Engagierter Ruhestand: Ehrenamt bei der Flüchtlingshilfe in Wachtberg

Engagierter Ruhestand : Ehrenamt bei der Flüchtlingshilfe in Wachtberg

Karl-Heinz Bialas leistet für seinen Vorruhestand 1000 Stunden unbezahlte Arbeit bei der Flüchtlingshilfe in Wachtberg. Anderthalb Jahre möchte er die Ehrenamtskoordinatorin Katja Ackermann im Ließemer Köllenhof unterstützen.

Irgendwann im vergangenen Jahr hat es Karl-Heinz Bialas gereicht. Die Krankenakte hatte sich gefüllt, und es tauchte die Frage nach der eigenen Endlichkeit auf. „Da habe ich mit meiner Frau das erste Mal über das Thema Vorruhestand gesprochen“, sagt der 57-Jährige. Herausgekommen ist ein Unruhestand, denn seit Mai unterstützt der langjährige Telekommitarbeiter an fünf Tagen in der Woche Ehrenamtskoordinatorin Katja Ackermann im Ließemer Köllenhof.

Möglich wurde das durch ein besonderes Projekt, an dem auch Beamte der Telekom ab 55 Jahren teilnehmen können (siehe „Der “Engagierte Ruhestand„“). Dies gewährt unter anderem die Möglichkeit, die Firma zu verlassen, dann 1000 Stunden ehrenamtlich zu arbeiten, bevor es in den Ruhestand geht. „Im November 2018 habe ich mich über ein Portal beworben, im März 2019 kam die positive Rückmeldung“, so der Gimmersdorfer.

Dann musste es schnell gehen, denn zum 1. Mai brauchte er einen Einsatzort. „Für mich war klar, dass ich mich in meiner Gemeinde engagieren möchte.“ Und das, obwohl er erst 2010 nach Gimmersdorf zog. Über das Internet stieß Bialas auf die Flüchtlingshilfe und gesteht: „Ich wusste vorher gar nicht, dass in Wachtberg 300 Flüchtlinge leben.“

Jetzt lernt er sie alle kennen, denn jeden Mittwoch bereist er mit DRK-Flüchtlingsbetreuerin Tülin Kahlenberg die Unterkünfte der Gemeinde. Und bringt sein technisches Vorwissen ein. „Bei der Telekom war ich als Projektleiter zuletzt zuständig für den Glasfaserausbau in Gewerbegebieten, nun kümmere ich mich ums Internet für die Unterkünfte“, sagt er.

Bialas plant anderthalb Jahre für seinen Dienst ein

Daneben interviewt er mittels Fragebogen Flüchtlinge, um Infos fernab der Aktenlage zu erhalten. „Wir wollen wissen, was sich die Menschen selbst für ihre Zukunft vorstellen, wie ihre Schulbildung oder die Sprachqualifikation ist“, so der Ehrenamtliche. Das sei auch eine Win-win-Situation, denn bei Menschen aus 22 Ländern könne man beispielsweise Dolmetscher im Alltag gut gebrauchen.

Anderthalb Jahre hat er sich für seinen Dienst gegeben. „Es wäre auch schneller möglich, die Pflichtstunden zu erbringen, aber ich wollte Luft haben für private Dinge“, betont er. Keine Zehn-Stunden-Tage mehr, stattdessen Teilzeitarbeit von 8 bis 12 Uhr.

Kein Stau mehr auf der Südbrücke, stattdessen kurze Vespafahrten. Allerdings auch ordentliche finanzielle Einbußen. „Da ich nur auf 30 Arbeitsjahre komme, gibt es massive Einschnitte bei der Rente“, meint er und erwähnt im selben Atemzug, dass das Mehr an Lebensqualität es ihm wert sei.

Zumal er sich im Team mit Kahlenberg, Kurt Zimmermann vom ökumenischen Arbeitskreis und Ackermann sehr wohl fühlt. „Wir sind dankbar für dieses unerwartete Geschenk aus Gimmersdorf“, sagt seine Chefin in Richtung Bialas und lobt sein strukturiertes Arbeiten. Die im wahrsten Sinne enge Zusammenarbeit im kleinen Büro des Köllenhofs schätzen beide. Über die Zeit nach dem Ehrenamt macht er sich aber keine Sorgen: „Ich habe eine aktive Frau, ein altes Haus und einen jungen Hund.“