Frauen Union besucht Schiff der Zukunft: Einblick in das Fraunhofer-Institut in Wachtberg

Frauen Union besucht Schiff der Zukunft : Einblick in das Fraunhofer-Institut in Wachtberg

Die Frauen Union hat dem Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) in Wachtberg-Werthhoven einen Besuch abgestattet. Das Institut forscht für die Bundeswehr, aber auch für zivile Bereiche.

Von Wachtberg in die Deutsche Bucht sind es nur wenige Schritte und zwei Türen. Dann stehen die Teilnehmer einer Exkursion der Frauen Union (FU) Wachtberg in der Operationszentrale einer Fregatte der Deutschen Marine, die vor Wilhelmshaven schippert. Genauer: in einem Schiff der Zukunft.

Der aktuelle Kapitän ist Zivilist und arbeitet beim Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE), das in Werthhoven sitzt. „Wir arbeiten hier jeden Tag daran, die Welt sicherer zu machen“, umreißt Oliver Witt sein Forschungsfeld kurz und knapp. „Mensch-Maschine-Systeme“ heißt seine Abteilung, die zu 80 Prozent militärisch und damit für die Bundeswehr im Einsatz ist. Vereinfacht gehe es um die Analyse und Optimierung von Prozessen.

Im Ernstfall geht es zukünftig um Leben und Tod

„Der Mensch trifft die letzte Entscheidung, deshalb muss man Daten von Systemen für den Menschen gut aufbereiten, damit er eben jene Entscheidung fällen kann“, so der Wissenschaftler. Im Ernstfall, das ist allen im Raum klar, geht es um Leben und Tod, darum, ob Waffen eingesetzt werden oder nicht.

Konkrete Beispiele für das Tun der Abteilung nennt Witt, während auf ihn und die 20 Gäste der FU Wachtberg andere Schiffe auf großen Leinwänden zusteuern. „Auf der aktuellen Fregattenklasse 124 sind an jedem der 15 Arbeitsplätze zwei Monitore übereinander angebracht“, so Witt. Das jedoch erschwere die Kommunikation; zudem könne man nicht erkennen, ob der Kollege gerade im Stress sei, die Frage also störe. Im Nachfolgermodell 125 gibt es dank FKIE eine Anordnung nebeneinander. Überhaupt steht der Operateur in Werthhoven sehr im Mittelpunkt. „Wir haben adaptive Systeme, die herausfinden können, wie gestresst der Nutzer ist, das ist bei der Luftzielidentifizierung nicht unwichtig“, erklärt Witt. Das dazugehörige Forschungsfeld setzt in diesem Fall auf akustische Signale, „ähnlich denen, die Sie hören, wenn Sie mit dem Auto aus Unachtsamkeit die Spur wechseln“, so der Experte. Wohin der Operateur guckt, erfassen die Profis ebenfalls, über sogenannte Blicksequenzen, die sich auf dem Bildschirm in vielen Linien darstellen. „Dabei geht es um die optimale Bildschirmgestaltung für den Menschen davor.“

Auch im zivilen Bereich tätig

Aber auch im zivilen Bereich ist das Institut unterwegs, dessen Schwester, das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik, mit dem weißen Radom nebenan sitzt und Basisdaten liefert. „Bei der Fährschifffahrt geht es zum Beispiel um Evakuierungsprozesse, bei der Hafensicherheit um Trainingskonzepte“, sagt Witt.

Zurück zur Einsatzzentrale, die auch „in echt“ keine Fenster hat. „Mit den Leinwänden wollen wir den Menschen unter Deck genau die gleiche Sicht wie auf der Brücke ermöglichen“, sagt Witts Kollege Andreas Eihof. Dann darf der jüngste Teilnehmer der Runde auf den Platz des Schiffseinsatzkoordinators. „Ganz schön ruckelig“, findet Benjamin Thannisch, der mit Opa Erwin Rüdiger gekommen ist. Per Joystick manövriert er den Stuhl in Richtung entgegenkommendes Schiff. „Leider ein freundliches, da es blau umrandet ist“, sagt Witt und nimmt Benjamin die Aussicht auf einen Beschuss. Schließlich sind die Frauen – und ein paar Männer – um FU-Vorsitzende Maike Scholz ja auch in friedlicher Mission gekommen. „Wir bieten unseren 65 Mitgliedern und Gästen regelmäßig Betriebsbesichtigungen an, aber das heute ist schon besonders“, zieht Scholz beeindruckt Bilanz.

Weitere Infos zum Fraunhofer-Institut FKIE gibt es unter der Adresse www.fkie.fraunhofer.de. Wer mehr über die Arbeit der Frauenunion erfahren möchte, erhält unter www.fu-wachtberg.de einen Einblick.

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