ehrenamtskoordinatorin Katja Ackermann fest.

Zudem wies sie darauf hin, dass der Betreuungsvertrag mit dem DRK im Juni auslaufe, was die Ausschussmitglieder mehr als interessiert zur Kenntnis nahmen. Bürgermeisterin Offergeld versuchte zu beruhigen: Es seien zeitnah Gespräche angesetzt.

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