Leiter des Musikkorps der Bundeswehr: Christoph Scheibling entspannt in der Bonner Natur

Leiter des Musikkorps der Bundeswehr : Christoph Scheibling entspannt in der Bonner Natur

Christoph Scheibling hat als Leiter des Musikkorps der Bundeswehr viel zu tun. In seiner knappen Freizeit sucht er den Ausgleich in der Natur und persönlicher musikalischer Weiterentwicklung.

Von der Löwenburg in gut 450 Metern Höhe die Ruhe und den Ausblick genießen, aus dem Siebengebirge auf das Grün, auf die Kugel, auf seine Heimatgemeinde Wachtberg blicken. Das ist eine Facette von Christoph Scheibling, dem Leiter des Musikkorps der Bundeswehr. Während er in Uniform als Dirigent und musikalischer Leiter des Korps das Land vertritt, findet er Ausgleich in der Natur und persönlicher musikalischer Weiterentwicklung.

Rund 50 Konzerte in ganz Deutschland, manchmal auch im Ausland, sorgen für einen straffen Zeitplan. „Da ist der Rahmen für Freizeitvergnügen knapp bemessen“, sagt der Oberstleutnant. Diese Zeit gehört seiner Familie, dem Garten und seinem Hobby, dem Wandern, „am liebsten auf Klettersteigen.“ Die Löwenburg ist eines seiner bevorzugten Ziele.

„Ich mag die Ruhe auf der Burg, die Atmosphäre, den einzeln stehenden Baum und den Blick auf Wachtberg“, beschreibt er den Ausgleichseffekt im Grünen für den stressigen Berufsalltag. Auch wenn er dieses Wanderziel schätzt, so sei das nicht das Wichtigste. „Wandern bedeutet für mich nicht, von A nach B zu kommen, sondern unterwegs zu sein, zur Ruhe zu kommen.“

Im Ländchen und der Umgebung hat er die Gelegenheit zum Natur- und Ruhegenuss seit 2010. Dahin nämlich führte ihn sein beruflicher Werdegang als stellvertretenden Leiter des Militärmusikdienstes nach Bonn. Mit seiner heutigen Ehefrau suchte er seinerzeit nach einem Lebensmittelpunkt, der stadtnah, zugleich aber ruhig und grün gelegen war.

So fiel die Wahl der beiden auf Wachtberg, wo sie um Juni 2012 auf Burg Adendorf heirateten. Für ein Engagement in einem Verein fehlt Scheibling die Zeit, sagt er, aber bei den Wachtberger Kulturwochen haben sich seine Frau und er von Anfang an engagiert.

„Zuerst als Duett mit Oboe und Klavier“, berichtet der Musiker. Später habe seine Frau auch im Duett mit einer Harfenistin gespielt, er war jüngst mit dem „politischen Piano“ im Köllenhof. Die vier Themenkreise waren Trump, den er in Slapstickmanier karikierte, ein möglicher „Exit vom Brexit“, eine mahnend-melancholische Ballade über die AfD und ein Lied zum Berliner Flughafen, zu dem er den Titel „Unter den Wolken“ in Anlehnung an das bekannte Stück von Reinhard Mey „Über den Wolken“ gedichtet hatte. Da er auch privat selbst gern musiziert, überdenkt er, das sehr gut angekommene „politische Piano“ künftig weiter auszubauen.

Musik macht der im August 1969 geborene Wipperfürther seit seinem achten Lebensjahr. Klavier und Posaune lernte er, trat 1989 in den Militärdienst der Bundeswehr ein und begann das Kapellmeisterstudium. Später fand man ihn auch in Auslandseinsätzen, unter anderem in Afghanistan.

Dort baute er innerhalb des Isaf-Mandates die Militärmusik in Kabul auf. Den Sinn davon, in einem Land mit den damaligen Problemen eine militärmusikalische Grundlage aufzubauen, erklärt der Fachmann: „Auf politischer Ebene ist es üblich, Staatsgäste mit ihrer Landeshymne zu empfangen. Dazu benötigt man eine Grundlage“, erklärt er die Notwendigkeit der entsprechenden Ausbildung. Er persönlich hat die interkulturelle Erfahrung als bereichernd empfunden: „So etwas erweitert den Horizont“, sagt er.

Als Leiter des Musikkorps hat Scheibling aus musikalischer Sicht theoretisch alles erreicht, was er sich in seiner Laufbahn hätte wünschen können. Wäre da nicht noch ein Projekt, das auf den ersten Blick irritierend wirkt. „Wir wollen demnächst wieder in Wacken sein“, sagte Scheibling. Ja, in Wacken, dem Heavy-Metal-Festival.

„Das ist musikalisch eine große Herausforderung“, so der Leiter des Korps. Diese Herausforderung hatte das Ensemble erstmals 2015 angenommen. Eine spannende musikalische Mischung war dabei herausgekommen, die sich hören lassen konnte. „Zusammen mit U.D.O. und dem Chor Bonn Voice, dem besten Chor im Westen 2018, ist vorher ein Album geplant.“ Man darf also gespannt bleiben, was das Korps in Wacken 2020 zusammen mit den anderen Künstlern auf die Bühne bringt.

Persönlich wichtig sei Scheibling, die Welt der Musik auch an die nächste Generation weiterzugeben. „Mein Sohn hat sich schon ein Instrument ausgesucht“, berichtet er von den gemeinsamen Plänen mit dem sechsjährigen Sprössling. „Ab dem Herbst geht es mit dem Waldhorn los.“ Vorher genießt die Familie jedoch einen ausgedehnten Urlaub am Bodensee, an dem seine Frau verwurzelt ist.

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