Kritik an fehlender Trainingsanlage: Diskussion um Sportplätze in Wachtberg

Kritik an fehlender Trainingsanlage : Diskussion um Sportplätze in Wachtberg

Manuel Lengrüsser kritisiert die Trainingsbedingungen für Leichtathleten. Der Zehnkampfexperte aus Niederbachem beschreibt die unmöglichen Zustände, unter denen seine Vereinsarbeit leidet.

Fast immer wenn sich Manuel Lengrüsser mit seinen jungen Aktiven des Vereins Leichtathletik Wachtberg (LaWa) zum Training trifft, muss er improvisieren. Mal hängt das Training vom Wetter ab, mal von seinem Ideenreichtum. Das hängt damit zusammen, „dass es in ganz Wachtberg keine vernünftige Trainingsanlage gibt“, betont Lengrüsser. Er kennt keine Nachbarkommune, in der es ähnlich schlechte Bedingungen gibt. Da es bislang an einem Stadion mit einer Laufbahn und einer entsprechenden Sprung- und Kugelstoßanlage fehlt, behilft sich Lengrüsser bislang vorzugsweise mit der maroden Sprunganlage auf den Sportplatz in Villiprott.

Doch wenn es regnet muss das Training dort ausfallen. Verantwortlich dafür ist der Aschebelag. Als Alternative dient dann die Rasenfläche am Beachvolleyballfeld nahe des Berkumer Schulzentrums. Doch dort gibt es noch nicht einmal eine Sprunggrube, sodass Lengrüssers Trainingstruppe dann für Weitsprungübungen oft mit einer Sandgrube eines benachbarten Spielplatzes vornehmen muss.

Bewegungsdefizite bei jungen Leuten

Für Lengrüsser sind das unhaltbare Bedingungen für seinen Verein, der sich bei sportlichen Vergleichswettkämpfen höchst erfolgreich präsentiert. Magrit Märtens, Sprecherin der Wachtberger Gemeindeverwaltung, entgegnet, dass der Bau einer entsprechenden zentralen Anlage in Berkum geprüft werde.

Lengrüsser ist nicht nur praktizierender Leichtathlet, sondern auch Spezialist im Zehnkampf. Der Niederbachemer will vor allem den Nachwuchs für diese traditionsreiche Sportart begeistern. Darum hatte Lengrüsser vor zwei Jahren LaWa überhaupt gegründet. Mittlerweile zählt er 60 Aktive, davon alleine 50 Kinder und Jugendliche. Auf die Gruppe konzentriert er das Training, weil er nicht nur den Leichtathletiknachwuchs für gefährdet hält. Vor allem macht er bei immer mehr Jungen und Mädchen Bewegungsdefizite aus.

Die Chance, auf dem Sportplatz in Villprott für eine Verbesserung der Trainingsbedingungen zu sorgen, war aus Sicht von Lengrüsser zuletzt groß. Die Sportplätze in Villiprott und Adendorf sollen nämlich überarbeitet werden. Die Pläne wurden im Juni im zuständigen Infrastrukturausschuss vorgestellt. Beide Sportplätze sollen nämlich einen Kunstrasenbelag bekommen – und in Villiprott soll auch etwas für die Leichtathletik getan werden. Für die Umgestaltung der beiden Plätze sind 900.000 Euro im Haushaltsentwurf eingeplant.

110-Meter-Bahn und Weitsprunganlage

Lengrüsser erhofft sich von dem Geld eine neue 110-Meter-Bahn samt Weitsprunganlage und ein unmittelbar angrenzendes Multifunktionsfeld in Villiprott. So etwas gibt seiner Aussage nach noch nicht in Wachtberg, aber er hält es für absolut notwendig: „Auf dem Multifunktionsfeld, das auch keine Unsummen kostet, könnten Schüler dann an ein und demselben Ort Kugelstoßen, Hoch- und Weitsprung üben.“ Doch gemäß der vorgestellten Planungen soll es anders kommen. Vorgesehen ist eine 100-Meter-Bahn, die zudem als Anlauf für die ebenfalls neue Weitsprunganlage taugen soll. Diese Ausstattung eigne sich vor allem für den Schulsport und die Ausrichtung von Bundesjugendspielen, so der Architekt. Ferner ist ein Bolzplatz vorgesehen.

„Für ein umfassendes Leichtathletiktraining ist das aber nicht ausreichend“, hat damals bereits Ausschussmitglied Oliver Henkel (Grüne) kritisiert. Die Anlage nur für einen Tag Bundesjugendspiele zu nutzen, sei „Luxus“. Er schlug vor, das Geld stattdessen in eine immer wieder angedachte zentrale Leichtathletikanlage in Berkum zu investieren. Der Architekt hatte seinerzeit den Entwurf damit verteidigt, dass Bundesjugendspiele mindestens ein halbes Jahr lang die gesamte Schule beschäftigten.

Untersuchungen und Planungen

Leichtathletikexperte Lengrüsser hält allerdings dagegen, dass Grundschüler keine 100-Meter-Bahn bräuchten: „Die laufen ja nur 50 Meter.“ Von der 100-Meter-Bahn würden lediglich Schüler weiterführender Schulen profitieren, aber auch nur in Verbindung mit der von ihm geforderten Multifunktionsfläche. Was ihn bei dem ganzen Thema besonders ärgert: „Mit mir hat keiner der Entscheidungsträger jemals gesprochen.“

Märtens weist daraufhin, dass derzeit die Beschlüsse aus den zuständigen Ausschüssen umgesetzt würden: „An die Verwaltung war aus den Ausschüssen der Auftrag herangetragen worden, zu prüfen, ob der Bau von leichtathletischen Anlagen mit einer Sprunggrube und Laufbahn im Bereich des Berkumer Schulzentrums möglich ist“, führt die Gemeindesprecherin aus. Berkum habe man dabei in den Fokus genommen, weil dort auch durch die Vielzahl an Schülern und die gute Erreichbarkeit „die größtmögliche Nutzung erzielt werden könnte“.

Untersuchungen und Planungen seien bereits in der Mache. Was Märtens noch zu bedenken gibt: „Aufgrund der jetzt gegebenen Platzverhältnisse müssten gegebenenfalls private Grundstücke angekauft werden.“ Hierzu seien bereits erste Gespräche geführt worden.

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